ChristlicherDigest

Gefäßerkrankungen: Lieber vorbeugen

von Anette Brecht-Fischer

Gefäßerkrankungen betreffen große Teile der Bevölkerung. Doch ihre Anzeichen, ihre Verbreitung und ihre zum Teil dramatischen Folgen sind weitestgehend unbekannt. Lesen Sie hier, warum gesunde Blutgefäße mehr in den Fokus gehören. Unfassbare 150.000 Kilometer Blutgefäße ziehen sich durch unseren Körper. In den Arterien wird das Blut vom Herzen hinauf in den Kopf und hinunter bis in den kleinen Zeh geleitet. Dabei versorgt das mit Sauerstoff und Nährstoffen angereicherte Blut alle Organe und Gewebe.

Auf dem Rückweg in Richtung Herz werden die Blutgefäße Venen genannt, die die beschwerliche Aufgabe übernehmen, das Blut entgegen der Schwerkraft zurück zu pumpen. Venen Man unterscheidet die Gefäßerkrankungen nach dem Ort ihres Auftretens, d.h. nach Arterien oder Venen. Zu den häufigsten Venenerkrankungen gehören Krampfaderleiden und Venenthrombosen. Bei einer Krampfader weitet sich die Vene und die Venenklappen, die verhindern, dass das Blut wieder zurückfließt, schließen nicht mehr dicht. Es kommt zu Schweregefühlen in den Beinen und zu einem Rückstau von Blut. Dabei kann Gewebswasser austreten und die Haut schädigen, die brüchig und rissig wird. Dies passiert in erster Linie im Bereich der Fußgelenke. Nach kleinsten Verletzungen kann sich ein Geschwür bilden, das oft nur schlecht wieder abheilt. Es kommt zum sogenannten Ulcus cruris, dem offenen Bein. Bei einer Venenthrombose hat sich infolge des verlangsamten Blutstroms z.B. bei Bettlägerigkeit ein Gerinnsel (Thrombus) gebildet, das die Vene komplett verschließt.

Meist ist eine Beinvene betroffen. Es kommt zu spontanen Schmerzen im Bein und oft zu besonders deutlich sichtbaren oberflächlichen Venen. Wenn sich solch ein Thrombus löst, kann er in die Lunge oder ins Gehirn geschwemmt werden und dort lebensgefährliche Embolien verursachen. Arterien Bei einer arteriellen Gefäßerkrankung handelt es sich in den allermeisten Fällen um eine sogenannte Arteriosklerose, umgangssprachlich auch Arterienverkalkung genannt. Sie kann in allen Arterien vorkommen und hat je nach ihrer Lokalisation schwerwiegende Folgen. So kann es wegen einer verstopften Arterie zu einem Herzinfarkt oder auch zu einem Schlaganfall kommen. Bei einer Arteriosklerose lagern sich innerhalb der Gefäßwände Blutfette, Gerinnsel, Bindegewebe und Kalk ab. Das Innere der Arterie wird durch diese Plaque mehr und mehr eingeengt bis es schließlich zu einem Aufbruch der Gefäßwand und zu einem vollständigen Verschluss kommen kann. Nach heutiger Lehrmeinung sind die Blutfette – und hier in erster Linie das LDL-Cholesterin – dafür verantwortlich, dass sich eine Arteriosklerose ausbildet. Neuere Forschungen lassen vermuten, dass vorgeschaltete Entzündungsprozesse in der Gefäßwand zu einer Plaque führen.

Die Zukunft wird zeigen, welche Erklärungen stichhaltiger sind. Wenn die arterielle Durchblutung in den Beinen gestört ist, spricht man von einer arteriellen Verschlusskrankheit (AVK). Zunächst zeigen sich keine Beschwerden, aber im Laufe der Zeit treten nach längeren Gehstrecken Schmerzen auf. Bei fortschreitender Erkrankung werden die schmerzfreien Geh-Intervalle immer kürzer – es kommt zur sogenannten Schaufensterkrankheit: Die Betroffenen bleiben beim Stadtbummel immer wieder vor einem Schaufenster stehen, aber nicht, um die Auslagen anzusehen, sondern um den Beinschmerzen zu entkommen. Im weiteren Verlauf schmerzt das Bein auch im Ruhezustand, zudem kann es infolge von Mangeldurchblutung zum Untergang von Gewebe kommen. Das klassische Raucherbein beispielsweise gehört in diese Kategorie der arteriellen Verschlusserkrankungen.

Intakter Blutfluss in Arterien und Venen Um seine Gefäße jung und elastisch zu erhalten, kann man eine ganze Menge tun. Wichtig ist dabei in erster Linie ein aktiver Lebensstil, der am besten schon im Kindesalter beginnt. Wer es von jungen Jahren an gewöhnt ist, sich viel zu bewegen und Sport zu treiben, wird dies auch im Erwachsenenalter beibehalten. Eine ausgewogene Ernährung verhindert Übergewicht und macht zudem Lust auf mehr Bewegung. Die Deutsche Gesellschaft für Angiologie – Gesellschaft für Gefäßmedizin e.V. empfiehlt folgende Maßnahmen, um die Blutgefäße gesund und fit zu erhalten:

• Trinken Sie ausreichend! 2 Liter natriumarmes Wasser oder ungesüßte Tees sind die besten Durstlöscher.
• Bleiben Sie aktiv! Nehmen Sie öfter die Treppe statt des Aufzugs. Nehmen Sie das Rad oder gehen Sie bewusst zu Fuß, wobei Sie über die ganze Fußsohle abrollen.
• Achten Sie auf eine gesunde Ernährung! Vollkornprodukte, Müsli, frisches Obst und Gemüse, wenig Fette, Fisch sowie fettarme Milchprodukte. Gehen Sie sparsam mit Salz um.
• Werden Sie Nichtraucher! Jeder Zug an der Zigarette fördert die Bildung freier Radikale im Blut, die die Gefäßwände angreifen.
• Integrieren Sie Venengymnastik in Ihren Alltag! Wenn Sie beruflich viel sitzen oder stehen, können Sie Ihre Gefäße durch einfache Übungen am Arbeitsplatz trainieren.
• Kennen Sie Ihre Risiken! Menschen mit Bluthochdruck, Diabetes, hohen Blutfettwerten und Übergewicht haben ein erhöhtes Risiko für eine Gefäßerkrankung.