ChristlicherDigest

Trockene Augen – Wie Sand im Getriebe

von Anette Brecht-Fischer

Trockene Augen sind ein weit verbreitetes Phänomen. Mehr als zehn Millionen Bundesbürger leiden darunter. Im Winter treten die Beschwerden sogar besonders häufig auf. Unternimmt man nichts, droht langfristig eine chronische Bindehaut- oder Hornhautentzündung.

Es fühlt sich an, als hätte man ein Sandkorn im Auge. Bei jedem Lidschlag reibt und juckt es. Das ständige Fremdkörpergefühl im Auge nervt und lenkt von der Arbeit ab. Die Augen brennen, sind gerötet, gereizt und oft auch lichtempfindlich. Nicht selten sind die Lider geschwollen und die Lidränder entzündet. Dies sind die typischen Symptome einer Krankheit, die im Winter allein in Deutschland Millionen Menschen heimsucht: das trockene Auge oder in der Fachsprache der Mediziner das Sicca-Syndrom.

Im Idealfall gut geschmiert
Eine gleichmäßige und satte Befeuchtung der Augen ist für das einwandfreie Sehen unerlässlich. Damit das Lid alle fünf bis zehn Sekunden locker und leicht über den Augapfel gleitet, ist eine ausreichende Menge an Tränenflüssigkeit nötig, die die Augenoberfläche benetzt. Der natürliche Tränenfilm ist ein recht kompliziertes Gemisch, das von mehreren Drüsen rund um das Auge produziert wird. Er besteht aus verschiedenen, übereinander liegenden Schichten, von denen jede ihre spezielle Aufgabe hat: Die äußerste Lage (Lipidschicht) ist fetthaltig und verhindert dadurch ein allzu schnelles Verdunsten.

Die mittlere Schicht ist wässrig, wird von den eigentlichen Tränendrüsen gebildet und reinigt die Augenoberfläche von Fremdkörpern. Außerdem versorgt sie die Hornhaut mit Nährstoffen. Darunter liegt eine Schleimschicht, ohne die die anderen Flüssigkeitslagen nicht auf dem Auge haften könnten. Das gute Zusammenspiel aller drei Lagen ist notwendig, damit der Tränenfilm seine Aufgaben reibungslos erfüllen kann. Der regelmäßige Lidschlag verteilt die Tränenflüssigkeit auf dem Auge und bewegt sie in Richtung der ableitenden Tränenwege. Durch die Tränenkanälchen am unteren und oberen Lid wird die Flüssigkeit schließlich in die Nase abgeführt. Keimtötende Substanzen im Tränenfilm schützen das empfindliche Auge vor Infektionen mit Bakterien und Viren. Die Hauptaufgabe des Flüssigkeitsfilms ist aber die Ernährung und Sauerstoffversorgung von Hornhaut und Bindehaut. Die Menge der Tränenflüssigkeit unterliegt tageszeitlichen Schwankungen: Abends wird weniger produziert als morgens.

Zu wenig Gleitflüssigkeit
Rund 20 Prozent der Patienten beim Augenarzt klagen über trockene Augen. Dies kann zum einen an einer verringerten Produktion von Tränenflüssigkeit liegen oder zum anderen an der vermehrten Verdunstung des Schmierfilms. Letzteres kann auch durch eine veränderte Zusammensetzung des Tränenfilms ausgelöst werden, wenn beispielsweise die äußere fetthaltige Schicht aufreißt. Viele ältere Menschen leiden an trockenen Augen, weil mit zunehmendem Lebensalter weniger Tränenflüssigkeit gebildet wird.

Frauen sind öfter vom Sicca-Syndrom betroffen, da weibliche Geschlechtshormone das Risiko dafür erhöhen. Eine Hormonersatztherapie kann zum Beispiel die Entstehung des trockenen Auges befördern. Darüber hinaus gibt es eine Reihe von Medikamenten, die die Produktion der Tränenflüssigkeit herabsetzen. Dies gilt besonders bei längerer Einnahme. Dazu gehören beispielsweise Acetylsalicylsäure, Antihistaminika, Beta-Blocker, Antidepressiva und Neuroleptika. Auch bestimmte Krankheiten können zu trockenen Augen führen, so u.a. Diabetes, Schilddrüsenstörungen, rheumatische Erkrankungen und entzündliche Gefäßerkrankungen.

