ChristlicherDigest

Entspannt im Advent

von Anette Brecht-Fischer

Gute Vorsätze sollten manchmal schon vor dem Jahreswechsel beginnen – so z.B. der, es diesmal in der Adventzeit etwas langsamer anzugehen und sich nicht stressen zu lassen. Auf Frauen und Mütter lastet häufig ein besonderer Druck, es allen recht zu machen. Geht es auch anders? Wer freut sich nicht auf den Advent? Geschenke für Freunde und Verwandte besorgen und sie liebevoll einpacken, Weihnachtsmärkte besuchen, Glühwein trinken, die Wohnung weihnachtlich schmücken, Plätzchen backen, lange Spaziergänge im Winterwald machen. Hinzu kommen noch die verschiedenen Weihnachtsfeiern in der Firma, im Sportverein und mit den Kindern in der Schule.

Für sich genommen sind dies alles schöne Anlässe, doch in ihrer Vielzahl können sie auch ganz schön stressen. Da ist es nicht verwunderlich, dass das Ganze manchmal zu viel werden kann. Der Advent als Zeit der Besinnung, das klappt schon lange nicht mehr. Zu groß ist die Liste mit Aufgaben und Pflichtterminen, die wahrgenommen werden müssen, und zu groß ist in vielen Fällen auch der eigene Anspruch. Muss man wirklich zehn verschiedene Sorten Plätzchen backen oder reicht nicht auch die Hälfte? Für eine veränderte Sichtweise plädiert auch Dieter Bonitz, Diplom-Psychologe im AOK-Bundesverband. Er rät, regelmäßige Momente der Ruhe in den Alltag einzubauen und damit dies auch realisiert werden kann, empfiehlt er, eine eigene To-do-Liste für Entspannungsmomente aufzustellen. „Es ist wichtig, für sich selbst zu sorgen und sowohl die Pflicht- als auch die Entspannungstermine gut zu planen“, empfiehlt Bonitz.

Auszeiten vom Trubel Eine Checkliste aufzustellen und mit allen wichtigen Terminen, Vorbereitungen und Verpflichtungen hilft, den Überblick nicht zu verlieren. In der Adventszeit ist so eine Liste durchaus hilfreich, die dann Stück für Stück abgearbeitet werden kann. Doch wie wäre es mit einer zweiten Liste, in der lauter Entspannungsmomente aufgeführt werden, die einem gut tun? „Eine solche Checkliste für die ganz persönlichen Auszeiten hängt am besten direkt neben der To-do-Liste für die Adventszeit“, sagt Dieter Bonitz. Im Vorfeld sollte man überlegen: Was ist mir selbst wichtig? Was entspannt mich? Was wollte ich schon immer mal machen? Damit findet man schnell die Stichworte, die auf die persönliche Auszeit-Checkliste gehören. Hier eine mögliche Auswahl:

• nachmittags eine gemütliche Kaffee- oder Teepause
• Mittagsschlaf
• Sport
• Saunabesuch
• mal wieder ein Buch lesen
• Adventsschmuck basteln
• Entspannungsübungen, meditieren
• Spaziergang

Gerade die kleinen Unternehmungen, die im Alltag zum Ritual werden können, sind wichtig, weil sie feste Fixpunkte im hektischen Dauerlauf des Tages markieren. Damit nicht auch noch die Entspannungsvorsätze zusätzlichen Stress machen, müssen von der Pflicht-Checkliste einige Posten gestrichen werden. Entweder werden diese Arbeiten an andere Familienmitglieder delegiert oder sie werden ganz gestrichen – und dies ohne schlechtes Gewissen! Durch Absprache im Familien- und Freundeskreis kann jeder die Aufgaben übernehmen, die ihm liegen. Das kann sehr unterschiedlich sein. Der eine stürzt sich gern in den samstäglichen Weihnachtstrubel und kauft Geschenke. Der andere besorgt sie lieber im Internet. Der eine liebt Adventskaffeekränzchen, der andere verbringt die Adventssonntage lieber daheim mit seiner Familie.

Anstatt die Weihnachtsplätzchen selbst zu backen, kann man sie auch kaufen. Das große Weihnachtsessen mit der Familie kann auch mal anders als üblich organisiert werden: Jeder Gast bringt einen Teil des Menüs fertig zubereitet mit oder man kocht zusammen in entspannter Runde. Perfektionismus muss nicht sein. „Wie so oft liegt ein guter Weg in der Mitte“, meint der Psychologe Dieter Bonitz. „Vielleicht reichen schon ein oder zwei Termine, die gestrichen werden.“ So gewinnt man etwas mehr Zeit, die man ganz für sich hat und entsprechend nutzen kann. Ganz wichtig ist aber auch, so Bonitz: „Teilen Sie Ihrem Umfeld mit, welche Zeiten Sie künftig für sich reserviert haben und was Sie vorhaben. Und vor allem, lösen Sie sich von den Erwartungen Ihres Umfelds, wie man die Weihnachtszeit zu begehen habe. Besinnen Sie sich darauf, dass Sie es selbst in der Hand haben.“

Kleine Atemübung In stressigen Situationen wird die Atmung flacher, was bedeutet, dass weniger Sauerstoff in die Lungen strömt. Mit der „Lippenbremse“, einer Übung aus der Atemtherapie, konzentrieren Sie sich auf die Atmung, lösen Muskelverspannungen und fördern die Durchblutung des Körpers.

• Setzen Sie sich gerade hin und spitzen Sie beim Ausatmen die Lippen.
• Pressen Sie die Luft nicht aktiv gegen diesen Widerstand hinaus, sondern lassen Sie sie ohne Druck die Lippen passieren.
Die Lunge leert sich langsam.
• Anschließend durch die Nase wieder einatmen. • Erneut über die Lippenbremse ausatmen. • Wiederholen Sie dies einige Male.