ChristlicherDigest

Gut zu hören

von Anette Brecht-Fischer

Mit zunehmendem Alter lässt das Gehör nach. Dies ist ein schleichender Prozess, weshalb viele Betroffene die Einschränkung ihres Gehörs gar nicht gleich bemerken. Die negativen Auswirkungen können in verschiedener Hinsicht jedoch beträchtlich sein. Ein gut eingestelltes Hörgerät kann Abhilfe schaffen. Familienfeste, in denen man in großer Runde zusammensitzt und redet, volle Restaurants mit lauten Nebengeräuschen – irgendwann macht das keine Freude mehr, weil man nicht alles versteht, was gesprochen wird.

Der Ton am Fernseher muss immer lauter gestellt werden und überhaupt „nuscheln so viele Leute“. All dies deutet auf eine beginnende Schwerhörigkeit hin, von der etwa 25 bis 40 Prozent aller Menschen über 65 Jahren betroffen sind. Bei den über 75-Jährigen ist es bereits die Hälfte, die schlecht hört. Ältere Personen nehmen insbesondere hohe Töne und Geräusche nicht mehr richtig wahr. Wenn zum Beispiel ein elektrisches Gerät in hohen Tönen fiept, hören dies meist nur die Enkel, die zu Besuch kommen. Außerdem haben die Senioren Schwierigkeiten, Gespräche zu verstehen, wenn im Hintergrund andere Geräusche ablenken. Experten sprechen von einem Hörverlust hoher Frequenzen und einem nachlassenden Sprachverständnis in lauter Umgebung, dem sogenannten Cocktail-Party-
Effekt.

So geht das Hören Bei gesunden Menschen werden Geräusche von der Ohrmuschel eingefangen und über den Gehörgang weitergeleitet. Sie bringen das Trommelfell zum Schwingen. Über die Gehörknöchelchen im Mittelohr wird der Schall dann ins Innenohr übertragen. Dort werden die akustischen Signale in Nervenimpulse umgewandelt und danach im Gehirn verarbeitet. Im Laufe der Lebensjahre kann es zu einer Schädigung des Innenohrs kommen, aber auch der Hörnerv und das Hörzentrum im Gehirn werden durch die Alterungsprozesse beeinträchtigt – die Folge ist dann eine mehr oder weniger ausgeprägte Schwerhörigkeit. Darüber hinaus gibt es noch eine weitere Ursache, die oft unterschätzt wird, nämlich Lärm. Ältere, aber auch jüngere Menschen sollten daher ihr Gehör vor zu viel Lärm schützen. Wer im Alter unter Herz-Kreislauf-Erkrankungen und/oder Stoffwechselerkrankungen wie z.B. Diabetes leidet, hat ein höheres Risiko für Schwerhörigkeit.

Ebenso gibt es erbliche Veranlagungen, die das Risiko vergrößern. Raucher haben ebenfalls schlechtere Karten. Schlecht für das Miteinander und für die Gesundheit Wer schlecht hört und die Gespräche anderer nicht mehr gut mitbekommt, zieht sich oft in sein Zuhause zurück. Unbewusst kapseln sich die Betroffenen ab und isolieren sich vom sozialen Leben. Dies kann weitreichende Auswirkungen haben, denn der Umgang mit Mitmenschen ist wichtig für die geistige und körperliche Gesundheit. Unbehandelt kann Schwerhörigkeit deshalb zu vorzeitigem geistigen Abbau, sozialem Rückzug und Unsicherheit bei der Bewältigung des Alltags, beispielsweise im Straßenverkehr, führen.

Auch Depressionen im Alter können in vielen Fällen auf das schlechte Hören und damit auf die fehlende Teilhabe am Leben zurückzuführen sein. Forscher fanden heraus, dass Menschen mit einer Hörminderung im Ablauf von zehn Jahren deutlich häufiger an Demenz erkrankten als eine Vergleichsgruppe ohne Hörprobleme. Dieser Zusammenhang soll jetzt in einer Studie der Hochschulen Hannover und Salzburg näher untersucht werden. Die Mediziner vermuten, dass es einen Zusammenhang zwischen den fehlenden Hörreizen in bestimmten Gehirnbereichen und den kognitiven Fähigkeiten gibt. Bis das Ergebnis der Studie vorliegt, wird es noch einige Zeit dauern, aber dennoch empfehlen die Forscher, bei einer beginnenden Schwerhörigkeit möglichst frühzeitig ein Hörgerät zu tragen. Aller Anfang ist schwer Obwohl in Deutschland nach Schätzungen der Dt. Seniorenliga rund 16 Millionen Menschen schlecht hören, besitzt nur ein Drittel davon ein Hörgerät. Und von diesen trägt nur ein kleiner Teil das Gerät regelmäßig.

Dabei könnten die meisten Betroffenen mit einem Hörgerät wieder besser hören, allerdings ist die Eingewöhnungszeit in vielen Fällen mühsam. Wenn das Gehirn nämlich schon längere Zeit keine Hörsignale einer bestimmten Frequenz mehr empfangen hat, dann muss es erst wieder lernen, mit diesen Signalen umzugehen. Oft beträgt die Trainingszeit einige Monate. Es ist folglich nicht so, dass man mit einem Hörgerät von einem auf den anderen Tag wieder bestens hören kann, wie viele Betroffene meinen. Ist das Hörergebnis nicht so, wie man es sich vorgestellt hat, landet das Hörgerät aus Enttäuschung häufig in der Schublade. Bei beginnenden Hörproblemen führt der erste Weg zum HNO-Arzt, der das Gehör testet und bei Bedarf ein Hörgerät verordnen kann. Moderne Geräte sind kaum noch sichtbar. Die meisten Betroffenen wählen ein Hinter-dem-Ohr-Gerät, aber es gibt auch Im-Ohr-Geräte und sogenannte Hörbrillen, bei denen die Technik im Brillenbügel versteckt ist.

Die meisten Hörgeräteakustiker bieten die Möglichkeit, verschiedene Geräte im täglichen Umfeld zu testen. Wenn das geeignetste Gerät gefunden ist, muss es auf die individuelle Hörstörung des Patienten eingestellt werden. Diese Prozedur muss in den Folgemonaten mehrmals wiederholt werden, da sich Gehör und Gehirn an die neuen Höreindrücke gewöhnen und so erneute Feineinstellungen nötig werden. Spätestens dann, wenn die mühsame Eingewöhnungszeit vorbei ist, freut man sich wieder auf das nächste Familientreffen in großer Runde. Buchtipp: „DazugeHören: Die psychosozialen Folgen der Schwerhörigkeit bewältigen – ein Ratgeber für Hörgeschädigte und ihre Angehörigen“ von Doris Jäger-Flor
´
Das Gehör schützen Lärm kann das Gehör dauerhaft schädigen und zu verfrühten Hörproblemen führen. Bereits ein dauerhafter Lärmpegel von 85 Dezibel (dB) kann Hörschäden hervorrufen. Einige Beispiele für die Lautstärke:
• Normales Gespräch: 60 dB • Straßenlärm: 80 dB • Industrielärm: 100 dB • Musik in Diskos oder bei Rock-Konzerten: 120 dB • Düsentriebwerk: 140 dB

Alle Geräusche, die (auch nur kurz) über 130 dB ansteigen, können akute Hörprobleme verursachen. Deshalb sollte man bei größerem Lärm einen Gehörschutz tragen. Außerdem sollte man den Ohren hinterher eine Ruhepause gönnen.