ChristlicherDigest

Hygiene im Haushalt – Nicht nur sauber sondern rein

von Anette Brecht-Fischer

Wie viel Hygiene braucht der Haushalt? Kaum jemand macht sich darüber Gedanken, höchstens die Hersteller von Putz- und Waschmitteln. Die von ihnen angepriesenen Superreiniger sind aber in den meisten Fällen nicht nötig. Wer weiß, wo die Hygienefallen sind, kann auch angemessen reagieren.

Noroviren, Salmonellen, Campylobacter, Schimmelpilze und wie sie alle heißen: Mikroorganismen können gefährliche Infektionen auslösen. Doch keinesfalls jede Mikrobe in unserer Umgebung muss bekämpft werden: Im Gegenteil, der Großteil der winzig kleinen Organismen lebt in einer sinnvollen Balance mit uns zusammen, so z.B. die Bakterien in unserem Darm oder auf unserer Haut.

Es ist daher falsch zu meinen, dass etwa der Fußboden in einem Haushalt mit Krabbelkind bakterienfrei, also steril sein müsse. Krankmachende Bakterien oder Viren, oft Durchfallerreger oder Verursacher von Wundinfektionen, sollten allerdings so gut wie möglich aus der Umgebung verbannt werden. Mit Ausnahme der Noroviren ist die Quelle für die meisten Infektionserreger der eigene Haushalt.

Horrorblick durchs Mikroskop
Fragt man gestandene Hausfrauen oder Hausmänner, welcher Ort in ihrer Wohnung in Punkto Hygiene besonders zu berücksichtigen ist, geben die meisten das Bad und speziell die Toilette an. Deshalb wird hier auch häufig geputzt. Die Ergebnisse sind durchaus bemerkenswert: In einer Untersuchung fand man auf dem Toilettensitz pro Quadratzentimeter im Durchschnitt nur rund 100 Bakterien – ein wirklich gutes Ergebnis, wie Mikrobiologen finden. (Auf der Badewannenoberfläche sah das ein wenig anders aus, dort entdeckte man auf der gleichen Fläche rund 10.000 Bakterien.) Da man unter Normalbedingungen nur mit der WC-Brille in Kontakt kommt, lauern hier auch keine größeren gesundheitlichen Gefahren.

Ein ganz anderer Aspekt ist der optische und sonstige Zustand der Toilette. Doch aus Gründen der Infektionsvermeidung muss niemand unter dem inneren Rand des WC-Beckens putzen. Haushalte mit kleineren Kindern, die überall anfassen, stellen allerdings eine Ausnahme dar. Trotzdem sollte man nicht zum Desinfektionsmittel greifen, normale Haushaltsreiniger genügen vollauf. Wichtig ist allerdings, dass man sich über die Putzlappen Gedanken macht, denn in ihnen reichern sich die Bakterien leicht an. Pflicht ist ein eigener Lappen zum Putzen der Toilette, hinterher heiß ausspülen und so aufbewahren, dass er schnell trocknet.

Ab und zu durch ein neues Exemplar ersetzen oder gleich Einmalputzlappen verwenden. Unverzichtbar nach jedem Toilettengang und auch nach dem Toiletteputzen ist und bleibt das gründliche Händewaschen, denn die meisten Keime werden mit den Händen verteilt.

Im Gegensatz zur Meinung vieler Laien ist der Ort mit der weitaus größten Keimzahl die Küche. Würde man dort manche Oberflächen unter dem Mikroskop betrachten, könnte einen das Grauen überkommen, obwohl es auf den ersten Blick sauber aussieht. Arbeitsflächen, Schneidebretter, Kühlschrank, Geschirrtuch und Spüllappen – alles wahre Tummelplätze für Mikroorganismen jeglicher Art. Auf einem Spüllappen können sich pro Quadratzentimeter mehrere Millionen Keime befinden – und die werden mit jedem Wischen weiter verbreitet. Ursache der Mikrobeninvasion in der Küche ist der tägliche Einkauf.

Zusammen mit den Lebensmitteln kommen auch Bakterien und Schimmelpilze ins Haus. Die meisten oder zumindest viele von ihnen sind harmlos: Sie umhüllen die Salami und den Camenbert, stecken im Joghurt und säuern den Essig. Krankmachende Mikroorganismen sind dagegen vorwiegend auf Fleisch, Fisch, Eiern oder Gemüse und Salaten zu finden. Besonders Geflügel ist in dieser Hinsicht als Risikolebensmittel einzustufen, denn oft ist es mit Salmonellen oder Campylobacter infiziert – Bakterien, die heftige Durchfallerkrankungen auslösen können. Werden diese Lebensmittel beim Kochen oder Braten durchgegart, sterben die Mikroben ab und die Gefahr ist gebannt. Probleme machen sie nur im rohen Zustand.

