ChristlicherDigest

Peking – von der Verbotenen Stadt zur modernen Mega-City

von Ursula Wiegand

Verbotenes besitzt bekanntlich besondere Reize. Also gleich nach der Ankunft in Peking hin zur Verbotenen Stadt, der größten Palastanlage der Welt, seit 1987 ein UNESCO-Weltkulturerbe.

Es ist ein Kaiserpalast der Superlative, errichtet in nur 14 Jahren von 1406-1420. Rund eine Million Sklaven und an die 100.000 Kunsthandwerker sollen dort geschuftet haben. Fünf Jahrhunderte lang lebten und herrschten hier Chinas „Himmelssöhne“ mit Familie, Konkubinen und Hofstaat. Die Revolution im Jahr 1911 beendete die Monarchie.

In der Kaiserzeit erhielten nur besondere Gäste Zutritt oder wurden zur Audienz empfangen. Seit 1925, nach dem Auszug des letzten Kaisers Puyi, steht die Verbotene Stadt allen Menschen offen. Zwar nicht das gesamte, 720.000 qm messende Areal, aber mehr als 50 Prozent. Nur Rauchen ist wegen der Holzbauten verboten.

Chinesen aus allen Landesteilen kommen insbesondere im Frühsommer und im Herbst, wenn der Himmelt über Peking blau ist. Hinein geht’s zunächst durch das Tiananmen-Tor, das Tor des Himmlischen Friedens auf der Südseite. Eine Grünanlage mit bunten Blumenbeeten und das Mao-Bild auf der Gebäudefassade weisen den Weg. „Auf einem Podest stehend hat Mao hier am  01. Oktober 1949 die Volksrepublik China ausgerufen,“ erklärt Guide Han Zhiyuan von China Tours.

Weiter geht’s durch das Mittagstor, und ab hier herrschen Poesie und totale Harmonie. Tor der höchsten Harmonie heißt der nächste Durchbang und dann das bewundernde „Ah“. Begeistert blicken die Besucher über einen weitläufigen Platz auf die Halle der höchsten Harmonie. Die scheint dank ihrer harmonischen Proportionen förmlich über den drei weißen Marmorterrassen zu schweben. Lediglich das Gedrängel vor den Fenstern, die nur einen seitlichen Blick auf den Drachenthron erlauben, ist nicht ganz so harmonisch.

Schade, doch das macht fast nichts, denn von Drachen wimmelt es im Kaiserpalast. Mehr  als 13.000 sollen es sein, in China gelten sie als starker Schutz gegen Feinde. Also ringeln sie sich zuhauf auf den weißen Steinrampen, die in die wichtigsten Hallen führen. Insgesamt 24 Kaiser wurden im Laufe der Jahrhunderte in einer Sänfte über sie und die Palastböden hinweg getragen. Auf der Neun-Drachen-Wand präsentieren sie sich in leuchtenden Farben.

Es bleibt poetisch. Der Halle der höchsten Harmonie folgen die Halle der vollkommenen Harmonie und die zur Erhaltung der Harmonie. Gewohnt haben die Kaiser mit ihrer Familie im nördlichen Teil, und sicherlich hat die Kaiserin im Palast der irdischen Ruhe gut geschlafen. Fast 9999 ½ Räume sollen sich in den mehr als 900 Gebäuden befunden haben. „10.000 waren allein dem Himmel vorbehalten,“ weiß Han.

Als schattenreiche Oase mit skurrilen Bäumen und einem hübschen Pavillon erfreut schließlich der kleine kaiserliche Garten nahe dem Nordtor, durch das die Besucher den Kaiserpalast verlassen. Fotografen richten bereits ihre Teleobjektive auf den niedlichen Nordwestturm jenseits des 52 Meter breiten Palastgrabens. Wäre da bloß nicht der Straßenlärm.

„22 Millionen Einwohner, 5,6 Millionen Autos,“ sagt Han. Gelassen und geschickt steuert er durch den heftigen Verkehr. In Deutschland würde es ständig krachen, in Peking reagieren alle flexibel. „Chaotische Harmonie“, lacht er.

Am Rande der Fahrbahn strampeln viele auf gelben und roten Leihrädern tüchtig voran. „Das ist ein richtiger Boom geworden, denn die kosten fast nichts,“ erklärt Han. Auch er nimmt sich ab und zu ein Radl. 18 U-Bahnlinien sind bereits in Betrieb, 30 sollen es werden. Die Besucherin hat’s ausprobiert, das klappt prima, ist doch alles auch auf Englisch ausgeschildert. Eine Studentin hat beim Ticketkauf freundlich geholfen.

Nun aber geht’s im Auto auf einer der 6 Ringstraßen mal nicht zu den üblichen Highlights wie Himmels- und Lamatempel und auch nicht zum Kaiserlichen Sommerpalast oder der Großen Mauer außerhalb dieser Mega-City. Das moderne Peking soll es sein.

Han freut das, er steuert Richtung Business Center und geradewegs zum 234 Meter hohen Rem Koolhaas-Bau für „China Central Television (CCTV)“. Die Chinesen sagen scherzhaft  „die große Unterhose“, sind aber stolz darauf. Gleich gegenüber die schillernden Gebäude vom China World Trade Center mit dem 330 Meter hohen Tower III.

Bald wird der klein aussehen, wächst doch in Sichtweite schon der 528 Meter messende Zhongguo Zun himmelwärts, dann Pekings höchstes Gebäude, geplant von Planer TFP Farrels und Kohn Pedersen Fox Associates, London. Ganz anders das Nationaltheater in der Innenstadt. Wie ein auf dem grünen Rasen gelandetes Ufo wirkt der Bau des Franzosen Paul Andreu. Der hat vorher rd. 50 Flughafenhallen entworfen, hier also ein Theater- und Musik-Terminal.

Und was ist denn aus dem Olympiagelände von 2008 geworden?  Vielerorts vergammeln solche Bauten im nachhinein, doch das ist in Peking nicht der Fall. Die Riesenbevölkerung kann Bauten wohl immer gebrauchen. Zumindest von außen wirkt alles pico bello, das inzwischen zum Museum umgewandelte und für Events genutzte „Vogelnest“ von Herzog & De Meuron ebenso wie das olympische Schwimmstadion, der so genannte blaue „Wasserwürfel“. Der wurde zum familienfreundlichen Spaßbad umgebaut. Die Chinesen lieben das Wasser.

Und so plätschert es auch leise im Galaxy Soho, designed von der irakisch-britischen Stararchitektin Zaha Hadid. Tatsächlich wie ein Star wurde sie von einer Menschenmenge bei der Eröffnung im Jahr 2012 empfangen.

Das weiße Ensemble mit seinen elegant fließenden Formen ist für viele der schönste von all’ den neueren Kreationen und eine innerstädtische Oase an heißen Sommertagen. Ein harmonischer Bau und so das zeitgenössische Pendant zu den Harmonie-Hallen in der Verbotenen Stadt. 

Infos und Arrangements für Besucher unter www.ChinaTours.de 

 

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