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Pirna – Etwas Ostalgie und ein lebendiges Gemälde

In Pirna kann man einiges erleben. Zum Beispiel etwas Ostalgie. Und ein Gemälde, das regelmäßig zum Leben erweckt wird.

August III., Sohn von August dem Starken, schickte seinen Hofmaler Bernardo Bellotto in die vom Kurfürsten beherrschten bedeutenden Städte Sachsens, um sie für ihn malen zu lassen. Sie sollten für alle Zeiten im Bild festgehalten werden. Mit seinen wirklichkeitsgetreuen Darstellungen („Veduten“) von Rom und Venedig hatte sich der Maler schon einen Namen gemacht. 1746 trat er als Hofmaler in die Dienste des Kurfürsten. 1753 kam Belotto, der sich nach seinem berühmten Onkel Antonio Canal „Canaletto“ nannte, nach Pirna.

Elf Veduten und mindestens 25 Repliken fertigte er von der Stadt. Das bekannteste Gemälde ist das Panoramabild „Der Marktplatz zu Pirna“ von 1753. Zum Komponieren des Originalbildes bediente sich Canaletto eines optischen Hilfsmittels, der camera obscura. Der damals gemalte Marktplatz ist im Original auch heute in fast unveränderter Art zu bewundern.

Die Pirnaer Veduten des 1780 in Warschau verstorbenen Malers sind heute im Besitz der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Im Canalettohaus befindet sich eine Meisterkopie des Marktplatzbildes (gemalt von Christoph Wetzel) und Reproduktionen der anderen elf Gemälde. Im Rathaus Pirna ist eine weitere außergewöhnliche Kopie des Gemäldes zu sehen: Eine Holzintarsienarbeit des Dresdner Intarsienmeisters Ekkehard Reiners von 1981/82.

Die eindrucksvollste „Kopie“ lebt

Die wohl eindrucksvollste Kopie des Gemäldes ist aber nur einmal im Jahr zu bewundern – und nur für kurze Zeit. Da das Marktplatz-Ensemble heute fast noch so aussieht wie zu Canalettos Zeiten, erwecken Pirnaer Bürger Canalettos Bild einmal im Jahr zu neuem Leben. Was der berühmte Maler gemalt hat, stellen sie in einem lebendigen Bild nach.

Die reizvolle historische Altstadt mit ihren aufwendig verzierten Bürgerhäusern hat aber das ganze Jahr über viel zu bieten. 300 Baudenkmäler wie Hausfassaden, Arkadenhöfe, Erker, Giebel und Sitznischenportale aus Sandstein sind bis heute erhalten. Engels- und Teufelserker, Erlpeterbrunnen, Postmeilensäule und das Geburtshaus des Ablasspredigers Johann Tetzel – das sind nur ein paar der besonderen Sehenswürdigkeiten, die Pirna zu bieten hat. Beeindruckend: die dreischiffige, spätgotische Hallenkirche St. Marien mit ihrem reich verzierten Sandsteinaltar von 1611 und einem nicht minder interessanten Taufstein von 1561. Zahlreiche kunstvolle und einmalige Details gibt es im Inneren des imposanten Gebäudes zu entdecken.

Der Malerweg, einer der schönsten und beliebtesten Wanderwege Deutschlands, endet im Canalettoweg und führt direkt in den historischen Stadtkern Pirnas. Außerdem ist Pirna der Ausgangspunkt des Weinwanderweges, der Sächsischen Weinstraße und nicht zuletzt ein unverzichtbarer Halt auf Deutschlands beliebtestem Radweg – dem Elberadweg.

Ostalgie erleben: das DDR-Museum

Auch die jüngste Geschichte Pirnas lebt: Im privat geführten DDR-Museum Pirna. In einer Dauerausstellung gibt das Museum Einblicke in das Leben in der DDR bis 1989. Auf zwei Etagen zeigt das Museum auf einer Gesamtfläche von 2.000 Quadratmetern über 100.000 Exponate in wechselnden Ausstellungen. Zur Ausstellung gehören ein komplett eingerichteter Konsum, ein Kindergarten, ein Klassenzimmer, eine Krankenstation und verschiedene Kraftfahrzeuge sowie Werke des Fotografen Hartmut Schorsch. Auf dem Außengelände des Museums steht seit Mai 2011 die alte Dresdner „Kinderstraßenbahn Lottchen“. Eine Rarität ist ein Herzschrittmacher aus den 1960er Jahren und eine Geschirrspülmaschine.

Zur Mätresse des Kurfürsten

Von Pirna aus lohnt ein kleiner Abstecher zur Burg Stolpen. Kaum zwanzig Kilometer von der Stadt entfernt erhebt sich die Burg, in der die ehemalige Mätresse Augusts des Starken in einer Art Verbannung die letzten 49 Jahre ihres Lebens verbrachte. Einzigartig ist der weite Blick von der Burgruine über das Osterzgebirge.

Infos

TouristService Pirna, Am Markt 7, 01796 Pirna

Tel. +49 3501 556 446

www.pirna.de, touristservice@pirna.de

 

DDR-Museum Pirna

Rottwerndorfer Straße 45, 01796 Pirna

www.ddr-museum-pirna.de