ChristlicherDigest

Wenn Kinder nur noch traurig sind

von Caroline Schawe

Depressionen treffen nicht nur Erwachsene, auch Kinder erkranken daran. Manchmal traurig und niedergeschlagen zu sein, ist normal. Wenn dieser Zustand beim Kind aber länger anhält, sollten Eltern und Erzieher auch an die Möglichkeit einer Depression denken. Fachliche Hilfe ist dann nötig.

Kinder haben Erkältungen, manchmal Fieber, schürfen sich bei Stürzen die Knie auf und sind ansonsten munter und gut gelaunt – dieses Bild entspricht jedoch nicht der Wirklichkeit, denn knapp 20 Prozent der unter 18-Jährigen sind an ihrer Seele erkrankt. Ihre psychischen Beschwerden können ganz unterschiedlicher Natur sein, wobei eine Depression relativ häufig vorkommt. Die Erkrankung ist bei Kindern und Jugendlichen schwer zu erkennen, da sie oft andere Symptome zeigen als Erwachsene.

Erkennen – Die Symptome hängen vom Alter ab
Wie sich eine Depression zeigt, hängt stark vom Alter der Heranwachsenden ab. Schon Kleinkinder können daran erkranken, wenn auch relativ selten.
– Depressive Kleinkinder weinen häufig, wollen nicht spielen und sind sehr ängstlich. Sie versuchen, übermäßig lieb und folgsam zu sein, wirken traurig, sind leicht reizbar, essen und schlafen schlecht. Bei einigen Kindern verzögert sich die Entwicklung.

-Kinder im Vorschulalter zwischen drei und sechs Jahren zeigen ähnliche Symptome. Sie können sich nicht freuen und haben keine Lust, sich zu bewegen. Sie ziehen sich zurück oder sind aggressiv.

– Schulkinder können bereits selbst sagen, dass sie traurig sind. Ängstlichkeit und Hemmungen können dazu führen, dass sie einsam und isoliert sind. Gleichzeitig regen sie sich schnell über Kleinigkeiten auf und haben ein geringes Selbstwertgefühl. Außerdem können sie sich schlecht konzentrieren, was sich auf ihre schulischen Leistungen auswirkt. Häufig klagen sie zudem über Kopf- oder Bauchschmerzen.

– In der Pubertät schwanken viele Jugendliche zwischen verschiedenen Stimmungen, von „himmelhochjauchzend“ bis „zu Tode betrübt“. Eine Depression ist nicht leicht zu erkennen, da auch gesunde Jugendliche in der Pubertät häufig trotzig, aggressiv, verschlossen oder von Selbstzweifeln geplagt sind.

Hält der labile Gemütszustand jedoch über Wochen und Monate an, kann eine Depression dahinter stecken. Typisch sind auch Lustlosigkeit, vermindertes Selbstvertrauen, Unkonzentriertheit, schlechte Leistungen in der Schule und sozialer Rückzug. Häufig treten Essstörungen und Gewichtsverlust auf. Wenn ein Jugendlicher extrem viel schläft, Alkohol trinkt, Drogen nimmt oder über Selbstmord nachdenkt, kann dies ebenfalls auf eine Depression hindeuten.
Depressive Kinder und Jugendliche nehmen ihre Erkrankung häufig mit in das Erwachsenenalter. Ein Grund mehr, schon frühzeitig etwas dagegen zu unternehmen.

Vermeiden – Wo liegen die Ursachen?
Grundsätzlich kann jeder an einer Depression erkranken, niemand ist davor gefeit. Es gibt jedoch einige Risiken, die das Auftreten der Erkrankung begünstigen. Wie bei Erwachsenen sind auch bei Kindern oft mehrere Faktoren beteiligt. Wenn in der Familie bereits ähnliche Erkrankungen vorgekommen sind, ist das Risiko höher, außerdem spielen die Erziehung und das soziale Umfeld eine Rolle. Bestimmte Belastungen können ein Kind überfordern und eine Depression nach sich ziehen – etwa die Trennung der Eltern, der Tod einer nahen Person, ein Umzug mit Schulwechsel, schulische Probleme, Alkohol- und Drogenmissbrauch oder die Erfahrung von Gewalt.

