ChristlicherDigest

Richtige Zahnpflege – Der Zahn der Zeit

von Anette Brecht-Fischer

Immer mehr Menschen haben auch im hohen Alter noch ihre natürlichen Zähne. Um dies zu erreichen, ist das ganze Leben lang eine gute Zahnpflege unerlässlich. Ältere Menschen und erst recht Pflegebedürftige haben oft Probleme mit der nötigen Mundhygiene.

In Sachen Zahnerhalt stehen die heutigen Senioren deutlich besser da als die Vergleichsgruppe früherer Zeiten. Während ihnen im Jahr 1997 noch durchschnittlich 18 Zähne fehlten, sind es zehn Jahre später – bei der letzten Zählung – nur noch 14. Grund dafür ist die bessere Mundhygiene. Durch den längeren Erhalt der Zähne treten allerdings auch vermehrt Erkrankungen auf, die früher weniger Bedeutung hatten. Dazu gehören Entzündungen des Zahnhalteapparates, also Parodontitis, und bestimmte Formen von Karies, die am Rand von Füllungen oder im Bereich der Zahnwurzel auftreten. „Nur mit gesunden Zähnen und gut gepflegtem Zahnersatz können Senioren problemlos essen, schmerzfrei kauen und sich verständlich artikulieren“, betont die Zahnärztin Katja Kühler.

Was viele Menschen nicht wissen: Eine schlechte Mundhygiene schädigt nicht nur die Zähne und führt oft zu Mundgeruch, sondern kann auch Auswirkungen auf den allgemeinen Gesundheitszustand haben. Wenn zum Beispiel bei einer Entzündung des Zahnfleisches die beteiligten Bakterien in den Blutkreislauf gelangen, können dadurch Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganfälle oder Lungenerkrankungen entstehen. Außerdem haben schlechte Mundverhältnisse Auswirkungen auf die Blutzuckerwerte bei Diabetes-Patienten.

 Gut kauen und viel trinken

Nicht nur eine vernachlässigte Mundhygiene, auch bestimmte Erkrankungen haben Auswirkungen auf die Mundgesundheit. So gehört etwa Mundtrockenheit zu den Nebenwirkungen vieler Medikamente, die bei Bluthochdruck, Rheuma, Diabetes oder Demenz eingenommen werden. Durch den verminderten Speichelfluss steigt das Risiko für Karies, denn der Speichel wirkt antibakteriell und neutralisiert zahnschädigende Säuren aus dem Essen. Hinzu kommt, dass viele ältere Menschen zu wenig trinken, da das Durstgefühl im Alter nachlässt. Erkrankungen im Mund-Rachen-Raum sowie schlecht sitzende Prothesen, die Entzündungen der Mundschleimhaut verursachen, tun ihr Übriges, um der Mundgesundheit zu schaden.

 Mundhygiene beginnt mit gesunder Ernährung. So sollte der Speiseplan möglichst abwechslungsreich sein und wenig Süßes und Saures enthalten. “Günstig sind Milchprodukte, die viel Calcium liefern, ein Baustein für Knochen und Zähne“, erklärt Katja Kühler. Zucker schädigt die Zähne und saure Lebensmittel wie manches Obst und Fruchtsäfte können auf Dauer den Zahnschmelz ein wenig aufweichen, so dass er anfälliger für Kariesbakterien wird. Viel Gemüse, Obst und Vollkornprodukte tragen dazu bei, dass Zähne und Zahnfleisch lange gesund bleiben. Wichtig sind auch Lebensmittel, die zum Kauen zwingen, denn dies kräftigt den Zahnhalteapparat. Das Kauen stellt eine Art Gymnastik für den Kiefer dar, zudem wird auf diese Weise der Speichelfluss angeregt. Pürierte Mahlzeiten sollten erst dann angeboten werden, wenn es wirklich nötig ist.

