ChristlicherDigest

Gewusst wie: Blutdruck senken


von Anette Brecht-Fischer

Jeder vierte Deutsche leidet an Bluthochdruck, doch viele Betroffene wissen es nicht. Wenn die ersten Symptome auftreten, sind die Werte meist schon sehr hoch. Deshalb ist es wichtig, regelmäßig den Blutdruck zu kontrollieren, damit man frühzeitig gegensteuern kann.

Würden wir als Mönch oder Nonne im Kloster leben, hätten wir wahrscheinlich kaum Probleme mit dem Blutdruck. In einer Studie mit 144 Benediktinerinnen zeigte sich, dass sie über eine Zeitspanne von 20 Jahren hinweg einen konstant guten Wert von 130 zu 80 mm Hg behielten, während in der Kontrollgruppe mit gleichaltrigen Frauen der Blutdruck über die Jahre hinweg kontinuierlich anstieg. Das ruhige Leben der Nonnen in einem rhythmisch strukturierten Tagesablauf wird für das positive Ergebnis verantwortlich gemacht.

Doch wir anderen haben Stress, regen uns über jede rote Ampel auf, wenn wir es eilig haben, stehen im Beruf ständig unter Alarmbereitschaft, unterdrücken Wut oder Aggressionen und muten uns selber zu viel zu. In diesen Situationen steigt der Blutdruck und oft genug normalisiert er sich danach nicht mehr. Der Ausgleich fehlt, die Balance geht verloren.

Ein anhaltend hoher Blutdruck schädigt die Arterien und zwar in zweierlei Hinsicht: Zum einen entstehen Verletzungen an der Innenhaut der Gefäße, wodurch sich dort Ablagerungen (Plaques) bilden können, die den Blutfluss behindern. Daraus kann sich schließlich ein Blutgerinnsel entwickeln, das die Ader vor Ort verschließt oder fortgespült in einem kleineren Gefäß steckenbleibt. Herzinfarkt oder Schlaganfall können die Folge sein. Zum anderen verlieren die Arterien durch die hohe Spannung im Innern ihre Elastizität.

Selbst aktiv werden
Wenn der Arzt einen zu hohen Blutdruck feststellt, wird er in vielen Fällen nicht gleich Medikamente verschreiben, sondern zunächst empfehlen, selbst aktiv zu werden. Durch Änderungen im Lebensstil kann man schon eine ganze Menge erreichen. Eine der wichtigsten Maßnahmen ist der Abbau von Übergewicht. Jedes Kilo, das man verliert, senkt den Blutdruck um etwa 1,5 mmHg. Daneben sollte man mehr Bewegung ins Leben bringen und drei- bis fünfmal pro Woche für etwa 30 bis 45 Minuten Ausdauersport betreiben. Dies kann beispielsweise flottes Gehen, Walken, Radeln, Schwimmen oder Tanzen sein.

Aber auch schon weniger hilft der Aderngesundheit: Wer jeden Tag nur 20 Minuten spazieren geht, kann den Blutdruck bereits um bis zu 5 mmHg senken. Für Raucher gilt: Rauchen Sie Ihre letzte Zigarette! Der Tabakkonsum erhöht unter anderem den Blutdruck und fördert die Entstehung von Ablagerungen in den Gefäßen. Ein Rauchstopp lohnt sich daher immer.

Einer der Risikofaktoren für Bluthochdruck ist der Stress. Deshalb lautet eine wichtige Maßnahme: Immer mit der Ruhe. Entschleunigen Sie Ihren Alltag. Planen Sie genügend Zeit für Ihre Aktivitäten. Sagen Sie auch einmal „Nein“, wenn schon wieder die nächste Aufgabe ansteht, die schnell erledigt werden muss. Legen Sie regelmäßig Pausen ein und lernen Sie zu entspannen. Dabei helfen autogenes Training, Yoga oder progressive Muskelrelaxation.

Auch wenn Sie kein Übergewicht haben, lohnt ein Blick auf den Speiseplan. Gut sind viel Obst, Gemüse und Salat sowie Vollkornprodukte, fettarme Milchprodukte und möglichst zweimal die Woche Seefisch. Beim Salzen sollten Sie besonders vorsichtig sein, denn rund die Hälfte aller Hochdruckpatienten reagiert empfindlich auf Salz. Wird der Salzkonsum auf maximal 6 Gramm pro Tag reduziert, sinkt häufig auch der Blutdruck. Ein Versuch ist es auf jeden Fall wert. Wem das Essen mit wenig Salz zu fad schmeckt, sollte reichlich frische Kräuter verwenden.

