ChristlicherDigest

Echter Hopfen (Humulus lupulus)

Wenn vom Hopfen die Rede ist, denkt jeder zunächst an Bier. Er gibt dem Getränk die Würze und macht es haltbar. Doch der Hopfen spielt auch in der Pflanzenheilkunde eine Rolle, wenngleich nur ein kleiner Teil der jährlichen Hopfenernte in diese Richtung geht. Die schnellwachsende Kletterpflanze aus der Familie der Hanfgewächse windet sich innerhalb einer Wachstumsperiode bis zu sechs Meter hoch, wobei sie von Spanndrähten gehalten wird.

Die Hopfengärten sind in der Landschaft schon von weitem zu erkennen. Es gibt männliche und weibliche Pflanzen, aber nur die weiblichen Exemplare sind erwünscht, denn deren unbestäubte Blüten in Zapfenform enthalten die Inhaltsstoffe, die die Bierbrauer und auch die Heilkundler interessieren. Männliche Pflanzen, die wild im Wald oder an Flussufern wachsen, werden möglichst frühzeitig entfernt. Im Frühjahr, wenn die Triebe der Hopfenpflanzen noch klein und zart sind, werden sie auch als Gemüse (Hopfenspargel) gegessen. Jetzt im September steht in den deutschen Hopfenanbaugebieten wie z.B. rund um Tettnang oder in der Hallertau die Ernte an. Die Blüten werden gepflückt und anschließend durch Trocknung haltbar gemacht.

Seit Jahrhunderten wird in Deutschland Hopfen angebaut. Etwa um 1450 tauchte der Hopfen erstmals im Bier auf, vorher kannte man ihn hier nur als Gemüse. Die Erkenntnis, dass Hopfen dem Bier eine gewisse Haltbarkeit verlieh, wurde besonders in den Klöstern gern aufgenommen und weitergegeben. Für die fastenden Mönche war das nahrhafte Bier unverzichtbar – nun konnte man es endlich auch auf längere Reisen mitnehmen. Im Gegensatz dazu wussten arabische Gelehrte bereits im Mittelalter um die Heilkräfte des Hopfens. Aufgrund seines bitteren Geschmacks wurde er als Verdauungshilfe eingesetzt, aber auch bei Leber- und Gallenbeschwerden verordnet. Erst im 18. Jahrhundert erkannte man die beruhigende und schlaffördernde Wirkung des Hopfens.

Wer abends vor dem Zubettgehen noch ein kleines Bier trinkt, um abzuschalten und Ruhe zu finden, der handelt instinktiv richtig. Aber natürlich lässt sich die gleiche Wirkung auch mit einem Hopfentee oder mit einem Hopfenpräparat erzielen. Dem Hopfen wird von Experten eine sogenannte „schlafanstoßende“ Wirkung zugeschrieben, d.h. das Einschlafen wird erleichtert. Es handelt sich dabei um einen relativ milden Effekt, der auch nicht von heute auf morgen eintritt. Erst nach etwa zwei bis vier Wochen regelmäßiger Hopfenanwendung macht er sich bemerkbar.

Nach Meinung vieler Wissenschaftler wirken die Inhaltsstoffe der Schlingpflanze ähnlich wie das Schlafhormon Melatonin, das den Schlaf-Wach-Rhythmus steuert. Ein großer Vorteil gegenüber anderen Schlafmitteln macht sich am nächsten Morgen bemerkbar: Es gibt keinen „Hangover“, nach dem Aufwachen fühlt man sich frisch und ausgeschlafen. In handelsüblichen Präparaten wird Hopfen häufig mit Baldrian kombiniert. Die Pflanzen haben unterschiedliche Angriffspunkte, ergänzen sich aber aufs Beste. Bei Schlafstörungen gepaart mit innerer Unruhe haben sie sich besonders bewährt. In Teezubereitungen wird Hopfen aufgrund seines bitteren Geschmacks oft mit Melisse oder Lavendel gemischt. Auch allein der Hopfengeruch kann einschläfernd wirken: Ein kleines mit Hopfenzapfen gefülltes Kissen im Bett hat schon vielen geholfen.