ChristlicherDigest

Dänemark: Westseeland – kunterbunt und familienfreundlich

von Ursula Wiegand

Seeland, rd. 7.000 qkm groß, ist Dänemarks größte Insel. Auf ihr liegt die Hauptstadt Kopenhagen, ein Stück südwestlich davon die ehemalige Königsstadt Roskilde. Doch Westseeland – rund um die Stadt Slagelse – ist vermutlich den meisten Deutschen unbekannt, jedoch ein Geheimtipp mit Wohlfühlpotenzial.

Wer die spektakuläre Großer-Belt-Brücke (Storebæltsbroen) überquert, die die Insel Fünen mit Seeland verbindet, landet in der quirligen Hafenstadt Korsør, wo Yachten und Ausflugsdampfer zu einigen Inselchen starten.

Sich nach der Anreise erstmal im Fiskehuset Korsør direkt am Wasser lecker zu stärken, ist eine prima Idee und macht fit für die Weiterfahrt ins gemietete Häuschen oder zu der bei dänischen Familien beliebten und übrigens voll behindertengerecht eingerichteten Feriensiedlung Musholm nahe Korsør, wo sich die Kids sogleich im Sportsaal unter Anleitung betätigen können (http://www.musholm.dk/de/. Zum Badesteg sind es nur 3 Minuten. Morgens und abends kommen auch die Bewohner des nahen Dorfes, spazieren über den Steg und springen dann ins klare Ostseewasser. Nach Stillinge Strand mit der weithin berühmten Eisbude „Circus“ ist es auch nicht weit.

Abgehärtete baden noch im Oktober und nutzen die Erfrischung als Muntermacher für zahlreiche Entdeckungen. Kunterbunt, gemütlich und familienfreundlich zeigt sich hier vieles von Skælskør im Süden bis zur Halbinsel Røsnæs im Norden, wo man unterhalb der Steilküste direkt an der Ostsee entlang wandern und sich anschließend im Dyrehøj Vingaard Dänemarks größtem Weingut nahe Kalundborg, mit Obst- und Gerstensaft erfrischen kann. (http://dyrehoj-vingaard.dk/deutsch)

Eine größere Attraktion nicht nur für Kids ist jedoch die Wikingerburg Trelleborg im Dorf Hejninge westlich von Slagelse, ein großes, echt historisches Gelände, wurde doch diese Ringburg um 980 nachweislich von Harald I Blauzahn, dem mächtigen König von Dänemark, Schweden und Norwegen erbaut. Ein Motorradfahrer entdeckte die Anlage 1931.

Von 1934 – 1942 wurde der Ringwall – Durchmesser 170 m mit ursprünglich 4 Holztoren – ausgegraben, wurden auch die Grundrisse von Häusern mit Zementsteinen markiert. Etwa 500 Menschen haben dort gelebt, zumeist Männer, aber auch Frauen und Kinder. In den Gräbern fanden sich Perlen, Bronzespangen und Spielsteine. Der einzig erhaltene Wikingerschild Dänemarks wurde ebenfalls dort gefunden.

Im Sommer gibt’s Ritterspiele, ansonsten kann man, instruiert von freiwilligen Helfern, das Bogenschießen lernen und genießen, was sie über offenem Feuer garen und brutzeln. „Jedes Jahr kommen Studenten aus Aarhus und leben einige Tage wie die alten Wikinger vor tausend Jahren,“ strahlt Gästeführerin Anne Knabe Sørensen. Nicht nur die. Übernachtet wird in einfachen Zelten für 25 DKK (knapp 4 Euro) pro Nacht neben dem „Trelleborg-Haus“, der Kopie eines Vorburggebäudes. Die Kinder reizt das sehr. – 55.000 Besucher kommen jährlich, doch diese Zahl soll deutlich steigen. Trelleborg, eine der best erhaltenen Wikinger-Anlagen, soll zu einem internationalen Erlebnis- und Wissenscenter entwickelt werden. (Kein Eintritt, außer bei Sonderveranstaltungen (http://en.natmus.dk/museums/trelleborg)

Überraschenderweise lassen sich Spuren von Hans Christian Andersen auch in Westseeland entdecken: im Renaissance-Schloss Holsteinborg, rd. 13 km südöstlich von Skælskør im Dorf Rude. Von 1598 bis 1651 wurde es von der Familie Trolle erbaut, ist aber seit 12 Generationen (ab 1707) bis heute im Besitz der Holstein-Familie, ein imponierendes Vierflügelgebäude mit Wallgraben und Park.

