ChristlicherDigest

Ein Tal zum Genießen

Text: Angelika Rothermel-Geiger 

Das Valposchiavo erstreckt sich von den Eisriesen des Bernina-Massivs bis zu den südlich anmutenden Landschaften mit Weinbergen in nahen Veltlin über 32 Kilometer, erschlossen mit der Lebensader der Berninalinie der Rhätischen Bahn. Leider wird es oft nur als Durchfahrtregion wahrgenommen, was sehr schade ist, birgt es doch kulinarische und landschaftliche Schätze.

Vom Feld auf den Tisch

Über 80 Prozent der Agrarfläche wird von biozertifizierten Betrieben bebaut, ein Anteil der sogar weltweit einmalig sein dürfte. Diese Landwirtschaftsprodukte werden zum großen Teil direkt im Tal verarbeitet und veredelt. Probieren Sie einmal Furmagin da Cion, eine Fleischpastete vom Schwein, das zum Slowfood-Produkt gekürt wurde, Brasciadela (Ringbrot mit Anis), Aprikosen- und Birnenbrot, oder die charakteristischen, langen Spaghetti, die in der taleigenen Mühle von Poschiavo produziert werden. In den Gaststätten werden mindestens drei Gerichte angeboten, die ausschließlich aus regionalen Zutaten bestehen.

In jedem Ricola steckt ein Stück Poschiavo

Besuchen wir zusammen die Kräuterfelder des Bio-Betriebs Raselli am Lago di Poschiavo. Hier werden Kräuter für Tee und Gewürze angebaut, seit einiger Zeit auch Blumen, die getrocknet Speisen „aufpeppen“. Die bunten, wohlriechenden Felder sind ein Fest für Augen und Sinne! Seit über 30 Jahren ist der Kräuterpionier Reto Raselli im Geschäft. Über ein Dutzend verschiedene Kräuter duften um die Wette: verschiedene Minzsorten, Salbei, Thymian, Zitronenmelisse, Verveine, Malven, Edelweiß, Blumen wie verschiedenfarbige Kornblumen, Ringel- und Sonnenblumen bilden bunte Blütenteppiche. Mit bis zu 10 Mitarbeitern werden die Felder nach ökologischen Gesichtspunkten gepflegt, geerntet, schonend getrocknet, Blätter und Stängel getrennt, zerkleinert, dann werden die Mischungen mithilfe von modernen Verpackungsmaschinen eingetütet. Der berühmte Schweizer Kräuterzuckerhersteller ist von Anfang an Kunde bei Raselli. Eine Nische hat der rührige Puschlaver mit der Herstellung von Dekoblüten entdeckt. Vor allem die Gastronomie ist begeistert von den bunten Bioblüten. Alle Produkte kann man auch im Online-Shop bestellen. (www.bioraselli.ch)

Eine Ahnung von Italien

Im Hauptort des Tales, Poschiavo, spürt man schon ein Stück „italianità“, so südlich muten die Palazzi an, die die Piazza umrahmen. Verwinkelte Gassen, blühende Hinterhöfe, kleine Spezialitätengeschäfte prägen das Stadtbild. Besuchenswert ist das Museo d’Arte in der Casa Console, einem prächtigen Patrizierhaus, das vom Münchner Verleger Ernesto Conrad gekauft und umgebaut wurde. Es beherbergt die größte Carl- Spitzweg-Sammlung der Schweiz. Nicht zu übersehen ist das prächtige Spaniolenviertel mit den zwischen 1857 und 1911 erbauten Palazzi. Bauherren waren Puschlaver Bürger, die in der Fremde als Bäcker, Kaffeehausbesitzer oder Schokoladefabrikanten zu Reichtum gekommen waren und dies auch in ihrer Heimat präsentieren wollten. Direkt gegenüber liegen die dazugehörigen, wundervollen Gartenanlagen.

La Gatta – ein Wallfahrtsort für Weinliebhaber

Schöner kann ein Weingut kaum liegen: Im nahen Veltlin, unweit von Tirano, eingebettet in steile Rebenhänge, liegt das ehemalige Dominikanerkloster „La Gatta“. Die Familie Triacca hat es 1969 erworben und zum Stammhaus ihres Weinhandles ausgebaut. Inmitten von Kiwis und Zitrusfrüchten, kann man auf der Terrasse bei prächtiger Aussicht die wunderbaren Weine probieren. Besonders edel, markant und langlebig sind die Weine aus der Nebbiolo-Traube. Seit 1897 bewirtschaftet die Schweizer Familie Triacca mittlerweile drei Weingüter in Italien: Vom An- und Ausbau, vom Zwischenschnitt bis zur Ernte und zum Abfüllen liegt alles in den Händen dieser engagierten Weinbauern. Am Puls der Zeit ist die Familie mit ihrem neuesten Produkt: drei Weine werden seit 2006 nach biodynamischen Richtlinien an- und ausgebaut. (www.triacca.com)

Unbekanntes Kleinod – das Val di Campo

Bei den Schweizern beliebt, bei den Deutschen weitgehend unbekannt: das malerische Val di Campo. Sfazù auf 1622 Metern ist der Ausgangspunkt für Wanderungen in dem autofreien, landschaftlich wunderschönen Tal. Höhepunkt sind die beiden Seen: der Saoseo- und der Viola-See, die mit einer unglaublichen türkisen Farbpalette aufwarten. Sie entsteht durch Sedimente und so leuchtet vor allem der Saoseo-See auch bei trübem Wetter tieftürkis. Als Unterkunft bietet sich die Schweizer Alpenvereinshütte Rifugio Saoseo an. Hier kann man sich mit köstlichen Pizzocheri (Buchweizennudelspezialität mit Gemüse und Käse) verwöhnen lassen.

Mit viel Engagement stemmen sich Flavio und Sandra Lardi in Le Prese dem Trend entgegen, in ihrem Tal nur 2 -3 Tage zu verbringen. Als Nische haben sie das Anglervolk entdeckt: Sie bieten den Petrijüngern in ihrem Hotel La Romantica in Le Prese hauseigene Ruderboote an, die gefangenen Fische werden vakuumiert und bis zur Abreise tiefgekühlt. Das sympathische Familienhotel liegt nur wenige Schritte vom Lago di Le Prese entfernt und bietet Seerundfahrten in einem kürzlich aufgerüstetem Boot an. Der Hotelchef Flavio bietet auch Dorfführungen an und kocht einfach göttlich! Sein Lokal ist das einzige, das zu 100 Prozent Poschiaver Produkte anbietet.(www.laromantica.ch)

 Infos:

www.valposchiavo.ch

www.MySwitzerland.com