ChristlicherDigest

Kaffee? – Ja, bitte!

von Anette Brecht-Fischer

Lange Zeit lastete auf dem Kaffee ein schlechtes Image. Er rege auf, raube den Schlaf  und hätte negative Auswirkungen auf die Flüssigkeitsbilanz. Doch inzwischen wandelt sich das Bild des braunen Muntermachers: Er scheint in manchen Punkten sogar positiv auf die Gesundheit zu wirken.

Kaffee gehört zu den beliebtesten Getränken der Deutschen. Im Durchschnitt trinkt jeder 162 Liter davon im Jahr, das entspricht rund 1000 Tassen. Dies ist sogar mehr als der Verbrauch an Mineralwasser oder Bier. Obwohl in der Vergangenheit immer wieder behauptet wurde, dass Kaffee ungesund sei, ließen sich die Deutschen ihre Kaffeepause nicht ausreden. Das hat schon früher nicht geklappt, als Friedrich der Große im 18. Jahrhundert versuchte, den privaten Import von Kaffee zu verbieten. Ihm ging es damals nicht um die Gesundheit, sondern um die Staatsfinanzen, denn das Geld der Untertanen sollte im Land bleiben. Doch der Schmuggel blühte und so wurde das Verbot nach zwei Jahrzehnten wieder aufgehoben.

Zunächst nur in kleinen Mengen getrunken, nahm der Verbrauch immer mehr zu. Gleichzeitig mehrten sich die Stimmen, die aus gesundheitlichen Gründen vor einem Zuviel an Kaffee warnten. Das Getränk entziehe dem Körper Flüssigkeit und würde Herzinfarkte sowie eine Reihe weitere Krankheiten begünstigen. Wer viel Kaffee trinke, sterbe früher. Heute weiß man, dass diese Aussagen auf falschen Interpretationen von Beobachtungsstudien beruhen. Vielfach hat man nicht das gesamte Umfeld der Studienteilnehmer mitberücksichtigt. Der angeblich frühere Tod von Kaffeetrinkern hat weniger mit dem Kaffee selbst zu tun als mit der Tatsache, dass zum Kaffee oft auch geraucht wurde. So hat die ungesunde Lebensführung der Raucher den Kaffee ebenfalls in ein schlechtes Licht gerückt. Auch was den angeblichen Flüssigkeitsräuber angeht, wird inzwischen Entwarnung gegeben: Koffein regt die Nierentätigkeit an, so dass es harntreibend wirkt. Dieser Effekt wird aber durch regulative Maßnahmen des Körpers wieder ausgeglichen. Bei regelmäßigen Kaffeetrinkern tritt er kaum noch auf. Die Flüssigkeitsmenge des Muntermachers darf nach heutigem Wissensstand in die Flüssigkeitsbilanz des Tages einberechnet werden.

 Forscher haben oft große Schwierigkeiten, Studien zum Thema Kaffee zu konzipieren und auszuwerten. Dies liegt zum einen an der Fülle von Inhaltsstoffen, von denen Koffein nur der bekannteste ist, zum anderen aber auch daran, dass die Menschen ganz unterschiedlich auf diese Stoffe reagieren. Zudem ist Kaffee nicht gleich Kaffee. Sein Koffeingehalt ist stark abhängig vom Röstverfahren, von der Kaffeesorte und von der Art der Zubereitung. So enthält die Sorte Robusta dreimal mehr Koffein als die Sorte Arabica. Beim Filterkaffee ist der Koffeingehalt deutlich höher als beim Espresso, da durch die längere Verweildauer des Wassers auf dem Kaffeemehl mehr Koffein extrahiert wird. Wer nach dem Kaffeetrinken Probleme mit dem Magen hat, der sollte Kaffeebohnen mit einer anderen Röstung ausprobieren oder eine andere Zubereitungsart wählen. Espresso ist meist gut verträglich.

