ChristlicherDigest

Wechseljahre – Turbulenzen im Leben einer Frau


von Anette Brecht-Fischer

Im Alter zwischen 45 und 55 Jahren geht es rund im weiblichen Körper: Die Wechseljahre beenden die Zeit der Fortpflanzung und leiten den dritten Lebensabschnitt, das Alter, ein. Die Veränderungen sind individuell verschieden und mehr oder weniger stark spürbar.

Der Übergang vom Mädchen zur Frau wird durch die Pubertät bestimmt. Die Hormone spielen verrückt und Stimmungsschwankungen sind an der Tagesordnung. Der Zustand dauert einige Jahre, dann beruhigt sich alles wieder, der Übergang ist vorbei. Diesen ersten Wechseljahren folgt einige Jahrzehnte später eine erneute Zeit der Veränderung. Die Hormone sind wieder durcheinander, Stimmungen wechseln schneller als das Wetter und wiederum vergehen einige Jahre, bis alles vorüber ist. Danach kommen, statistisch gesehen, noch 30 Jahre Lebenszeit auf die Frauen zu.

Mit den (zweiten) Wechseljahren, die auch Klimakterium genannt werden, endet für die Frau die Zeit der Fruchtbarkeit. Die Produktion der weiblichen Hormone Östrogen und Progesteron wird zurückgefahren, womit verschiedene körperliche Auswirkungen verbunden sind. Der Menstruationszyklus schwankt, er kann öfter oder seltener auftreten, kürzere oder längere Perioden umfassen, bis er schließlich ganz ausbleibt. Viele Frauen klagen über Hitzewallungen und Schweißausbrüche, oft auch in der Nacht, was Schlafstörungen zur Folge haben kann. Die Haut, besonders die der Schleimhäute wird trockener, wodurch Schmerzen beim Geschlechtsverkehr vorkommen können. Neben diesen körperlichen Beschwerden können auch psychische Probleme auftauchen, die ebenfalls mit dem Achterbahn-fahrenden Hormonspiegel zusammenhängen: Nervosität und Angespanntheit, Müdigkeit und Antriebsschwäche bis hin zur Depression werden beobachtet.

Wichtig bei der Aufzählung dieser Symptome ist die Tatsache, dass sie auftreten können oder aber auch nicht. Die Bandbreite der Probleme, die im Zusammenhang mit dem Klimakterium auftauchen, ist von Frau zu Frau verschieden und wird auch völlig unterschiedlich bewertet. Die eine kann mit gelegentlichen Hitzewallungen gut leben, die andere hat das Gefühl, viermal am Tag unter die Dusche zu müssen, und schläft keine Nacht mehr durch. Die biologischen Vorgänge, die dahinter stehen, sind völlig natürlich und keineswegs krankhaft. Sie markieren eine Zeit, in der die Körperchemie sich auf dem Weg zum alternden Organismus hin verändert.

Östrogene wirken nämlich auf viele Bereiche des Körpers, das fängt mit den Haaren an und hört mit der Verdauung noch lange nicht auf. Wenn die Bildung einer so wichtigen Substanz immer mehr zurückgeht, macht sich das bemerkbar. Das Bindegewebe z.B. wird weniger elastisch, erste Falten werden sichtbar. Der Grundumsatz beim Energieverbrauch geht zurück, so dass weniger Kalorien am Tag benötigt werden. Wer mit dem Essen nicht haushält, legt nun an Gewicht zu. Die Knochen verlieren langsam Kalk und werden brüchiger, was zu Osteoporose führen kann. Die Umstellungen sollten jedoch nicht nur negativ gesehen werden. So hat beispielsweise die Senkung des Östrogenspiegels auch positive Aspekte: Würde im älteren Körper weiterhin so viel Östrogen zur Verfügung stehen wie vorher, käme es infolge veränderter chemischer Abläufe zu verengten Blutgefäßen und zu einem Blutdruckanstieg.

