ChristlicherDigest

Zum Frühjahr den Darm in Schwung bringen

von Anette Brecht-Fischer

Beschwingt in den Frühling – das bleibt für viele, die unter Darmträgheit leiden, eine Wunschvorstellung. Der oft gehörte Rat, mehr Ballaststoffe und mehr Bewegung ins Leben einzubauen, bringt längst nicht immer die erhoffte Erleichterung.

 Mehr als zehn Millionen Deutsche leiden regelmäßig unter Verstopfung; Frauen sind dreimal häufiger betroffen als Männer. Dabei ist der Begriff der Verstopfung nirgendwo genau definiert. Wie oft der Darm entleert wird, ist individuell ganz verschieden. Bei dem einen ist es zweimal am Tag, beim anderen nur dreimal in der Woche. Solange man sich dabei wohl fühlt, ist alles in Ordnung. Wenn jedoch quälende Völle, ein Spannen und Drücken im Bauch zur täglichen Belastung führt, dann sollte man etwas unternehmen, um dem Darm auf die Sprünge zu helfen.

Etliche glauben, dass eine ballaststoffreiche Ernährung und Sport den trägen Darm wieder in Schwung bringen. Umso größer ist die Enttäuschung, wenn trotz Umstellung von Ernährungsgewohnheiten und mehr Bewegung das Ziel nicht erreicht wird. Inzwischen weiß man: Niemand muss sich ein schlechtes Gewissen machen, wenn es zu einer Verstopfung kommt. Eine Änderung der Lebensgewohnheiten bringt häufig nicht den gewünschten Erfolg, d.h. Ballaststoffe und Bewegung sind oftmals für eine wirkungsvolle Behandlung der Verstopfung allein nicht ausreichend.

Dennoch ist das Duo Bewegung und Ballaststoffe die Methode der ersten Wahl, wenn es mit der Verdauung nicht so klappt, wie es sein sollte. Sie sorgen dafür, dass der Darm arbeitet. Ballaststoffe binden während ihrer Darmpassage viel Wasser, was zu einer Quellung des Darminhalts und zu einem Druck auf die Darmwand führt. Das spüren die dort ansässigen Sensoren, die daraufhin die Muskeln in der Darmwand veranlassen, sich zusammenzuziehen, um so den Darminhalt voranzuschieben.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. empfiehlt eine Zufuhr von 30 Gramm Ballaststoffen pro Tag. Wer Vollkornprodukte, Kohlgemüse, Hülsenfrüchte und frisches Obst in seinen Speiseplan einbaut, braucht sich keine Sorgen zu machen. Wichtig ist dazu eine ausreichende Trinkmenge. Auch bei der Bewegung  muss sich niemand verausgaben: 30 Minuten am Tag sollten es jedoch mindestens sein. Fangen Sie doch gleich im Bett damit an und machen Sie auf dem Rücken liegend mit angewinkelten Beinen langsame, gleichförmige Radfahrbewegungen – fünf Minuten lang.

 Wenn es trotz genügender Ballaststoffzufuhr und Bewegung immer noch nicht mit einer besseren Verdauung klappt, greifen Sie ruhig zu Abführmitteln – die Mediziner sagen dazu Laxanzien. Experten empfehlen in diesen Fällen, mit dem rechtzeitigen Einsatz zuverlässiger und verträglicher Abführmittel nicht zu lange zu warten. Zu den Mitteln der ersten Wahl gehören hierbei die Wirkstoffe Bisacodyl, Natriumpicosulfat und Macrogol. Diese stehen in verschiedenen Darreichungsformen zur Verfügung, sodass für jede Präferenz und Situation die geeignete Auswahl getroffen werden kann. Während früher vor einem zu langen Gebrauch von Laxanzien gewarnt wurde, weil man eine Gewöhnung befürchtete, weiß man heute, dass diese Sorge unbegründet ist.