Der Anstieg der Patientenzahlen im Winter hat allerdings im Wesentlichen mit der trockenen Luft in Wohn- und Arbeitsräumen während der Heizperiode zu tun. Dadurch verdunstet der schützende Gleitfilm auf den Augen schneller als er neu gebildet werden kann. Verschärft wird das Problem durch den zunehmenden Einsatz von Klimaanlagen in Büros und in Autos oder durch die trockene Luft in Flugzeugen. Der ständige schwache Luftstrom trocknet die Augenoberfläche aus. Kommt noch Zigarettenrauch hinzu, verstärken sich die negativen Reize ganz besonders. Auch wer viel und lange am Computer arbeitet, kennt häufig das Problem der trockenen Augen. Vor dem Bildschirm nimmt unbewusst die Zahl der Lidschläge ab, so dass die Benetzung der Augenoberfläche unzureichend ist.

Meist verursacht das trockene Auge keine bleibenden Schäden, aber trotzdem warnen die Augenärzte, die Beschwerden auf die leichte Schulter zu nehmen. Unangenehm und belastend ist das Sicca-Syndrom auf jeden Fall. Hornhaut- oder Bindehautentzündungen können entstehen und manchmal kann die Hornhaut durch die Folgen der Benetzungsstörung dauerhaft geschädigt werden. Die Sehkraft wird durch das trockene Auge allerdings nicht beeinträchtigt.

Mehr Feuchtigkeit
Bei länger anhaltenden Beschwerden sollte auf jeden Fall der Augenarzt aufgesucht werden. Zur Behandlung gibt es in erster Linie verschiedene Tränenersatzflüssigkeiten, die mehrmals am Tag in die Augen getropft werden. Diese künstlichen Tränen ersetzen die fehlende Gleitflüssigkeit und verbessern die Benetzung der Hornhautoberfläche. Man kann wählen zwischen zähflüssigen Augengelen oder dünnflüssigen Augentropfen. Auf jeden Fall sollten sie keine Konservierungsmittel enthalten, da diese das Problem verschlimmern oder eine Allergie auslösen können. Seit einiger Zeit gibt es auch Augentropfen mit Liposomen, die die Lipidschicht der Tränenflüssigkeit stabilisieren sollen. Sie werden auf das geschlossene Auge gesprüht. Die Liposomen bewegen sich über die Lidkante zum Tränenfilm und schützen ihn einige Stunden lang vor der Verdunstung.

Darüber hinaus sollte alles vermieden werden, was die Augen zusätzlich austrocknet. Augenärzte empfehlen, bei Klimaanlagen nicht im Luftstrom zu sitzen, auf genügend Luftfeuchtigkeit in den Räumen zu achten und sich viel an der frischen Luft zu bewegen. Bei längerer Bildschirmarbeit zwischendurch bewusst blinzeln und immer wieder Pausen machen. Wenn alles nichts hilft, können bei einem schweren Sicca-Syndrom die Abflusskanälchen der Tränenflüssigkeit verschlossen werden, so dass eine größere Menge des Tränenfilms zur Verfügung steht.

Tipps gegen trockene Augen
– Sorgen Sie für ausreichende Luftfeuchtigkeit in den Räumen. Eine relative Luftfeuchtigkeit von 50 Prozent ist empfehlenswert. Lüften Sie mehrmals täglich.
– Zimmerpflanzen oder feuchte Tücher auf der Heizung schaffen ein angenehmeres Klima in beheizten Räumen. Vorsicht bei Zimmerspringbrunnen oder elektrischen Luftbefeuchtern: Ohne besondere Hygienemaßnahmen stellen sie sich rasch als Keimschleuder dar.
– Trinken Sie viel, mindestens zwei Liter täglich.
– Vermeiden Sie Zugluft. Stellen Sie den Luftstrom der Klimaanlage im Auto so ein, dass er nicht auf das Gesicht gerichtet ist. Gleiches gilt für die Luftdüse im Flugzeug.
– Bei der Arbeit am Computer zwischendurch bewusst blinzeln und so die Augenoberfläche befeuchten.