Behandlung – ja oder nein?
Die Wechseljahre stellen keine Erkrankung dar und müssen deshalb auch nicht behandelt werden. Wer so rigoros denkt, verkennt die Wirklichkeit. Allerdings ist es genauso falsch, jede Frau im Klimakterium als behandlungsbedürftig einzustufen. In Deutschland geht etwa ein Drittel der betroffenen Frauen wegen Wechseljahrbeschwerden zum Arzt. Einzig und allein der subjektive Leidensdruck sollte ausschlaggebend dafür sein, ob und welche Maßnahmen ergriffen werden. Die lange Zeit boomende Hormon-Ersatz-Therapie ist vor einigen Jahren in Verruf gekommen, da in groß angelegten Studien schwerwiegende Nebenwirkungen wie Thrombose und Brustkrebs auftraten. Heute sehen das viele Frauenärzte differenzierter und plädieren für eine wohlüberlegte Abwägung aller Vor- und Nachteile. Wichtig ist, dass die Patientin sich gut informiert und eine bewusste Entscheidung trifft.

Viele Frauen setzen auf pflanzliche Mittel, die Traubensilberkerze, Soja, Mönchspfeffer oder sibirischen Rhabarber enthalten. Sie sollen die körperlichen Beschwerden wie Hitzewallungen und Co. lindern. Ihre Wirkung ist nicht eindeutig bewiesen oder zumindest umstritten. Viele Frauen berichten aber von positiven Erfahrungen. Johanniskraut wird häufig genommen, wenn psychische Probleme auftreten. Obwohl stimmungsaufhellende Johanniskrautpräparate frei verkäuflich sind, sollte man die Einnahme mit dem Arzt besprechen, denn die Wirkung anderer Medikamente kann davon beeinträchtigt werden. Sport und verschiedene Entspannungstechniken wie z.B. Yoga oder progressive Muskelentspannung nach Jacobson sind weitere wichtige Maßnahmen, die Frauen in der wechselhaften Zeit helfen. Ausdauersport und Kraftübungen machen es leichter, das Körpergewicht zu halten und beugen auch – im Zusammenhang mit kalziumreicher Ernährung – einer Osteoporose vor.

Wie die Wechseljahre erlebt werden, hat auch viel mit der inneren Einstellung zu tun. Wer sie nur als eine Zeit des Mangels und des Verlustes sieht, hat vermutlich mehr Probleme als andere. In manchen Kulturen wie z.B. in Asien, in denen das Alter eine höhere Wertschätzung genießt, ist das Klimakterium der Frau kein Thema. Es soll angeblich noch nicht einmal ein Wort dafür geben. Wie der Wechsel positiv gesehen werden kann, dazu liefert die Psychologin und Autorin Julia Onken Anstöße: Die Schlaflosigkeit kann genutzt werden, sich intensiv über anstehende Veränderungen Gedanken zu machen. Der im Vergleich zu früher nun höhere Anteil an männlichen Hormonen kann zu einem fordernden, aggressiveren und aktiveren Auftreten führen. Die Zunahme der Körperfülle ist ein Zeichen dafür, in Zukunft mehr Platz im Leben zu beanspruchen.

So entsteht eine Hitzewallung
Ein spezielles Wärmezentrum im Gehirn hält die Körpertemperatur konstant. Für seine einwandfreie Funktion ist Östrogen zuständig. Fällt der Östrogenspiegel plötzlich ab, wie es beim Klimakterium vorkommen kann, geht das Wärmezentrum fälschlicherweise davon aus, der Körper sei zu warm. Also muss die Körpertemperatur dringend durch Schwitzen abgesenkt werden. Über Nervenleitungen geht der Befehl an die Blutgefäße in der Haut, sich weit zu stellen. Mehr Blut als vorher fließt durch die oberflächlichen Gefäße, Wärme wird nach außen abgegeben, Schweiß bildet sich und die Haut errötet.