ChristlicherDigest

Namibia – die Wüste glüht und lebt

Von Ursula Wiegand

Dieses Rot ist einfach unglaublich! Es färbt, zumindest in Namibia, die Sandböden der riesigen Kalahari. Für weitere Rotnuancen sorgt die Morgen- und Abendsonne. Dann glüht die Wüste, dann leuchten die Felsen. Selbst die grauen Dickhäuter erröten in diesem animierenden Licht. Rot ist bekanntlich die Farbe der Liebe, und die wächst von Tag zu Tag zu diesem besonderen Land im Südwesten Afrikas, zumal bei unserer 20tägigen Reise auch das Drum und Dran stimmt. Sprich die Wanderungen und die mit Highlights gespickte Route. Das Leitungswasser ist gefahrlos trinkbar! In den Städten wird es gereinigt, die Lodges haben eigene Brunnen, Dort kommt das frische Nass aus der Tiefe. Damit wir sieben Wanderer bei längeren Touren nicht dürsten, hat Hauser-Reiseleiter Hannes de Vries einen großen Wasserkanister im Safari-Truck. Und dann die Lodges.

Einige sind wie Luxushotels, so unsere erste Bleibe, die Kalahari Anib Lodge oder später die Mokuti und die Twyfelfontein Lodge, in deren Nähe sich die berühmten, bis zu 5.000 Jahre alten Felsgravuren befinden, ein UNESCO-Weltkulturerbe. Einige haben auch Führer, die die Gäste bei Touren begleiten. Den lachenden Gelasius von der Erongo Wilderness Lodge werde ich bestimmt nicht vergessen. Auch gemütliche einfachere Unterkünfte erleben wir, alle mit Pool, alle picco bello sauber, alle mit schmackhafter Küche und sehr freundlichem Personal. Der Tourismus ist für Namibia ein bedeutsamer Wirtschaftsfaktor. So erklärt sich das. Alles weitere erklärt Hannes. Der hat den Boden im Blick und entdeckt die Verstecke der Skorpione und die winzigen Trichter des Ameisenlöwen, der unten auf die hineinrutschende Beute lauert. Auch weiß er anhand der Spuren sofort, welche Tiere hier wann gelaufen sind. Schon als kleiner Junge hat er sich in der Wüste herumgetrieben und irgendwo im Freien geschlafen. Anfangs hätte sich seine Mutter Sorgen gemacht, später wusste sie, der kommt irgendwann wieder nach Hause.

Eines wird uns schnell klar und bestätigt sich an den folgenden Tagen: die Kalahari mit ihren Büschen und Bäumen ist keine Wüste, sondern eine sog. Dornstrauch-Savanne und außerdem eine Heimat der Kameldornbäume. Ihre Blätter sind die Lieblingsspeise der Giraffen. Und der Kamele? „Nein, die gibt es hier nicht. Die Einheimischen nennen die Giraffen Kamelpferde“, lacht Hannes. Zu seinen Lieblingsplätzen gehört der unter Naturschutz stehende Köcherbaumwald, dessen bis zu 300 Jahre alten Bäume inmitten von Felsen wie Kandelaber gen Himmel ragen. Ihr Inneres ist watteweich, so dass die Einheimischen einst Aststücke als Köcher für ihre Pfeile benutzten. Rot schimmern die pittoresken Baumkronen im Abendlicht. Kleine Tiere, wie rundliche Häschen wirkend, suchen sich auf den Steinen noch schnell einen Sonnenplatz. Klippschliefer sind es, und sie werden unsere Maskottchen. Als die Sonne sinkt, stehen die Köcherbäume wie Scherenschnitte vor dem noch hellen Himmel.

Ein mystischer Ort. Dieser Eindruck setzt sich bei einer „Nacht unterm Sternenzelt“ im Namib Rand Naturreservat fort, bringt aber gehörigen Aufwand mit sich. Eine Kochgelegenheit mit Töpfen und Pfannen, ein Klapptisch, Stühle und ein Chemie-Klo werden ins Nowhere transportiert. Helfer bauen Zelte auf, falls es kalt oder windig werden sollte. In Namibia ist der August ein Wintermonat. Während schon das Feuer prasselt und Hannes zu kochen beginnt, reizt nahebei eine kleine, leuchtend rote Düne zum Erklimmen. Kaum zurück, gibt’s ein Dreigangmenü und am nächsten Morgen sogleich eine Wanderung zum „Musikberg“. Wer die richtigen Stellen findet, kann den Steinen Melodien entlocken. Das Jubeln beginnt zwei Tage später beim Anblick der großen Dünen von Sossusvlei. Die strahlen uns rot entgegen, und wie Ameisen wirken diejenigen, die auf der rd. 120 Meter hohen Düne 45 immer am Grad entlang emporstapfen. Menschen aus aller Welt wandern hinauf. Der weiche Sand macht das Bergauf anstrengend. Zwei Schritte vor, einen zurück, eine Echternacher Springprozession nach namibischer Art. Doch die Düne 45 ist nur das Einsteigermodell. Die eigentliche Herausforderung ist der 325 Meter hohe „Big Daddy“.

