ChristlicherDigest

Kalimera Korfu – ein sonniges, farbenfrohes Wanderziel

von Ursula Wiegand

Grün, blau und weiß – das sind die Farben der griechischen Insel Korfu im Ionischen Meer. Ein Grün mit Nuancen ist es. Das lichte der Rebstöcke, das lebhafte der Laubbäume, das streng-dunkle der hohen Zypressen. Dazu der grün-silbrige Schimmer von 4-5 Millionen knorrigen Olivenbäumen.

Inmitten von soviel Grün zu wandern, ist schön und erholsam und am allerschönsten mit Blick aufs klare, in Blau- und Türkistönen leuchtende Meer. Korfu – die Smaragdinsel. Den Kontrast bilden die weißen, im Inselnorden oft steinigen Strände. Für empfindliche Füße gibt’s Badeschuhe zu kaufen.

Durch solch eine Farbsinfonie führt die Wanderung von Giannades nach Liapades an der Nordwestküste. Mal ein Esel am Straßenrand. Mal Dörfer mit engen Gassen. „Kalimera“ (willkommen) sagen die Bewohner, ein Gruß, den wir gerne erwidern. Eine Frau drückt uns Weintrauben in die Hand. Eine Kirche fehlt nirgends, und die von Liapades namens Agios Anastasia erstaunt wegen ihrer aufwändigen Ikonostase.

Etwas weiter nördlich auf einer kleinen Halbinsel liegt das Marienkloster Paleokastritsa, das wir ab Vistonas via Lakones erwandern. 1228, das Gründungsdatum, steht sogleich auf dem Eingangsportal. Die jetzigen Bauten stammen zwar aus dem 18. Jahrhundert, doch das mindert nicht den romantischen Eindruck.

Es ist ein Konvent voller Blüten mit einem niedlichen barocken Kirchturm. Die Besucher strömen ins Gotteshaus und bewundern die zahlreichen Ikonen. Am Hofende hinter dunkelgrünen Holztüren leben noch einige Mönche. Vom Blattwerk halb verdeckt trocknen die T-Shirts, die sie wohl unten ihren Kutten tragen.

Weiter gen Norden reihen sich mehrere Inselchen vor der Küste. Bilder zum Verlieben. Das junge Paar auf einem Mäuerchen hat demnach mit Korfu das richtige Ziel gewählt. Unsere Endstation Agios Georgios (im Nordwesten), gefällt trotz Sandstrand weniger als die Badeplattform unseres Hotels Dassia Beach an der Ostseite der Insel.

Auch an der Nordostküste lässt es sich gut wandern. Also mit dem öffentlichen Bus zunächst von Dassia Beach nach Kassiopi, einem recht lebhaften und ansehnlichen Ort. Eine 1386 von den Venezianern errichtete, nun halb verfallene Festung thront über der weiten Bucht. Gut sitzt es sich dort in den Cafés und Restaurants mit Hafenblick. Kassiopi hat Stil und Geschichte. Südwärts geht’s nun per pedes von Bucht zu Bucht über oft felsige Landzungen – Badepausen inklusive – bis Kalami.

Ein Ausflug zur Inselhauptstadt Korfu Stadt, auf griechisch Kérkyra, gehört ebenfalls zum Programm dieser Wikinger-Wanderwoche. Hier breite Straßen mit feinen Läden, dort ein Gassengewirr mit griechisch-orientalischem Sortiment. Auf der Platia Kremasti in der verwinkelten Altstadt döst neben einem venezianischen Brunnen von 1669 eine Katzenfamilie in der Sonne.

Tatsächlich ist es nur ein Katzensprung bis zu Agios Spiridonas, der wichtigsten Kirche auf Korfu, erkennbar an ihrem roten Turmhelm. Drinnen ruhen in einem mit Silberblech beschlagenem Sarg die Relikte des hoch verehrten Inselheiligen St. Spiridon. Ständig stehen Besucher dort Schlange. Zur großen Prozession am Karsamstag kommen Tausende.

Nun mal auf der Grünanlage Esplanada entlang der schicken Häuserzeile mit den nach Pariser Vorbild errichteten Liston-Arkaden flanieren? Nein, lieber gleich zur Alten Festung, die die Venezianer im 16. Jahrhundert als Bollwerk gegen die Türken errichteten. Aus jener Zeit stammen noch die mächtigen Außenmauern und der Kanal Contrafossa, wo nun Boote schunkeln. Die Bauten drinnen entstanden im 19. Jahrhundert unter Britischer Herrschaft, auch die neudorische St. Georgskirche. Wer weiter hinauf stapft, wird mit einem Blick auf die Stadt, das Meer und die Ausflugsschiffe belohnt. Die kleinen tuckern vermutlich zur malerischen Klosterinsel Vlacherna.

Eines meiner Fotos zeigt das von der Sonne gegerbte Gesicht einer alten Frau im Dorf Kommianata nördlich von Strongili (an der Ostküste). Mit lebhaften Gesten hat sie den Einstieg zum Wanderweg nach Benitses verdeutlicht. Ein schmaler Pfad ist es weit oberhalb des blauen Meeres. Wikinger-Wanderführerin Ursula Putz kennt den natürlich und außerdem die abgelegene Pantokrator-Kapelle mit ihrer zum Pausieren einladenden Terrasse.

In Korfu verliebte sich auch Österreichs Kaiserin Elisabeth (Sisi). Nördlich von Benitses erwarb sie ein Grundstück, auf dem sie von 1889-91 das Achilleion errichten ließ, einen Palast im pompejischen Stil. Eine gewundene, mit Götterstatuen geschmückte Treppe führt auf ein kleines Plateau. Schöner sterben als hier (anstatt in Troja) kann der verwundete Held Achill – eine Statue von Ernst Gustav Herter – garantiert nicht.

Zweimal jährlich verlebte Sisi ohne ihren Gatten Kaiser Franz Joseph eine glückliche Zeit auf Korfu und schrieb am 8. April 1895:

„Jetzt haben wir zwei fabelhaft schöne Tage gehabt. So schön war alles, daß es schon unnatürlich war, abends dufteten die Ölbäume so stark, und die untergehende Sonne verlieh ihnen einen Heiligenschein wie goldene Rosen. Das Meer glich einem großen Stück lichtblauen Glases…“

Ganz so poetisch sind wir Wanderer nicht, haben uns aber auch in Korfu verliebt.

Infos: Weitere Wanderwochen mit Wikinger Reisen im Mai/Juni und im September/Oktober 2016. Flüge auch ab Stuttgart (www.wikinger-reisen.de). Eine Abwechslung bietet die Tagesfahrt mit dem Ausflugsschiff Asteras von Dassia Beach nach Kassiopi und retour inklusive Barbecue und Badepause.

Lektüre: Dumont Reise-Taschenbuch „Korfu & Ionische Inseln“, 4. Auflage 2015 von Klaus Bötig. (U.W.)