Auf der anderen Seite helfen bestimmte Schutzfaktoren den Kindern, Probleme und belastende Erlebnisse zu bewältigen. Dazu gehören insbesondere stabile, emotionale Beziehungen zu festen Bezugspersonen, ein offenes und unterstützendes Familienklima und ein guter familiärer Zusammenhalt. Eltern können viel dazu beitragen, dass Heranwachsende selbstbewusst und optimistisch sind – etwa, indem sie ihnen Gelegenheit für Erfolgserlebnisse schaffen und sie so lieben und akzeptieren, wie sie sind. Wichtig ist aber auch, dass die Kinder lernen, mit Enttäuschungen und Niederlagen umzugehen. Deshalb sollten Eltern ihren Kindern beispielsweise helfen, aus Fehlern zu lernen und ihnen nicht alle Wünsche erfüllen.

Behandeln – Fachliche Hilfe oft nötig
Werden die Symptome einer Depression – oder einer anderen Störung der kindlichen Seele – frühzeitig erkannt, lässt sie sich besser behandeln. Meist heilt die Krankheit nicht von alleine, weshalb Eltern fachliche Hilfe in Anspruch nehmen sollten. Wenn Eltern selbst Rat brauchen und nicht wissen, wie sie mit ihrem Kind umgehen sollen, können sie sich an eine Erziehungs- oder Familienberatungsstelle wenden. Auch Lehrer sollten aufmerksam sein. Der schulpsychologische Dienst kann erste Hilfe anbieten. Verdichten sich die Hinweise auf eine Depression, sollten die Eltern den Hausarzt oder Jugendarzt aufsuchen und/oder einen Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie zu Rate ziehen.

Allzulange sollte mit diesem Schritt nicht gewartet werden, denn falsche Scham ist hier fehl am Platz. Die Fachärzte haben gelernt, die seelischen Nöte der Kinder zu erkennen. Sie hören Eltern und Kindern zu, sprechen mit ihnen alleine oder mit der ganzen Familie. Die vielfach nötige Behandlung wird individuell dem Schweregrad der Depression angepasst. In vielen Fällen genügt eine ambulante Therapie, bei Kindern im Vorschulalter haben sich Spieltherapien bewährt. Je nach Schwere der Symptomatik können zusätzlich Medikamente eingesetzt werden, um den Gehirnstoffwechsel wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

Wenn die Beschwerden sehr schlimm sind, kann auch ein stationärer Klinikaufenthalt notwendig sein. Dann bleibt der oder die Betroffene für einige Tage oder Wochen in der Klinik und ist nur am Wochenende zuhause. In ganz Deutschland gibt es mehr als 130 Kliniken für Kinder- und Jugendpsychiatrie, in denen die Kranken behandelt werden können. Die Therapie, egal ob ambulant oder stationär, wird übrigens von allen Krankenkassen bezahlt, wenn sie vom Arzt für notwendig erachtet wird. Zur Vorbeugung von Depressionen bieten Schulen häufig psychologische Programme an. Dabei lernen Kinder und Jugendliche, wie sie mit Trauer, Trennungen oder Stress umgehen und Probleme lösen.

Stiftung „Achtung! Kinderseele“
Vorbeugung, Früherkennung, und Behandlung von psychischen Problemen bei Kindern und Jugendlichen sind die Themen, mit denen sich die Stiftung „Achtung! Kinderseele“ befasst. Sie beklagt, dass seelische Probleme von Heranwachsenden häufig in unserer Gesellschaft verschwiegen,
zu spät erkannt und nicht ausreichend behandelt werden. Noch immer gelten sie als Makel und Tabuthema. Zu wenig ist bekannt über Vorkommen, Ursachen, mögliche Anlaufstellen, Hilfseinrichtungen und Behandlungsformen. Dies ist der Grund, weshalb Hilfe oft erst gar nicht gesucht wird und so manche Familie glaubt, sie muss mit dem Problem allein fertig werden. Ausführliche Informationen mit Beschreibung der Krankheiten, Untersuchungsmethoden sowie Therapien findet man unter www.achtung-kinderseele.de