ChristlicherDigest

Urlaub ohne Durchfall überstehen

von Anette Brecht-Fischer

Nichts ist so störend wie Durchfall auf Reisen. Dieser ist zwar meist harmlos, kann einem aber wertvolle Urlaubstage kosten. Mit vorbeugenden Maßnahmen kann man die Reisediarrhö längst nicht immer verhindern. Hat es einen erwischt, ist schnelle Hilfe angesagt.

 Monatelang hat man sich auf den wohlverdienten Urlaub in exotischen Gefilden gefreut und dann das: Starker Durchfall macht die Tagesplanung zunichte. Viren oder Bakterien sind in den Körper gelangt und haben eine akute Diarrhö ausgelost – plötzlich auftretender, dünnflüssiger, wässriger Stuhl. Übelkeit, Bauchschmerzen oder Erbrechen kommen meist noch hinzu. Ohne Behandlung kann dieser Zustand drei oder vier Tage andauern. Eine aktuelle Studie zeigt, dass sich trotz reisemedizinischer Beratung im Vorfeld eine Durchfallerkrankung nicht effektiv vermeiden lässt. In Ägypten sind zum Beispiel 90 Prozent der Reisenden davon betroffen.

Die Übertragung von Durchfallerregern erfolgt von Mensch zu Mensch, über verunreinigte Gegenstände oder Oberflächen, vor allem aber über Lebensmittel. In den Tropen und Subtropen ist das Ansteckungsrisiko besonders groß, da höhere Temperaturen und niedrige Hygienestandards dazu führen, dass sich die Keime auf rohen oder nicht durchgegarten Speisen rasant vermehren. Mit der großen Zahl der Bakterien wird das vielleicht noch vom Jetlag geschwächte Immunsystem des Besuchers nicht fertig – und schon ist „Montezumas Rache“ oder der „Fluch des Pharao“ da.

In die Reiseapotheke gehört deshalb unbedingt ein Mittel gegen Durchfall. Bei der Wahl lassen Sie sich am besten vom Arzt oder Apotheker beraten. Der Wirkstoff  Loperamid stoppt die Darmbewegungen und verhindert so weiteren Durchfall. Die Erreger bleiben allerdings im Darm und werden nicht ausgeschieden. Mediziner empfehlen, das Mittel nur kurz anzuwenden, da es zu Verstopfung und Darmverschluss führen kann. Für Kinder ist es nicht geeignet. Der Wirkstoff Racecadotril basiert auf einem anderen Wirkprinzip: Der übermäßige Wasser- und Elektrolyteinstrom in den Darm, der den Durchfall hervorbringt, wird reduziert, wodurch sich der Stuhlgang wieder normalisiert.

Die Darmbewegungen werden nicht gehemmt und die Erreger werden weiterhin ausgeschieden. Um die Durchfallerreger zu absorbieren und so aus dem Verkehr zu ziehen, greifen viele auch zu Aktivkohlekapseln, doch deren Wirkung ist nicht gesichert. Wichtig ist neben einer zuverlässigen Linderung der Beschwerden ein Ausgleich des starken Flüssigkeitsverlustes. Es muss so viel getrunken werden, dass die Farbe des Urins hellgelb ist. Außerdem gehört häufiges, gründliches Händewaschen für den Betroffenen und seine Begleitung zum Pflichtprogramm, um die Keime nicht noch weiter zu verbreiten.

 Schnelle Hilfe

Die meisten Reisenden erwischt der Durchfall in der ersten Urlaubswoche. Damit die Betroffenen möglichst schnell wieder fit werden, hat der Reisemediziner Tomas Jelinek einige praktische Tipps zusammengetragen, mit denen sich die Beschwerden rasch lindern lassen. Meist lässt sich dazu alles Nötige im Hotel besorgen.

Mini-Bar als erster Rettungsanker: Es ist wichtig, viel zu trinken, da der Körper wegen des Durchfalls sehr viel Flüssigkeit verliert. Bereits geöffnete Getränke und Leitungswasser sind jedoch häufig hygienisch unsicher, daher sollten Sie auf verschlossene Getränke, z.B. industriell abgefüllte Wasserflaschen oder Softdrinks in Dosen zurückgreifen. Auch gut ist alkoholfreies Bier. Es weist eine sehr gute Elektrolytzusammensetzung auf und kann dem Körper so fehlende Nährstoffe zurückgeben.

Papayakerne aus der Naturapotheke: Kauen Sie immer wieder einzelne Kerne der tropischen Frucht. Es ist überliefert, dass sie bei Durchfall unterstützend verwendet werden kann. Die genaue Wirkweise ist nicht bekannt, vermutlich ist es ein Effekt des Enzyms Papain, das verdauungsregulierend und antibakteriell wirkt. Sie können auch einige Kerne trocknen und aufbewahren, für den Fall, dass der Durchfall Sie nochmals erwischen sollte (oder andere Reisende).

Hilfe vom Hotelbuffet: Beim Durchfall verliert der Körper neben viel Flüssigkeit auch viel Energie. Hinzu kommt, dass der Darm nicht richtig arbeitet. Deshalb braucht er Nahrung, die er leicht verdauen kann und die dem Körper schnell die nötige Kraft zurückgibt. Halten Sie sich am Hotelbuffet vor allem an kurzkettige Kohlenhydrate wie z.B. Toast, Nudeln und Reis. Sie werden vom Körper schnell verarbeitet und lassen den Blutzuckerspiegel rasch ansteigen.

Grüner Tee nicht nur zur Teestunde: Grüner Tee beruhigt den Magen und soll zudem eine antibakterielle Wirkung haben. Die enthaltenen Gerbstoffe wirken unterstützend gegen den Durchfall und hemmen die Vermehrung von Keimen. Den Tee können Sie übrigens auch problemlos mit Leitungswasser zubereiten, da mögliche Erreger beim Abkochen des Wassers abgetötet werden. Wer ganz sicher gehen will, lässt das Wasser etwas länger kochen.

Zum Arzt, wenn nichts mehr hilft: Wenn die Durchfälle massiv zunehmen, der Stuhl blutig ist, Fieber auftritt oder die Beschwerden länger als drei Tage andauern, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Erkundigen Sie sich an der Hotelrezeption nach einer Arztpraxis oder einem Krankenhaus in der Nähe.

 Drei Fragen an Prof. Dr. med. Tomas Jelinek, Leiter des Berliner Centrums für Reise- und Tropenmedizin (BCRT)

1. Kann man Durchfall vorbeugen?

Nur mit Einschränkungen. Ein gewisser Schutz lässt sich zwar durch Hygienemaßnahmen erreichen – ganz nach der Devise „koch es, schäl es oder vergiss es“ -, aber zuverlässig ist das leider nicht.

2. Gehört deshalb ein Durchfallmittel in die Reiseapotheke?

Ja, auf jeden Fall. In vielen Ländern ist die Wahrscheinlichkeit, dass Sie an Durchfall erkranken, recht hoch – in manchen wie Indien sogar über 80 Prozent.

3. Wann ist ein Arztbesuch angebracht?

Bei Komplikationen, also wenn Blut im Stuhl ist, zusätzlich Fieber auftritt, die Durchfälle mit einer massiven Häufigkeit auftreten oder wenn die Beschwerden länger als drei Tage dauern.