Beim Abstieg bzw. Runterrutschen landet man/frau schließlich im „Tal des Todes“, wo abgestorbene Bäume an wasserreichere Zeiten erinnern. Wie schmal wirkte zuvor – vielleicht auch wegen des Hardap-Damms – der Fluss, der sich in 550 Meter Tiefe durch den gewaltigen, von ihm geschaffenen Fish River Canyon schlängelt. Mit Wasser sparsam umzugehen, lernen auch die Besucher. Denn eines ist unübersehbar – die Wüste wächst und kommt der Walfisch Bay und der Stadt Swakopmund immer näher. Die Bewohner dieser fröhlich-farbigen Stadt scheinen sich keine Sorgen zu machen, müssen es auch noch nicht. Anderes fällt mehr und nicht nur dort auf: die Deutschfreundlichkeit und die gelassene Bewahrung der keineswegs ungetrübten, teils brutalen Kolonialgeschichte. Viele Bauten tragen weiterhin ihre deutschen Namen und stehen unter Denkmalschutz. Die von den Deutschen erbaute Kaserne dient nun als Jugendherberge. Überraschung auch in der Raith’s Bakery. „Schokoladen-Croissant, Mohnkuchen, Apfelstrudel“ steht auf den Schildern, und der Käsekuchen ist ein Gedicht.

Im sehenswerten Museum hat auch alles Platz, Afrikanisches und Deutsches. Das war uns zuvor schon in Keetmanshoop aufgefallen, in der ehemaligen, zum Museum umfunktionierten Missionskirche. Porzellan, alte Nähmaschinen, deutsche Fotos und Gewehre stehen friedlich neben Exponaten der Nama, einst Hottentotten genannt. Tafeln unterrichten über ihre Geschichte und Lebensweise. Die früheren Nähmaschinen sind offenbar unkaputtbar. Tage später, Im Herero-Land, arbeitet gerade eine fröhliche Frau mit einem Singer Handkurbel-Modell. Ihr Rüschenkleid und den schicken Hut hat sie darauf gefertigt. Ihre Nachbarinnen sind ebenfalls fein herausgeputzt. Als ihnen die Missionare Kleider verordneten, haben sie das Beste daraus gemacht. Anders die Himba-Frauen. Die sind nach wie vor barbusig und stets bereit ihre Kinder zu stillen. Kopf und Körper schmücken sie jedoch intensiv und keineswegs für die Touristen, denen sie gerne gutes Kunsthandwerk offerieren. Wer etwas kauft, darf sie auch fotografieren.

Bei der Zwergfellrobben-Kolonie am Kreuzkap und vor allem Im Etosha-Nationalpark sind die Kameras dann im Großeinsatz. Das Fahrzeug verlassen darf niemand. Unser Safari-Truck lässt sich oben aufklappen, ein Vorteil beim Beobachten und Bildermachen. Elefanten stapfen durchs hohe Gras, Antilopen und Zebras ziehen umher. Die dünnen Springböcke machen ihrem Namen alle Ehre. Schnell müssen sie sein, denn ein gut getarnter Leopard lauert schon im Gebüsch. Am meisten tut sich an den Wasserlöchern. Die großen Giraffen halten Ausschau, und auch die Kleineren haben ihre Aufpasser. Bei jedem Verdacht stürmen stieben die Impalas furchtsam davon. Selbst die Elefanten geleiten ihre Kleinen wachsam zum Trinken, und wie brav bleiben die an Mamas Seite. Ähnlich verhalten sich die Breitmaulnashörner nahe der Waterberg Wilderness Lodge.

Im Gegensatz zu den Spitzmaulnashörnern sind sie von friedlicher Natur und auf dieser riesigen Farm auch an Menschen gewöhnt. Ihre Hörner wurden gestutzt, um sie vor skrupellosen Wilderern zu schützen. Aus gleichem Grund kürzt man auch Elefanten die Stoßzähne. Solche Sorgen haben die frechen Paviane nicht. Bevor wir den Bus oder das Zimmer verlassen, müssen wir die Fenster schließen. „Die fressen auch Zahnpasta“, warnt Hannes. Nur seine Majestät der Löwe lässt sich trotz all’ unserer Bemühungen nicht blicken. Macht nichts behalten unsere Maskottchen in bester Erinnerung: die niedlichen Klippschliefer, und die sind Vegetarier. Infos zu dieser Reise „Zwischen Dünen und Federkissen“ bei Hauser Exkursionen unter Tel. 089-235006-0 und HYPERLINK „http://www.hauser-exkursionen.de“ www.hauser-exkursionen.de Generelle Auskünfte zu Namibia in Frankfurt/Main, Tel. 069-1337360, und unter HYPERLINK „http://www.namibia-tourism.com“ www.namibia-tourism.com Nötig ist ein noch ein halbes Jahr gültiger Reisepass. Das Visum erhalten Deutsche bei der Einreise am Airport. Minderjährige benötigen eine internationale Geburtsurkunde. Impfungen sind nicht erforderlich (U.W.)