 Seine Funktion als Muntermacher erfüllt der Kaffee nach etwa 15 bis 30 Minuten. Da Koffein die Gefäße verengt, wird die Herztätigkeit angeregt, wodurch Gehirn und restlicher Körper optimal mit Blut versorgt werden. Außerdem blockiert Koffein den Botenstoff Adenosin, der im Gehirn wie eine Bremse wirkt. Er macht schläfrig und hemmt den Austausch zwischen den Nervenzellen. Wird die Bremse gelockert, steigt die Konzentrationsfähigkeit, die Reaktionszeit wird kürzer und die körperliche Leistungsfähigkeit steigt an. Dieser Zustand ist von unterschiedlicher Dauer, da der Abbau von Koffein im Körper genetisch bedingt stark schwankt. Im Durchschnitt soll  er etwa vier Stunden lang anhalten. Bei Frauen wirkt Koffein meist länger als bei Männern. Schwangere bauen den Wirkstoff besonders langsam ab und sollten deshalb weniger Kaffee trinken.

 Wer unter Bluthochdruck leidet, braucht auf den Kaffee nicht zu verzichten. Der Blutdruck steigt meist nur leicht und kurz an, danach normalisiert er sich wieder. Nur bei sehr hohem Blutdruck ist Vorsicht geboten. Auch ein erhöhtes Herzinfarktrisiko besteht nicht, wie eine aktuelle Studie feststellt. Die Entwarnung gilt auch für Herzrhythmusstörungen. Ob Kaffee auf die Entstehung von Krebs einen positiven oder negativen Einfluss hat, wird unter Wissenschaftlern noch diskutiert. Viele der entsprechenden Versuche werden an Zellkulturen gemacht und können deshalb nicht ohne weiteres auf Menschen übertragen werden. Ziemlich wahrscheinlich ist jedoch, dass das braune Getränk die Gefahr für eine Diabetes-Typ-2-Erkrankung senkt. Wer täglich mindestens vier Tassen Kaffee trinkt, der verringert sein Diabetes-Risiko um mehr als 20 Prozent.

Dafür scheint aber nicht das Koffein verantwortlich zu sein, sondern eher andere Inhaltsstoffe wie Antioxidantien oder sekundäre Pflanzenstoffe, denn auch entkoffeinierter Kaffee hat einen ähnlichen Effekt. Schon seit langem ist der positive Einfluss auf Asthmakranke bekannt, denn der Kaffee erweitert die Bronchien und erleichtert so das Atmen. Mäßigen Kaffeekonsum wird dagegen allen Osteoporose-Patienten empfohlen, da es bei Kaffeetrinkern zu einer vermehrten Ausscheidung von Kalzium kommt – ein wichtiger Mitspieler im Knochenstoffwechsel, der immer in reichlicher Menge im Organismus vorhanden sein sollte. Auch für Kaffee gilt der alte Spruch: Die Dosis macht das Gift. Wer zudem beim Kauf auf die Anbaubedingungen, die Qualität der Bohnen und eine schonende Röstung achtet, kann seinen Kaffee entspannt genießen.

Koffein im Alter

Wie wirkt sich Koffein – gerade im Alter – auf das Gehirn aus?  Sollten Ärzte hier lieber zur Vorsicht raten? Keineswegs! So das Fazit einer aktuellen Untersuchung. Normaler Koffeinkonsum, das entspricht bis zu 2,5 Tassen Kaffee auf einmal beziehungsweise 5 Tassen täglich, „darf“ nicht nur Teil einer gesunden Ernährung sein, er hat sogar ausgesprochen positive Effekte. Dazu gehören neben einem gesteigerten Wohlbefinden eine erhöhte Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit, aber auch bessere Stimmung und weniger Depressionen. Offenbar besteht auch eine Verbindung zwischen lebenslangem Koffeinkonsum und geringerem geistigen Abbau sowie einem reduzierten Risiko für Schlaganfall, Alzheimer und Parkinson. Und ein weiterer Vorteil: Als Wirkstoffverstärker in Kombinations-Schmerzmitteln steigert Koffein den schmerzlindernden Effekt sogar noch – ideal, um beispielsweise Spannungskopfschmerzen oder Migräne zu lindern