 Richtige Pflege

Mit einer sorgfältigen Mundhygiene kann jeder dazu beitragen, dass die Zähne im Alter noch ihre Funktion erfüllen. Dazu gehören auch die regelmäßigen Kontrolltermine beim Zahnarzt, denn so können kleinere Schäden an den Zähnen und am Zahnfleisch oder Veränderungen an der Mundschleimhaut frühzeitig erkannt und behandelt werden. Empfehlenswert ist es, den Arzt auf gesundheitliche Veränderungen hinzuweisen, wenn etwa eine Erkrankung wie Diabetes festgestellt wurde oder neue Medikamente eingenommen werden müssen.

 Älteren Menschen fällt es oft schwer, die Zähne und Zahnersatz gründlich zu reinigen, weil die motorischen Fähigkeiten oder die Sehkraft nachlassen. Auch demenzkranke Senioren schaffen es irgendwann nicht mehr, ihre Zahnpflege selbstständig durchzuführen. Hier müssen Angehörige oder Pflegekräfte unterstützend eingreifen. Das tägliche, zweimalige gründliche Zähneputzen mit einer fluoridhaltigen Zahnpasta, am besten nach den Mahlzeiten, ist unerlässlich. Da die Lücken zwischen den Zähnen durch den Rückgang des Zahnfleisches mit den Jahren größer werden, setzen sich hier besonders viele Speisereste fest.

Sie sollten mit Zahnseide oder Zahnzwischenraum-Bürstchen einmal am Tag entfernt werden. Viele Senioren haben Schwierigkeiten, die dünnen Griffe der Zahnbürsten richtig zu halten. Im Fachhandel gibt es spezielle Zahnbürsten mit dickeren Griffen; man kann aber auch einfach etwas Schaumstoff um den Griff wickeln, um ihn zu vergrößern. Bastler können einen Tennisball durchlöchern und auf den Bürstengriff schieben oder auch einen Fahrradgriff anbringen. Vielleicht ist auch der Umstieg auf eine elektrische Zahnbürste sinnvoll, deren Griffe dicker sind und die einem mit ihrem rotierenden Bürstenkopf einen Teil der Putzarbeit abnehmen. Manchmal kann auch der Zahnarzt eine alternative Putztechnik empfehlen. 

 Gepflegte Prothese

Auch die Prothese sollte zweimal im Jahr vom Zahnarzt kontrolliert und ihr Sitz überprüft werden. Dabei wird der Mediziner auch den Zahnhalteapparat und das Zahnfleisch begutachten. Manchmal schleicht sich eine Entzündung am Zahnfleisch ein, die zu Schmerzen führt und das Kauen erschwert. Der Zahnarzt oder Prophylaxe-Assistenten können Patienten oder Pflegepersonen auch zur richtigen Pflege der Prothese beraten.

Am künstlichen Gebiss kann sich zwar keine Karies entwickeln, aber dennoch muss es regelmäßig gründlich gereinigt werden, sonst setzen sich Speisereste fest. Diese können Ursache für Mundgeruch und Entzündungen am Zahnfleisch unter der Prothese sein.

Wie die echten Zähne auch muss der herausnehmbare Zahnersatz zweimal am Tag geputzt werden. Am besten geht das mit einer normalen Zahnbürste oder einer speziellen Prothesenbürste unter lauwarmem Wasser und mit flüssiger Handseife. Eine normale Zahnpasta sollte nicht verwendet werden, da sie Kratzspuren hinterlassen kann. Achten Sie darauf, die eventuell genutzte Haftcreme vollständig zu entfernen, da sonst Speisereste daran kleben bleiben können. Nach der Reinigung  gut abspülen. Prothesenreinigungstabletten können das tägliche Putzen der „Dritten“ übrigens nicht ersetzen. Wird die Prothese nicht auch beim Schlafen getragen, gehört sie nachts ins wassergefüllte Zahnputzglas. Es ist wichtig, dass der Zahnersatz täglich getragen wird, da sich sonst die Knochensubstanz im Kiefer schnell ändert und die Prothese dann nicht mehr richtig sitzt.