ChristlicherDigest

Weißdorn (Crataegus)

Der Weißdorn ist ein typisches Gewächs der Nordhalbkugel unserer Erde. Besonders viele seiner Art findet man im Nordosten Amerikas. Als Strauch oder kleiner Baum ist er an Waldrändern, in Hecken und Gebüschen, aber auch in Gärten und Parks zu finden. Er mag Sonne oder Halbschatten und wird unter günstigen Bedingungen bis zu 500 Jahre alt. Seine Blätter sind glänzend, mehrfach gelappt und erinnern ein wenig an Eichenblätter, nur kleiner. An den Ästen sitzen etwa ein Zentimeter lange Dornen. Im Mai zeigt der Weißdorn kleine weiße Blüten, aus denen sich im Spätsommer rote Früchtchen entwickeln. Diese so genannten Apfelfrüchte sind essbar, allerdings auch sehr mehlig. Kulinarisch geben sie wenig her, man kann sie aber im Gemisch mit anderen Wildbeeren (Holunder, Brombeeren etc.) zu Marmelade verkochen.

Der Weißdorn wird schon seit langem in der Volksheilkunde gegen Durchfall oder bei Nierenleiden genutzt, so etwa von den Indianern Nordamerikas oder in der Traditionellen Chinesischen Medizin. Seinen Durchbruch erlebte er aber erst im 19. Jahrhundert, als ein irischer Arzt die Wirkung des Weißdorns als Herzmittel erkannte. Von weit her kamen die Patienten, die an „schwachem Herzen“ litten, zu ihm und ließen sich mit der Weißdorn-Medizin behandeln. Inzwischen gibt es zahlreiche klinische Studien, die die Wirksamkeit von Weißdorn-Extrakten belegen.

Weißdorn steigert die Kontraktionsfähigkeit des Herzens und erweitert die Herzkranzgefäße, wodurch es zu einer besseren Sauerstoffversorgung des Herzmuskels kommt. Er senkt den Blutdruck und stabilisiert den Kreislauf. Besonders bei älteren Menschen, deren Herz bei körperlicher Belastung leicht schlapp macht, hilft Weißdorn, indem es die Herzleistung sanft steigert. Vergleichbare Wirkungen haben Herzmedikamente mit Digitalis oder auch die so genannten ACE-Hemmer, aber der Wirkmechanismus des Weißdorns ist ein anderer. Hinzu kommt, dass die Weißdornpräparate gut verträglich sind. Allerdings tritt die Besserung erst nach einer gewissen Zeit ein: Man muss das Mittel mindestens sechs Wochen lang einnehmen, bevor man einen Erfolg spürt. Obwohl die Weißdornpräparate frei verkäuflich sind, sollte man bei Herzproblemen immer zuerst seinen Arzt konsultieren. Bei stärkeren Beschwerden müssen andere Medikamente eingesetzt werden.

Wer im Alter vorbeugend etwas für sein Herz tun will oder wer nur leichte Herzprobleme hat, für den ist Weißdorn hilfreich. Verantwortlich für die Wirkung sind Flavonoide, Procyanidine und bestimmte Gerbstoffe der Pflanze. Wichtig scheint die Gesamtheit der Inhaltsstoffe zu sein, keine einzelnen isolierten Bestandteile. Man verwendet die Zweigspitzen mit Blättern und Blüten. Zerkleinert und getrocknet werden daraus Fertigpräparate oder Tees hergestellt. Auch in der Homöopathie wird der Weißdorn genutzt. Seine Anwendungsgebiete sind die gleichen wie in der Heilpflanzenkunde.