ChristlicherDigest

Wermut (Artemisia absinthium)

Die Wermut-Pflanze gehört zur Familie der Korbblütler und kommt seit Jahrtausenden in Asien, Europa und Nordafrika vor. Inzwischen ist sie auch nach Amerika eingewandert. Sie liebt trockene Böden und mag auch die Höhenluft, denn man kann sie im Gebirge bis zu einer Höhe von 3500 Meter finden.

Der Strauch kann bei guten Bedingungen bis zu 150 cm hoch werden. Schon von weitem fällt die grünlich graue Farbe seiner Blätter auf, die an der Oberseite behaart sind. Die zierlichen Blätter sind dreifach gefiedert. Zerreibt man sie zwischen den Fingern, verströmen sie einen aromatischen Duft. Zwischen Juli und September blüht der Wermut mit kleinen, in Rispen stehenden, hellgelben Blüten, die nur so groß wie Stecknadelköpfe sind.

Im Volksmund hat Wermut auch den Namen Bitterkraut oder bitterer Beifuß, womit seine hervorstechendste Eigenschaft auch schon benannt ist. Alle Bestandteile der Pflanze enthalten viele Bitterstoffe, darunter ist Absinthin die Hauptkomponente. Außerdem kommen ätherische Öle vor, unter anderem das Nervengift Thujon. Diesem ist der schlechte Ruf des Modegetränks Absinth zu verdanken, das im 19. Jahrhundert in Frankreich unter Künstlern und Bohemiens sehr beliebt war. Absinth enthält neben Wermut auch Anis, Fenchel sowie weitere Kräuter, die dem Schnaps eine grüne Farbe geben. Übermäßiger Konsum führte zu Abhängigkeit und Wahnvorstellungen, bis es schließlich zu einem Absinth-Verbot kam.

Aus heutiger Sicht scheint der Thujon-Gehalt des Getränks für derartige Wirkungen zu gering gewesen zu sein, so dass es eher der minderwertige Alkohol sowie sein Anteil von bis zu 90 Prozent war, der die gesundheitlichen Schäden verursachte. Seit 1998 ist Absinth wieder erhältlich. Bei dem ganz anderen Getränk namens Wermut handelt es sich um einen mit Wermut und weiteren Kräutern aromatisierten Wein mit 15 bis 18 Prozent Alkohol. Die Italiener lieben die süßere Variante mit Zucker, die Franzosen die eher bittere Version.

Seit der Antike wird die Wermut-Pflanze zu Heilzwecken im Magen-Darm-Bereich und bei Menstruationsbeschwerden verwendet. Im Mittelalter beschrieb Hildegard von Bingen den Wermut als Heilkraut für äußerliche Anwendungen. Damals wurde er auch gern der Schreibtinte zugesetzt, um so die kostbaren Blätter vor Mäusefraß zu bewahren. Heute ist die verdauungsfördernde, appetitanregende und blähungstreibende Wirkung des Wermuts wissenschaftlich erwiesen.

In der Pflanzenheilkunde wird Wermut in Form von getrockneten Blättern (Droge) zur Teezubereitung, als alkoholischer Auszug (Tinktur) oder in Form von Tabletten und Dragees eingesetzt. Auch in Kombination mit anderen Heilkräutern wird Wermut zur Unterstützung der Magenfunktion geschätzt. In der Homöopathie gilt Wermut als ein Mittel gegen Erregungszustände und Krampfleiden.

Teezubereitung: 1 TL getrocknete Wermutblätter mit 150 ml kochendem Wasser übergießen und 10 bis 15 Minuten ziehen lassen, anschließend abseihen. 30 Minuten vor dem Essen getrunken, wirkt der Tee appetitanregend. Nach der Mahlzeit getrunken beugt er Verdauungsbeschwerden vor. Nicht verwenden bei Magen- oder Darmgeschwüren! Außerdem sollten Beifuß-Allergiker Wermut meiden.