ChristlicherDigest

Medikamente und Auto – Das Risiko fährt mit

von Caroline Schawe

Die Einnahme von Medikamenten und anschließendes Autofahren sind mitunter eine gefährliche Kombination. Warnhinweise müssen unbedingt beachtet werden, sonst ist nicht nur das eigene Leben in Gefahr.

Autofahren erfordert eine geschärfte Wahrnehmung: Gutes Sehen und Hören, Koordination, schnelles Erkennen und Reagieren ist notwendig, um dem heutigen Verkehr gewachsen zu sein. Das Gleiche gilt übrigens auch für Radfahrer. Alkohol und Drogen sollten im Straßenverkehr tabu sein, doch die Gefahren lauern noch woanders: Jährlich werden in Deutschland mehr als 1,6 Milliarden Packungen Medikamente verkauft. Ihre eigentliche Aufgabe ist es zu helfen, zu heilen oder zu lindern, aber sie können auch unheilvolle Auswirkungen haben. So zum Beispiel, wenn sie die Fahrtüchtigkeit herabsetzen und der Verbraucher trotzdem Auto fährt.

Wer lässt schon den Wagen stehen, wenn er wegen einer Erkältung oder einer Allergie ein Medikament geschluckt hat? Sogar solche vermeintlich harmlosen Arzneimittel können die Reaktionsfähigkeit verlangsamen oder zu Benommenheit führen. Andere Mittel schränken die Sehfähigkeit ein oder trüben die Wahrnehmung. Auch besonders aggressives Verhalten kann die Folge von Medikamenteneinnahme sein. Eigentlich klar, dass man dann nicht mehr Auto fahren sollte. Doch leider werden die Risiken für den Straßenverkehr massiv unterschätzt.

Acht von zehn Autofahrern wissen nicht, dass Medikamente ihre Fahrtüchtigkeit beeinflussen können. Untersuchungen zeigen immer wieder, dass die Auswirkungen des Medikamentenkonsums auf den Straßenverkehr größer sind als vermutet. So geschehen rund 20 Prozent aller Unfälle unter dem Einfluss von Arzneimitteln – eine erschreckend große Zahl.

Kann die Polizei nachweisen, dass der Unfallverursacher durch die Medikamenteneinnahme nicht fahrtüchtig war, schützt Unwissenheit nicht vor Strafe. Jeder Verkehrsteilnehmer ist für seine Fahrtüchtigkeit selbst verantwortlich. Nehmen Sie deshalb Warnhinweise vom Arzt oder Apotheker ernst. Auch auf dem Beipackzettel muss der Hersteller auf eine mögliche Beeinträchtigung der Fahrtauglichkeit hinweisen. Steigen sie dann lieber auf öffentliche Verkehrsmittel um oder lassen Sie sich chauffieren.

Lieber ohne Auto
Wenn Sie eines der folgenden Medikamente einnehmen, sollten Sie das Risiko genau abwägen:

– Schmerzmittel: Bei leichten, rezeptfreien Schmerzmitteln liegt die Gefahr in einer Überdosierung. Dann können Übelkeit und Erbrechen das Autofahren erschweren. Starke, morphinhaltige Schmerzmittel können u.U. zu Unruhe, Reizbarkeit oder zu Einschränkungen der motorischen Fähigkeiten führen. Vorsicht ist auch nach einer lokalen Betäubung beim Arzt oder Zahnarzt geboten. Erst wenn die Wirkung vollständig abgeklungen ist, sollten Sie sich ans Steuer setzen.

– Anti-Allergie-Mittel: Die älteren Antiallergika können Schwierigkeiten bereiten: Sie wirken oft beruhigend auf das zentrale Nervensystem und machen müde. Allerdings können auch Erregungszustände vorkommen. Vorsicht zu Beginn der Behandlung, wenn man die Nebenwirkungen noch nicht kennt. Die neueren Medikamente machen nicht mehr müde.

– Grippe- und Erkältungsmittel: Codeinhaltige Mittel gegen Hustenreiz wirken allgemein dämpfend und setzen so die Reaktionsfähigkeit herab. Viele Arzneien enthalten auch Alkohol.

