ChristlicherDigest

Liebstöckel (Levisticum officinale)

Wer die Maggi-Würze in der charakteristischen viereckigen Flasche kennt, weiß wie Liebstöckel riecht. Deshalb wird die Pflanze auch oft Maggikraut genannt, aber in Wirklichkeit gibt es keinen Zusammenhang: Die Würzsoße wird komplett ohne Liebstöckel hergestellt. Mit nur einer Liebstöckelpflanze im Garten kann man beim Kochen oft auf andere würzende Zutaten verzichten.

Immer, wenn eine Sellerienote dabei sein soll, hilft das aromastarke Kraut: Als Beigabe zum Salat oder im Kochwasser der Kartoffeln sorgen die frischen Blätter genauso wie in der Gemüse- oder Fleischbrühe für guten Geschmack. In manchen Gegenden kennt man die Pflanze daher auch unter dem Namen Suppenlob. Die ausgereiften Samen des Liebstöckels würzen Brot und Käsegebäck.

Die Heimat des Liebstöckels ist der Nahe oder Mittlere Osten. Die mehrjährige, krautige Pflanze, die mehr als 2 Meter hoch wachsen kann. hat einen kräftigen Wurzelstock. Die Stängel sind innen hohl und tragen glänzend grüne, gefiederte Blätter. Im Juli und August erscheinen die blassgelben Blüten in zusammengesetzten Dolden, die handtellergroß werden können. Früher fand man Liebstöckel in jedem Bauerngarten, doch inzwischen sieht man sie nur noch selten. Dabei muss man die Pflanze nicht auf dem Kräuterbeet verstecken.

Durch ihre imposante Größe und mit ihrem frischen Grün macht sie in der zweiten oder dritten Reihe eines Staudenbeetes als Hintergrund für andere Blütenpflanzen eine prima Figur. Achtung: Tragen Sie langärmelige Kleidung beim Hantieren mit der Pflanze. Ihre Blätter sind photosensibilisierend, d.h. nach dem Kontakt mit den Blättern ist die Haut gegenüber Sonnenstrahlen besonders empfindlich.

Bei all den Vorzügen als Küchenkraut werden die Heilkräfte des Liebstöckels oft vergessen. Dabei hat er als Heilpflanze eine lange Tradition. Schon die Mönche des Mittelalters und später Hildegard von Bingen nutzten ihn auf verschiedene Weise. Die Samen der Pflanze wurden bei Verdauungsbeschwerden und gegen Blähungen eingesetzt.

Die Bezeichnung Gebärmutterkraut weist darauf hin, dass Liebstöckel bei Menstruationsbeschwerden hilfreich war. Und wer Husten hatte, nutzte die schleimlösende Wirkung. Eine beliebte Vorgehensweise war es beispielsweise, durch einen hohlen Liebstöckelstängel erwärmte Milch oder Wasser aufzusaugen. Beim Weg durch das Saugrohr reichert sich die warme Flüssigkeit mit den ätherischen Ölen der Pflanze an.

Medizinisch anerkannt ist heutzutage die harntreibende Wirkung des Liebstöckels. Sie wird zur Durchspülungstherapie bei Harnwegsinfekten und vorbeugend bei Veranlagung zu Nierensteinen genutzt. Als Droge wird hierbei der fleischige Wurzelstock der Pflanze eingesetzt, der besonders viel vom ätherischen Öl mit seinen entsprechenden Wirkstoffen enthält. Im Herbst sammelt man die Wurzel, die man anschließend zerkleinert und trocknet.

Bei der Teezubereitung nimmt man davon einen gehäuften TL, gießt mit kochendem Wasser auf und lässt den Sud 10 bis 15 Minuten lang ziehen, danach abseihen. Zur Durchspülung der Harnwege sollte man drei Mal täglich eine Tasse des Tees trinken und außerdem noch insgesamt rund 2 Liter weitere Flüssigkeit. Den gleichen Tee kann man bei Magenbeschwerden eine halbe Stunde vor der Mahlzeit zu sich nehmen.