Sobald die Verpackung zuhause geöffnet wird, beginnt die Verteilung der Keime in der Küche, meist mit den eigenen Händen. Von der Arbeitsfläche geht es in den Kühlschrank, später von dort auf das Schneidebrett, dann in den Wischlappen und schließlich in das Handtuch, mit dem wir die Hände abtrocknen. Auf häufig gebrauchten Griffen und Armaturen und speziell im Kühlschrank tummeln sich Unmengen von Mikroorganismen. Die Toilette wird jede Woche geputzt, der Kühlschrank aber nur einmal im Monat oder sogar noch seltener – Folge einer krassen Fehleinschätzung, wie Experten meinen.

Sauber mit Köpfchen
Eine keimfreie Küche gibt es nicht, doch wer einfache hygienische Regeln beachtet, kann viel erreichen. Die Temperatur im Kühlschrank sollte nicht über 8 Grad liegen, sonst können sich die Mikroorgansimen schnell vermehren. Von Zeit zu Zeit den Kühlschrank ausräumen und mit Essigwasser auswischen, dabei die Rückwand nicht vergessen. Schneidebretter, egal ob aus Holz oder Kunststoff, dürfen keine Scharten und Rillen aufweisen, in denen Bakterien überleben und sich vermehren können. Ein Vorteil von Kunststoffbrettern ist, dass man sie im Geschirrspüler heiß spülen kann. Der Brotkasten muss regelmäßig überprüft und ausgewischt werden, da sich aufgrund der höheren Luftfeuchtigkeit leicht Schimmelpilze ansiedeln. Viel benutzte Griffe wie z.B. am Wasserkocher oder Kühlschrank regelmäßig mit heißem Wasser und Reinigungsmittel abwischen.

Das Gleiche gilt für die gesamte Region rund um den Mülleimer. Geschirrhandtücher und Putzlappen oft wechseln und in die 60-Grad-Wäsche (am besten mit Vollwaschmittel) geben. Vor und nach dem Hantieren mit Lebensmitteln die Hände waschen und an einem eigenen Handtuch (oder an einem Stück von der papiernen Küchenrolle) abtrocknen. Bei der Zubereitung eines Essens sollte man zuerst Gemüse oder Salat waschen, zerkleinern und beiseite stellen und sich erst danach um das Fleisch kümmern. So wird vermieden, dass Keime vom Fleisch (über Messer, Brett oder Arbeitsfläche) auf die anderen Zutaten verschleppt werden, die roh gegessen oder nur kurz gedämpft werden.

Hygienische Bedenken kann es auch beim Wäschewaschen geben. Wie Untersuchungen gezeigt haben, können sich Mikroorganismen schon im Korb mit der Schmutzwäsche von einem Stück auf das andere verteilen. Dies kann z.B. Fußpilzsporen aus Socken oder Fäkalkeime aus Unterhosen betreffen, aber auch Küchenkeime aus Geschirrtüchern. Bei einer Waschtemperatur von 40 Grad und einem milden Waschmittel überleben viele davon.

Manche Flüssigwaschmittel richten gegen Mikroorganismen gar nichts aus, sie werden vom Hersteller sogar mit Konservierungsstoffen ausgerüstet, damit sie nicht verderben. Vollwaschmittel, die auch bleichende Wirkung haben, sind aus hygienischer Sicht besser, besonders, wenn sie bei 60 Grad eingesetzt werden. Sind alle Mitglieder des Haushalts gesund, genügt auch ein Waschen bei niedrigeren Temperaturen.

Umgang mit Putzlappen
Putzlappen sollten nach Gebrauch heiß ausgespült und so aufgehängt werden, dass sie schnell trocknen, denn Mikroorganismen brauchen Feuchtigkeit, um sich zu vermehren. Man kann das Tuch auch feucht in die Mikrowelle geben und diese zwei Minuten lang bei voller Leistung laufen lassen, danach sollten die Keime abgetötet sein. Ansonsten gilt: Immer wieder ab in die Waschmaschine, sobald bei 60 Grad gewaschen wird.

Saubere Waschmaschine
Was kaum einer weiß: Auch in der Waschmaschine können sich Mikroorganismen breit machen und die Wäsche kontaminieren. Dies gilt besonders, wenn häufig bei niedrigen Temperaturen gewaschen wird. Im restlichen Wasser, das nach dem Waschen in der Maschine verbleibt, können sich die Keime vermehren. Ein kritischer Punkt ist auch die Einspülkammer, in der oft Reste vom Waschmittel oder Weichspüler bleiben. Hier bildet sich häufig ein richtiger Bakterienfilm, der bei der nächsten Wäsche verteilt wird. Deshalb sollte die Einspülkammer regelmäßig gereinigt werden und nach der Benutzung – ebenso wie die Luke – offen stehen bleiben. Achtung bei Gemeinschaftswaschmaschinen: Sie sind oft wahre Keimschleudern.