In diesem Schloss war Hans Christian Andersen auf Einladung des Grafen Ludvig Holstein und die Gräfin Joachmine (Mimi) ab 1858 fast jedes Jahr 1 – 2 Wochen zu Gast, bis zu seinem Tod (1875) insgesamt 17 Mal, weiß Marianne Malmqvist Carlsen. „Er gehörte zur Familie, war auch Pate der Kinder,“ erzählt sie in gutem Deutsch.

Seine Zimmer sind original erhalten, ein Schriftstück liegt auf dem Schreibtisch, darüber an der Wand ein von ihm verfertigter Scherenschnitt. Andersen habe nicht nur Märchen geschrieben, sondern auch gesungen und gemalt, ergänzt sie und zeigt auf einen Paravent. Selbst der Nachttopf steht noch unter dem Bett, das für den 1,82 m großen Andersen eigentlich etwas zu kurz war.  (http://www.holsteinborg.dk  – Besuch nur mit Führung. Offene Führungen sind im Sommer von Anfang Juni bis Ende August jeweils am Mittwoch um  19.00 und 20.30 Uhr und am Sonntag um 12.. und 13.30 Uhr. Außerhalb der Saison kann man Führungen auf Deutsch oder Englisch bestellen unter Tel. 0045 55 45 90 05.

Beim Rückweg lohnt sich ein Bummel durch die Sträßchen von Skælskør bis ans Wasser, wo die gelbe Dampfmühle von 1853 und das rote Museum in einem alten Fachwerkgebäude mit der modernen, anthrazitfarbenen Bibliothek optisch wetteifern. Gute Tipps in bestem Deutsch gibt außerdem Margit Geill im Keramikladen/Bykontoret.

Doch wenn’s um „bunt is beautiful“ und Sonnengelb geht, gebührt dem Städtchen Sorø nordöstlich von Slagelse, das wie eine Insel zwischen drei Seen liegt, die Goldmedaille. Erneut Fachwerkbauten in leuchtenden Farben, Minihäuschen in bunter Reihe, ein klitzekleines Fenster auf rotem Mauerwerk. Hingucker ohne Ende.

Als Kontrast die 1623 gegründete Sorø Akademie, nun in einem Gebäude von 1826, einst eine berühmte Bildungsstätte für den Adel, später auch für Künstler und nun ein „normales“ Gymnasium.

Einen weiteren Kontrast zum kunterbunten Städtchen bildet die im 12. Jahrhundert errichtete Klosterkirche, ein gewaltiger Backsteinbau und einer der schönsten dänischen Sakralbauten aus dem Mittelalter. Ihn zitieren offenbar Lundgaard & Tranberg Architekten, die das Sorø Kunstmuseum restauriert und es mit einer gestaffelten Ziegelfassade versehen haben. Das 2011 wieder eröffnete Museum beeindruckt mit Werken dänischer Künstler von 1720-1920 und einer Sammlung russischer Ikonen von 1500-1900. Ein weiteres Aha-Erlebnis in Westseeland. ((http://www.sorokunstmuseum.dk/en)

Infos auf Deutsch unter www.visitdenmark.de, Westseeland anklicken. Anreise z.B. mit den Scandlines-Fähren  Puttgarden-Rødby (www.scandlines.de) und per Bahn über Hamburg direkt nach Slagelse.  – Individuelle Führungen bietet Liselotte Krell (www.krelltours.dk)

Unterkünfte: Empfehlenswert Hotel Comwell Sorø (http://www.comwellsoroe.dk) und Hotel Comwell Korsør (http://www.comwellkorsor.dk) mit Golfplatz

Weingut Dyrehøj Vingaard: (http://dyrehoj-vingaard.dk/deutsch/