ChristlicherDigest

Vitalität und innere Gelassenheit mit Yoga

von Anette Brecht-Fischer

Yoga gewinnt immer mehr Anhänger. Viele sehen in den körperbetonten Übungen eine sanfte Alternative zum herkömmlichen Sport. Gleichzeitig kann es ein Weg zur Entspannung und zur inneren Gelassenheit sein.

 Die Deutschen liebe Yoga:  Einer Studie zufolge aus dem Jahr 2014 machen rund 2,6 Millionen Frauen und Männer regelmäßig ihre Yoga-Übungen, wobei die Frauen deutlich in der Mehrzahl sind. Die Yoga-Praktizierenden versprechen sich ein besseres körperliches und geistiges Befinden sowie eine Steigerung der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit, wie sie in der Studie angaben. Yoga hat auf viele Menschen eine beruhigende und ausgleichende Wirkung, wodurch es zu einer Reduzierung von Stresssymptomen und zur inneren Gelassenheit führt. Der Siegeszug  der indischen Yoga-Lehre hat inzwischen auch die Unesco erreicht, denn dort wurde Yoga im Dezember letzten Jahres in die „Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit“ aufgenommen – auf gleichem Rang wie die belgische Bierkultur und die Rumba aus Kuba.

 Yoga ist Teil der indischen Philosophie und wird seit 3.000 Jahren betrieben. Dabei gibt es viele verschiedene Ausrichtungen, die mal mehr auf philosophische und spirituelle Aspekte setzen oder eher auf körperliche Übungen (Asanas) und Atemübungen (Pranayamas) ausgelegt sind. Letzteres beschreibt das sogenannte moderne Yoga, wie es meist im Westen gelehrt wird. In Deutschland ist das körperbetonte Hatha-Yoga am weitesten verbreitet. Ziel ist bei allen Übungen der ganzheitliche Ansatz, d.h. Körper, Geist und Seele sollen in Einklang gebracht werden. Richtig praktiziert kräftigt Yoga Muskeln, Sehnen und Bänder und fördert die Beweglichkeit. Muskelkraft und Muskelausdauer, Flexibilität und Gleichgewichtssinn werden trainiert. Verspannungen lösen sich dabei und die inneren Organe werden besser durchblutet. Konzentration und Körperbeherrschung nehmen zu. Die Kräftigung der Rückenmuskeln führt zudem zu einer besseren Körperhaltung. „Durch die richtige Kombination aus Tiefenatmung und Bewegung lernt man außerdem, abzuschalten“, erklärt die Yoga-Lehrerin Jeanette Schwarzfeld-Schindler.

Bessere Gesundheit mit Yoga

 Die oben angegebenen Auswirkungen der Yoga-Übungen sind eher allgemeiner Art, doch es gibt auch ganz spezifische Effekte auf den Körper, die in wissenschaftlichen Studien untersucht wurden. Yoga stärkt beispielsweise das Immunsystem, doch lange Zeit war der Grund dafür unbekannt. Norwegische Forscher fanden heraus, dass bereits während des Trainings die Gen-Expression bestimmter Immunzellen zunahm. Dies bedeutet, dass die Zellen effektiver als vorher ihre Aufgaben erfüllen können. Bei anderen sportlichen Aktivitäten wurde dieser Effekt nicht gesehen. Auch das Gehirn profitiert: Schon täglich 20 Minuten Yoga verbessert die Gedächtnisleistung  – in einem größeren Maß als es vom Sport her bekannt ist.

 Wer unter Schlafstörungen leidet, sollte es ebenfalls mal mit Yoga probieren. Laut einer Studie der Universität Harvard verbesserte sich die Schlafqualität derjenigen Probanden deutlich, die über acht Wochen hinweg täglich Yoga-Übungen absolviert hatten. Durch Atemtechnik und mentale Übungen lasse sich das Gehirn beruhigen und quasi abschalten, so die Wissenschaftler. Auch Krebspatienten schlafen mit Yoga besser als ohne. 

Bei Spannungskopfschmerzen und Migräne können bestimmte Asanas und Pranayamas Linderung verschaffen. So litten Migräne-Patienten nach dreimonatiger Yoga-Praxis unter weniger und schwächeren Attacken. Experten machen hierfür die mentale Stressreduzierung gepaart mit weniger verspannten Muskeln in Schulter und Nacken verantwortlich. Da zum Yoga ebenfalls eine gewisse Achtsamkeit in Bezug auf den eigenen Körper und die Umwelt gehört, haben Yoga-Praktizierende auch bessere Ernährungsgewohnheiten. Darüber hinaus hilft es beim Abnehmen: Wie Forscher der Uni Washington herausfanden, lassen sich Anfälle von Heißhunger durch Atemübungen leichter beenden. Man solle durch die Nase einatmen und durch die leicht geöffneten Lippen ausatmen, dabei an nichts denken und sich nur auf die Atmung konzentrieren. Nach einigen Minuten derartiger Meditation sei die Heißhungerattacke vorbei.

 Yoga im Kurs lernen

Grundsätzlich kann jeder Yoga erlernen, allerdings sollte man sich dabei nicht auf Bücher oder Videos verlassen, sondern lieber einen Yoga-Kurs mit einem versierten Lehrer besuchen. Der wird auch darauf achten, dass sich Anfänger nicht überfordern und dann ihren Körper eher schädigen als nützen. Fast alle Körperstellungen gibt es in leichten und schwierigeren Varianten, die jeder Kursteilnehmer nach seinen eigenen Fähigkeiten anwenden sollte. Yoga ist kein Leistungssport: Überzogener Ehrgeiz ist fehl am Platz, denn Überbelastung und falsch ausgeführte Übungen können auch schaden – ganz abgesehen davon, dass eine derartige Geisteshaltung der spirituellen Konzeption des Yogas widerspricht.

 Krankenkassen, Volkshochschulen, Sportvereine, Fitnessstudios und spezielle Yoga-Zentren bieten Kurse für Einsteiger und Fortgeschrittene an. Manche Kurse sind als Präventionskurse anerkannt und werden daher von vielen Krankenkassen bezuschusst. Beim Studium der Kursangebote sollte man auf eine gute Ausbildung des Übungsleiters achten, denn nicht jeder hat das erforderliche Können. Da der Begriff „Yogalehrer“ nicht gesetzlich geschützt ist, hat der Berufsverband der Yogalehrenden in Deutschland (BDY) Mindestanforderungen an die Ausbildung festgelegt. Nach einer vierjährigen, berufsbegleitenden Weiterbildung, in der auch medizinisches und psychologisches Werkzeug vermittelt wird, darf man sich nach bestandener Prüfung „Yogalehrer BDY/EYU“ nennen.