ChristlicherDigest

Südjütland – Urlaub bei den Glücklichsten

von Ursula Wiegand

Woran liegt es, dass die Dänen so glücklich sind? Laut einer aktuellen Umfrage stehen sie weltweit auf Platz 1. Auf einer Entdeckungsreise findet man den Grund – und beileibe nicht nur einen 

Urlaub machen im glücklichsten Land auf Erden – nach der jüngsten Umfrage in 150 Ländern ist das Dänemark. Weit fahren oder fliegen fällt aus, zumal wenn Sønderjylland (Südjütland) das Ziel ist. Sommerwiesen unter weitem Himmel, Nord- und Ostsee, reine Luft und sauberes Wasser, Platz zum Golfen, Radeln, Wandern und alles ohne Kurtaxe.

Von Flensburg bis Sønderhav ist es ein Katzensprung. An der Straße, gehörig zum 74 km langen Gendarmenpfad, einem europäischen Qualitätswanderweg, wartet Annies Kiosk auf Pølser-Fans (Würstchen mit Gurken, Röstzwiebeln und Mayo).

Feineres bietet einige Schritte weiter das Gourmetrestaurant Bind mitsamt Blick auf die Flensburger Förde. Dort war Siegfried Lenz (1926-2014), Autor des Erfolgsromans „Deutschstunde“, oft zu Gast und feierte hier 2010 auch seine zweite Hochzeit. Im Siegfried-Lenz-Gedenkraum liegt sein Büchlein „Jütländische Kaffeetafeln“. Auf diese Schlemmerei sollte niemand verzichten.

Lenz hatte ein Ferienhaus auf seiner „Lieblingsinsel“ Als (Alsen). Hyggelig ist es dort, was gemütlich bedeutet. Urlaub im Ferienhaus oder beim Camping ist wieder „in“, am Wasser oder im grünen Bauernland. Spaß und Freiheit für Familien, romantisch für Paare.

Zur Abwechslung ein Ausflug nach Sønderborg. Bunte Häuser säumen die Promenade am Stadthafen, Restaurant-Terrassen verlocken zum Mittagessen im Sonnenschein. Viele wählen „Stjerneskud“ (Sternschnuppe), eine Spezialität aus Bratfisch, Lachs, Krabben gebettet auf Brot.

Die Promenade führt direkt zum Schloss, einem mächtigen Backsteinbau von 1170, nun ein Museum. Anhand von Gemälden und Dokumenten schlägt Guide Ejgil eine Schneise durch die europäischen Adelsgeschlechter, die hier mal das Sagen hatten. Die original erhaltene Schlosskirche, 1570 von Königin Dorothea reformationsbewusst gestaltet, lässt fast vergessen, dass Dänemark oft umkämpft war. Auf den fußläufig erreichbaren Düppeler Schanzen tobte 1864 der deutsch-dänische Krieg. Bis zur Volksabstimmung 1920 gehörte Südjütland – damals Nordschleswig – zum Deutschen Reich, zu Preußen!

Weit bekannter und ein Magnet für Menschen aus aller Welt ist das nahe Schloss Gråsten (Gravenstein), die Sommerresidenz der dänischen Königsfamilie. Auch die gibt sich relaxed. Prinz Henrik, Gatte von Königin Margrethe II, radelt mitunter zum Fitnesscenter, andere Royals gehen im Dorf zum Friseur. Damit auch sie abschalten können, ist der schöne Schlossgarten mit den munteren Enten bis 9. August für Besucher geschlossen. Zugänglich, zumindest für die Gemeinde Gravenstein, bleibt die 1699 geweihte Schlosskirche. Da das Dorf nie eine eigene Kirche besaß, darf die Gemeinde seit 1851 dieses Barock-Juwel für dänische und deutsche Gottesdienste nutzen.

Gut deutsch spricht auch Erling Madsen, der um 22 Uhr abends, bewaffnet mit einem mittelalterlichen Morgenstern, durch die Altstadt von Aabenraa (Apenrade) führt. Welch ein Kontrast zwischen dem Hafengelände plus Neubauten und den jahrhundertealten Häuschen hügelan. Dass dort auch ein renommiertes Orgelbau-Unternehmen ansässig ist, verblüfft. Kürzlich wurde eine 35 m lange Orgelpfeife für eine Kirche in Japan gefertigt.

Unerwartetes bringt auch der Ausflug nach Aarø. Pünktlich legt die kleine Fähre in Aarøsund an. Nur 15 Minuten dauert die Überfahrt zu dem Inselchen, das als Perle im Kleinen Belt gilt. Hier ist alles super-hyggelig. Das sonderbare Gestell am lütten Hafen entpuppt sich als Krabbenrennbahn! Ein sonnengelbes Haus mit Reetdach ist ein weiterer Blickfang, noch mehr ist es das Weingut Aarø Vingaard.

Im milden Inselklima reifen helle und rote Trauben, spezielle Sorten für diese Region. Gut trinkbar sind diese trockenen Weine, Pionier Svend Aage hat schon Preise gewonnen. Nur der „Tang-Vinen“, versetzt mit Meeresalgen, ist gewöhnungsbedürftig. Nach arbeitsamen Jahren legt der 71-Jährige das Gut nun in jüngere Hände. Jakob, tätig bei einer IT-Firma, und seine Frau Lisbeth wollen in die Natur und das Gut erweitern. Ein großes Empfangshaus für Gäste haben sie bereits gebaut. Die schlagen sich nach der Verkostung bei „Brummers Gaard“ die Bäuche voll.

Die Stare an der Nordseeküste, im UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer machen es ebenso. 500.000 bis 1 Million fallen im Frühjahr und Herbst dort ein. Schwarze Sonne (Sort Sol) wird dieses Schauspiel genannt, was bei Tønder und Ribe zu beobachten ist. Naturguide Iwegam von Sort Safari baut das große Car Zeiss-Fernrohr auf. Nonnengänse sind im Sommer zu sehen. Kühl weht der Wind. Hyggelig wird’s erst wieder in Holms Røgeri auf Rømø (www.holmsrogeri.dk). Die riesige Fischplatte überfordert jedoch selbst hungrige Mägen.

Gleiches gilt für die Jütländische Kaffeetafel. In Krusmølle nördlich Flensburg (www.krusmølle.dk) hält sie sich in leckeren Grenzen, doch die in Schloss Gram (Gram Slot, östlich von Ribe, http://gramslot.dk/de/) überwältigt trotz Mini-Version. Gebäck auf dem Tisch und 11 Kuchenplatten für 9 Leute auf der alten Kommode. Auch die Roggenbrottorte im Sahnemantel hat’s auch in sich. Dennoch rauf auf die Hüfte, selbst wenn die Teilnehmer – anders als Siegfried Lenz – von der Bäckerinnung nicht zu Ehrenmitgliedern ernannt werden. Heerweg (Hærvejen) heißt die Lösung. Seit Jahrhunderten sind von Hirtshals im Norden bis zur deutschen Grenze Wanderer und Pilger unterwegs. 500 Kilometer fast ohne Steigungen mit Pilgerherbergen am Wegesrand und Anschluss an die Jakobswege nach Santiago de Compostela. Aber auch das wäre des Guten zuviel.

 

Infos auf Deutsch unter www.visitdenmark.de.

Hotelübernachtung z.B. im Benniksgard mit Golfplatz in Rinkenæs nahe bei Gråsten (www.benniksgaardhotel.dk), In Aabenraa im Hotel Europa (www.hoteleuropa.dk