ChristlicherDigest

Hände schützen beim Heimwerken

von Anette Brecht-Fischer

Selbermachen liegt voll im Trend. Einen neuen Holzfußboden verlegen, eine Bank für den Flur bauen, die Terrasse neu gestalten – das macht Spaß und spart nebenher auch noch so manchen Euro. Doch das Verletzungsrisiko ist hoch; Leichtsinn spielt dabei eine große Rolle. Wie man sich und besonders seine Hände vor Verletzungen schützen kann, erklären wir hier.

Schnitt- und Stichwunden, Quetschungen und Brüche – jedes Jahr verletzen sich rund 300.000 Menschen beim Heimwerken. Das Risiko für Verletzungen wird in vielen Fällen verkannt. Die meisten derartigen Unfälle ließen sich vermeiden, wenn Sicherheits-Tipps beachtet würden. Werkzeuge wie Hammer, Bohrer, Sägen, Scheren und Messer kommen beim Arbeiten im Haus und im Garten bevorzugt zum Einsatz. Sie können vor allem für die Hände gefährlich werden. Zu den häufigsten Verletzungen, die beim Einsatz von Messern und Klingen entstehen, gehören Schnitt- und Stichwunden.

An zweiter Stelle stehen Verletzungen beim Umgang mit Sägen, Handkreissägen und Rasenmähern. Leichte Schnitte oder Stiche können im Allgemeinen von den Betroffenen selbst versorgt werden, indem die Wunde unter fließendem Wasser gereinigt, desinfiziert und dann verbunden wird. „Wenn es aber zu einer klaffenden Wunde kommt, die Wunde stark schmerzt, blutet oder Bewegungsstörungen auftreten, sollten die Patienten unbedingt ein Krankenhaus aufsuchen“, empfiehlt Joachim Windolf, Leiter der Uniklinik für Unfall- und Handchirurgie in Düsseldorf.

Wer Verletzungen nicht ernst nimmt und nicht zum Arzt geht, riskiert unter Umständen, dass bleibende Schäden mit dauerhaften Funktionseinschränkungen der Hand zurückbleiben – was sogar eine Arbeitsunfähigkeit zur Folge haben kann. „Da die Hand außerordentlich komplex ist, können auch vermeintlich harmlose Verletzungen zu langfristigen Folgen führen. Handchirurgen sind darauf spezialisiert, Verletzungen und Erkrankungen der Hand richtig zu diagnostizieren und zu versorgen“, erläutert Walter Schäfer, Präsident der Dt. Gesellschaft für Handchirurgie.

Richtige Vorbereitung
Damit es erst gar nicht zu Verletzungen kommt, können Heimwerker einiges vorbeugend tun: Planen Sie Ihren Einsatz und besorgen Sie das nötige Werkzeug. Machen Sie sich damit vertraut, bevor Sie anfangen. Allgemein gilt: Wer Arbeitshandschuhe trägt, schützt seine Hände. Allerdings gibt es eine wichtige Ausnahme: Beim Hantieren mit Kreissägen und Bohrmaschinen sind Handschuhe absolut tabu, denn sie können vom rotierenden Werkzeug erfasst werden und erhöhen auf diese Weise das Verletzungsrisiko. Arbeitshandschuhe gibt es aus unterschiedlichen Materialien wie etwa Kunststoff, Leder oder Gestrick, die je nach ihrem Einsatzgebiet jeweils Vorteile bieten.

Lassen Sie sich dazu am besten im Fachhandel beraten. Ansonsten sollten Arbeitshandschuhe die richtige Größe haben, damit sie einwandfrei sitzen und ihre Funktionalität erhalten bleibt. Gummihandschuhe taugen höchstens zum Putzen, aber nicht zum Umgang mit Werkzeugen. Je nach der Art der Tätigkeit gehören auch Schutzbrille, Staubmaske und Ohrenschützer zur Ausstattung.

Vorsicht Messer und Sägen!
Beim Umgang mit Messern und Klingen passieren die meisten Handverletzungen, weshalb in diesem Bereich besonders auf Schutzmaßnahmen geachtet werden sollte. Arbeiten Sie möglichst mit Sicherheitsmessern, die verdeckte Klingen oder einen automatischen Klingenrückzug haben. Anderenfalls das Messer sofort nach dem Arbeiten wieder in die Schutzstellung zurückbringen. Verwenden Sie keine Messer mit feststehender Klinge. Stumpfe Messer sind gefährlicher als scharfe. Deshalb sollten abgenutzte Klingen entfernt oder nachgeschliffen werden. Achten Sie auf ergonomische und gummierte Griffe, die guten Halt bieten.
Tischsägen und Handkreissägen können schwere Verletzungen an Fingern, Händen und Armen verursachen. Enganliegende Kleidung und keine Handschuhe tragen, damit nichts in die Rotation gezogen werden kann. Die Schutzvorrichtungen am Gerät wie Abdeckhaube usw. niemals entfernen. Handkreissägen sollten Motorbremse, Einschaltsperre und einen nicht feststellbaren Schalter haben. Späne sollten mit einem Handbesen, nicht mit den Händen entfernt werden.

Richtig handeln im Ernstfall
Ist doch einmal ein Unfall passiert, heißt es, schnell und überlegt zu handeln. Kleine Schnittwunden mit fließendem, kalten Wasser auswaschen, desinfizieren und mit einem Pflaster versorgen. Wenn Splitter oder Steinchen in der Wunde sind, nur oberflächlich abdecken und beim Arzt die Wunde reinigen lassen.
Wenn die Wunde stark und pulsierend blutet, wurde eine Arterie verletzt. Dann sollte ein Druckverband angelegt werden: Eine sterile Kompresse auf die Wunde legen, mit einer Mullbinde mehrmals umwickeln. Dann ein Druckpolster, z.B. eine noch zusammengerollte Mullbinde oder ein Päckchen Papiertaschentücher, darauflegen und ebenfalls fest verbinden. Wichtig: Der entsprechende Körperteil sollte nicht abgebunden werden. Sofort zum Arzt zur weiteren Behandlung!
Bei Quetschungen und Prellungen sollte die Hand ruhig gestellt und gekühlt werden. Ein leichter Druckverband ist meist ausreichend.
Wenn Verdacht auf einen Knochenbruch besteht, sollte die Hand ruhig gestellt und sofort ein Arzt aufgesucht werden. Nicht versuchen, den Bruch selbst zu schienen.

Besonders schnelles Handeln ist nötig, wenn z.B. ein Finger abgetrennt wurde. Sofort den Notruf 112 wählen. In vielen Fällen kann ein Körperteil wieder angenäht werden. Die Ersthelfer sollten daher die Blutung stillen, aber auch gleich gezielt nach dem abgetrennten Finger suchen. Um die Blutung zu stillen, muss ein Druckverband auf die Arterien an der Innenseite des Handgelenks angelegt werden. Der abgetrennte Körperteil sollte gekühlt werden, darf aber nicht direkt mit Eis in Verbindung kommen, da die Zellen sonst geschädigt werden. Am besten steril oder zumindest mit sauberem Material (Papiertaschentücher z.B.) umwickeln, in eine Plastiktüte geben und verschließen. Darum eine zweite, mit kaltem Wasser und evtl. einigen Eiswürfeln gefüllte Tüte packen. Tüte den Notfallsanitätern gleich mitgeben.

Bei allen Verletzungen sollte sichergestellt werden, dass ein ausreichender Tetanus-Schutz vorhanden ist, sonst muss die Impfung aufgefrischt werden.