Beachten Sie, dass besonders in Fertigprodukten viel Salz steckt, aber auch in rohem Schinken, Wurstwaren und in Käse. Vergessen Sie nicht, ausreichend zu trinken – am besten eineinhalb Liter kalorienarme Flüssigkeit wie Tee und Wasser. Bei allem gesunden Essen, kasteien müssen Sie sich nicht: Kaffee darf weiterhin getrunken werden (bis zu vier Tassen am Tag), auch ein Gläschen Wein ist erlaubt, genauso wie das Stückchen Schokolade.

Seit einigen Jahren ist die Aminosäure Arginin in den Fokus der Blutdruckforscher gerückt. Es handelt sich dabei um einen Eiweißbaustein, den der Körper zum großen Teil selbst herstellt. Aus Arginin entsteht im Organismus der Botenstoff Stickstoffmonoxid (NO), dem lange Zeit kaum Beachtung geschenkt wurde. Inzwischen weiß man jedoch, dass NO die Blutgefäße weitet und auf diese Weise eine Blutdrucksenkung bewirkt. 1998 gab es für diese Entdeckung sogar den Medizin-Nobelpreis. Oft reicht die eigene Arginin-Produktion allein nicht aus, um den Bedarf zu decken, was allerdings mit der richtigen Ernährung ausgeglichen werden kann.

Reich an Arginin sind zum Beispiel Nüsse und Hülsenfrüchte, ebenso Vollkornprodukte, Wildreis und rotes Fleisch. Wer unter zu hohem Blutdruck leidet, profitiert von einer regelmäßigen Arginin-Zufuhr, wie Studien ergeben haben. Professor Dr. Horst Robenek, Leiter des Leibniz-Instituts für Arterioskleroseforschung an der Uni Münster, meint dazu: „Die Daten bestätigen, dass die Einnahme von Arginin den Blutdruck nachhaltig normalisiert und die Endothelfunktion der Arterien eindeutig verbessert.“ Mit anderen Worten: Wer regelmäßig Arginin zu sich nimmt, kann seinen Bluthochdruck effektiv senken und die Wände der Arterien stärken.

Regelmäßig kontrollieren
Ärzte raten immer wieder, regelmäßig die Blutdruckwerte zu kontrollieren. Dies gilt besonders für diejenigen, die familiär vorbelastet sind. Wenn die Werte steigen, kann man dann sofort reagieren. Als optimal gelten Blutdruckwerte von unter 120 zu 80 mmHg. Der erste Wert bezeichnet den systolischen Druck (das Herz zieht sich zusammen und drückt das Blut in die Aorta), der zweite Wert gibt den diastolischen Druck an (die linke Herzkammer dehnt sich und nimmt das Blut aus dem Herzvorhof auf). Der Normbereich liegt unter 130/85. Von leichtem Bluthochdruck spricht man bei Messergebnissen bis 159/99 und schwerer Bluthochdruck beginnt bei 180/110.
Informationen: Die Deutsche Hochdruckliga hat ein Experten-Telefon für alle Bürger geschaltet: Tel. 0 62 21 / 47 48 00, Montag bis Freitag, 9.00 – 17.00 Uhr.

Blutdruckmessen – so geht es richtig
Bei der Selbstmessung des Blutdrucks werden immer noch viele Fehler gemacht.
– Die Messung soll erst nach einer Ruhezeit von rund drei Minuten erfolgen, weil jede Anstrengung den Blutdruck kurzfristig erhöht.
– Die morgendliche Messung sollte vor der Einnahme blutdrucksenkender Medikamente erfolgen.
– Die Blutdruckmanschette sollte so positioniert sein, dass sich der Messpunkt auf Herzhöhe befindet. (Bei Handgelenkmessung am besten die Finger auf das gegenüberliegende Schlüsselbein legen.)
– Der Wert wird immer am Arm mit dem höheren Blutdruck gemessen. Vorher ausprobieren