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Isländisch Moos (Cetraria islandica)

Für die Rentiere im hohen Norden ist Isländisch Moos eine Leibspeise, für uns Menschen ist es ein anerkanntes Heilmittel, das bei Halsschmerzen, Heiserkeit und Reizhusten eingesetzt wird. Der Name Isländisch Moos ist streng genommen falsch, denn es handelt sich dabei nicht um ein Moos, sondern um eine Flechte. Darunter versteht man eine Lebensgemeinschaft aus Algen und Pilzen, die beiden Beteiligten zugutekommt.

Die Flechte wächst polsterförmig und wird etwa vier bis 12 Zentimeter hoch. Die Triebe sind an der Oberseite braun-grün, an der Unterseite eher weiß-grün oder grau. Sie verzweigen sich wie ein Geweih, weshalb der Volksname Hirschhornflechte bestens passt.

Das Isländische Moos wächst in gemäßigt kühlen bis arktischen Regionen der Nordhalbkugel, besonders in Tundra- und Heidegebieten, aber auch in lichten Nadelwäldern. Da man es nicht gezielt anbauen kann, ist man auf die Sammlung der wild wachsenden Exemplare angewiesen. In Deutschland, wo man die Flechte in Gebirgsregionen oberhalb der Waldgrenze antreffen kann, ist sie geschützt, darf also nicht gepflückt werden.

Hauptlieferanten für den medizinischen Bedarf sind deshalb die skandinavischen Länder und Kanada. Erntezeit ist im Spätsommer oder Herbst. Dann wird der gesamte oberirdische Teil der Flechte abgeschnitten, im Dunkeln schonend getrocknet und anschließend zerkleinert.

Bereits im 17. Jahrhundert wurde das Gewächs als Heilmittel bei Erkrankungen der Atemwege und des Verdauungstrakts eingesetzt. Angeblich entdeckte ein Isländer seine Heilwirkung, daher der Name Isländisch Moos. In der heutigen Zeit wird die Flechte besonders bei Reizungen der Schleimhäute in Mund und Rachen eingesetzt. In Form von Lutschtabletten bei Heiserkeit oder als Bestandteil in Erkältungstees lindern die Inhaltsstoffe des Isländisch Moos die Beschwerden der gereizten Schleimhäute. Viele Sänger, Redner und auch Lehrer halten damit in Erkältungszeiten ihre Stimme fit.

Die Schleimstoffe der Flechte legen sich wie ein Film über die angegriffenen Schleimhäute und schützen sie. Trockener Reizhusten kann auf diese Weise gemildert werden. Die enthaltenen Bitterstoffe wirken schwach antibakteriell, Jod und die Vitamine A, B1 und B12 unterstützen die Wirkung. Auch bei Entzündungen der Magen-Darm-Schleimhaut wird Isländisch Moos eingesetzt. Wer unter hartnäckiger Akne leidet, kann versuchen, mit äußerlich angewendetem Flechtentee (in Form von Kompressen) den Zustand der Haut zu verbessern. Forscher untersuchen inzwischen, ob Isländisch Moos eventuell auch das Immunsystem stimuliert.

Die Flechte aus dem Norden wirkt sehr sanft, so dass Lutschtabletten und Tees auch für Kinder und ältere Personen geeignet sind. Nebenwirkungen sind keine bekannt. Da die Flechten in manchen Gegenden aufgrund des Reaktorunfalls in Tschernobyl noch immer radioaktiv belastet sein können, sollte man sie nicht selber sammeln. Präparate, die man bei uns in Apotheken oder Drogeriemärkten kaufen kann, sind jedoch geprüft und unbedenklich.