– Schlafmittel: Wer ein Schlafmittel eingenommen hat, darf nicht Auto fahren! Auch eine kalte Dusche oder ein starker Kaffee helfen nicht gegen die aufkommende Müdigkeit. Beachten Sie die Wirkungsdauer und nehmen Sie nie ein Schlafmittel nach Mitternacht. Auch bei früherer Einnahme kann die Reaktionsfähigkeit am Morgen danach noch deutlich eingeschränkt sein.

– Psychopharmaka: Hierzu gehören antidepressiv wirkende Mittel, Neuroleptika (Mittel gegen Psychosen), Beruhigungsmittel (Tranquilizer) und Benzodiazipine. Sie wirken u.a. entspannend und dämpfen das Zentralnervensystem. Müdigkeit, Konzentrationsmangel und eine längere Reaktionszeit setzen die Verkehrstüchtigkeit rapide herab. Bei einer Polizeikontrolle haben auffällige Verkehrsteilnehmer besonders oft Spuren von Mitteln wie Benzodiazepine im Blut. Wird zusätzlich Alkohol konsumiert, verstärkt sich das Risiko beträchtlich.

– Antidiabetika: In der Einstellungsphase mit neuen Medikamenten ist besondere Vorsicht geboten. Eine eventuell eintretende Über- oder Unterzuckerung kann zu Sehstörungen oder sogar zur Bewusstlosigkeit führen. Ein gut eingestellter Diabetiker kann jedoch problemlos Auto fahren.

– Blutdrucksenkende Mittel: Derartige Arzneimittel können die Konzentrationsfähigkeit herabsetzen. Bei neu verordneten Medikamenten kann es zu einem plötzlichen Blutdruckabfall mit Schwindel und Benommenheit kommen. Auf der anderen Seite bedeutet Bluthochdruck ein hohes Verkehrsrisiko, denn Seh-, Hör- und Gleichgewichtsstörungen können auftreten.

– Augenmittel: Pupillenverengende Medikamente beeinträchtigen die Sehschärfe. Bei Augenuntersuchungen werden auch oft Augentropfen eingesetzt, die die Pupillen weitstellen. Anschließend sind die Augen für mehrere Stunden extrem blendempfindlich, so dass helles Sonnenlicht oder Scheinwerfer entgegenkommender Autos beim Fahren große Schwierigkeiten bereiten können.

Die angeführten Warnhinweise gelten übrigens nicht nur für den Straßenverkehr. Das Unfallrisiko nach Medikamenteneinnahme erhöht sich auch im Haushalt, am Arbeitsplatz oder beim Sport. Wenn mehrere Arzneimittel eingenommen werden müssen, kann sich die Wirkung der einzelnen Inhaltsstoffe verstärken. Ihr Arzt sollte also immer wissen, welche Medikamente Sie insgesamt einnehmen. Halten Sie die vom Arzt vorgegebene Dosierung ein und seien Sie bei neuen Arzneimitteln, deren Wirkung Sie noch nicht kennen, besonders vorsichtig.

Bei älteren Menschen und auch bei Frauen kann schon die normale Dosierung stärkere Wirkungen oder Nebenwirkungen haben. Dies liegt ganz allgemein daran, dass Wirkungen und Nebenwirkungen von Arzneimitteln an normalgewichtigen Männern mittleren Alters getestet werden. Aufgrund deren Reaktionen wird die empfohlene Dosis festgelegt. Für eine zarte, schlanke Frau kann dies oft schon zu viel sein. Vorsicht bei Alkohol: Manche Nebenwirkungen der Medikamente können sich verstärken.

Vorsicht bei Narkose-Mitteln
Wenn ein Narkosemittel verabreicht wurde, darf der Patient mindestens 24 Stunden – besser 48 Stunden – danach kein Auto fahren. Das gilt auch für Kurznarkosen z.B. bei einer ambulanten Operation. Es dauert rund zwei Tage, bis das Medikament und seine Abbauprodukte aus dem Körper verschwunden sind. Auch eine lokale Betäubung beim Zahnarzt kann je nach Menge und Art des Wirkstoffs die Fahrtüchtigkeit beeinflussen. Direkt nach der Anwendung sollte der Patient auf keinen Fall Auto fahren.