Auch nach jahrelangem Gebrauch ist eine Gewöhnung nur sehr selten zu beobachten. Bisacodyl entfaltet in Form von Dragees seine Effekte planbar und verträglich über Nacht. Der Wirkstoff wird in der Leber um- bzw. abgebaut, wobei die dabei entstehenden Substanzen für eine größere Beweglichkeit des Darms sorgen. Außerdem wird dem Stuhl bei der Passage im Dickdarm weniger Wasser entzogen. So wird der weichere Darminhalt schneller vorgeschoben. Manchmal spürt man dies in Form von Bauchschmerzen, die aber harmlos sind. Nehmen Sie die Dragees abends, werden Sie nach etwa 6 bis 12 Stunden, also am nächsten Morgen, von der Verstopfung befreit.

Soll es schneller gehen, sind Zäpfchen mit dem Wirkstoff  geeignet. Obwohl die Wissenschaftler nicht genau wissen, wieso sie abführend wirken, sorgen sie nach nur etwa 15 bis 30 Minuten für Erleichterung. Natriumpicosulfat wirkt auf die gleiche Weise wie Bisacodyl. Man erhält es in der Apotheke unter anderem in Form von Tropfen. Je nach der Stärke der Beschwerden können die Tropfen ganz nach dem eigenen Bedarf dosiert werden. Nach 10 bis 12 Stunden tritt die Wirkung ein. Bei Macrogol handelt es sich um eine Substanz, die Wasser bindet und zu einem Gel aufquillt. Im Dickdarm weicht es den verhärteten Stuhl auf, erhöht das Volumen und schafft so den Dehnungsreiz, der die Darmbewegung in Gang setzt. Ist die erhoffte Erleichterung endlich da, sollte man nicht meinen, am nächsten Tag gleich wieder Stuhlgang haben zu müssen. Schließlich muss der Darm erst einmal wieder gefüllt werden.

Interview mit Prof. Dr. Stefan Müller-Lissner

Chefarzt Innere Medizin/Gastroenterologie, Park-Klinik Weißensee

1. Herr Prof. Müller-Lissner, bei Verstopfung erhalten viele Patienten den Rat, ihren Lebensstil zu ändern. Doch diese Strategie scheitert in der Praxis oft. Warum?

Weil Verstopfung nur zu einem geringen Teil durch den Lebensstil ausgelöst wird – oft bleibt die Ursache sogar unklar. Dennoch lohnt es sich für Betroffene, die Verdauung zu unterstützen. Gut ist, nach dem Frühstück ausreichend Zeit für den Toilettenbesuch einzuplanen, denn jetzt ist der Dickdarm am aktivsten. Auch Vollkornprodukte sind sinnvoll, da sie Wasser binden. Das Volumen im Dickdarm wächst somit und die stärkere Füllung regt die Darmaktivität an. Das klappt allerdings nicht bei jedem, zudem vertragen viele Menschen Ballaststoffe schlecht, entwickeln Blähungen. Mehr Trinken bringt erwiesenermaßen nichts, ähnlich sieht es bei Bewegung aus – eine Garantie für den Stuhldrang kann sie bei Verstopfung nicht geben.

2. Manche Menschen scheuen sich, rechtzeitig Abführmittel (Laxanzien) einzunehmen, um den trägen Darm in Schwung zu bringen. Wann ist genau das aber wichtig?

Laxanzien stehen bei vielen in dem Ruf, den Darm mit der Zeit zunehmend träger zu machen. Eine Furcht, die unbegründet ist. Die bei uns in Apotheken erhältlichen Präparate sind selbst bei langfristiger Einnahme sicher, solange man sie angemessen dosiert. Ziel ist ein weicher geformter Stuhl, keineswegs Durchfall. Kommt zum seltenen Stuhl ein persönlicher Leidensdruck hinzu, können Laxanzien gezielt Abhilfe schaffen. 

3. Wann sollte man bei Stillstand im Darm zum Arzt gehen?

Eine vorübergehende Verstopfung, etwa auf Reisen oder infolge kurzer Bettlägerigkeit, muss nicht weiter untersucht werden. Löst die Darmträgheit sich länger nicht oder wird sie von weiteren Symptomen wie Bauchschmerz, einer Zunahme des Bauchumfangs, Aufstoßen oder Erbrechen begleitet, ist allerdings ein Gang zum Arzt erforderlich.