ChristlicherDigest

Berberitze (Berberis vulgaris)

Jeder kennt sie, die unscheinbare Pflanze mit den kleinen, roten Beeren im Herbst und den spitzen Dornen. Die Berberitze steht in vielen Gärten und Parks, wird oft als Heckenpflanze eingesetzt oder ist an Waldrändern zu finden. Der Strauch kann bis zu drei Metern hoch werden, seine Blätter sind klein und oval. Im Frühsommer zieren ihn gelbe Blüten, die in hängenden Trauben an den Zweigen sitzen. Im Herbst entwickeln sich daraus leicht längliche, manchmal walzenförmige Beeren, die mehr oder weniger kräftig rot gefärbt sind. Diese Beeren sind sehr sauer, aber durchaus genießbar.

Den sauren Beeren verdankt die Berberitze auch ihre volkstümlichen Namen: Sauerdorn, Essigbeere oder Essigdorn. Berberitzen wachsen in ganz Europa, Vorderasien und Nordamerika. Ursprünglich kommt die Pflanze aber wohl aus Nordafrika. Die Römer gaben ihr den Namen nach den dort lebenden Berberstämmen. In Europa wurde die Berberitze in der Vergangenheit stellenweise ganz ausgerottet, da sie eine Pilzkrankheit des Getreides begünstigt. Auf ihr überwintert der Pilz, bevor er im Frühjahr die Getreidepflanzen befällt – kein Wunder, dass die Landwirte keine Berberitzen im Umkreis ihrer Felder duldeten. Die Rinde der Pflanze ist auf ihrer Innenseite gelb, weshalb man sie früher zum Färben von Textilien und Leder verwendete.

Die Berberitze ist gleichzeitig eine Heil- und eine Giftpflanze. Wie so oft, entscheidet auch hier die Dosis über die Wirkung. In den reifen Früchten befinden sich jedoch keine Giftstoffe. Die roten Beeren können ohne Sorge geerntet werden und roh gegessen oder zu Saft, Mus und Marmelade verarbeitet werden. 6 Prozent Äpfelsäure machen sie ordentlich sauer, allerdings enthalten sie auch jede Menge Vitamine und Mineralstoffe, die gut für die Gesundheit sind. Sie wirken antibakteriell, schleimlösend bei Erkältungen und kräftigen das Immunsystem nach Infektionen. Die Beeren lassen sich trocknen, sind dann immer noch ähnlich wie Rosinen weich und peppen jedes Müsli auf. Im Orient werden sie auch gern zum Kochen verwendet, so z.B. in Reisgerichten.

Als giftig gelten die übrigen Teile der Pflanze, also Wurzelstock, Rinde und Blätter. Sie enthalten u.a. die Alkaloide Berberin und Berbamin. In geringen Dosen werden sie schon lange in der Pflanzenheilkunde genutzt, in erster Linie bei Leber- und Gallenbeschwerden sowie bei Verdauungsstörungen. Berberitzenwurzelrinde ist zusammen mit anderen Pflanzen zum Beispiel in Leber/Gallen-Tees enthalten. Heute weiß man, dass Berberin die Gallentätigkeit anregt und die Blutgefäße erweitert, somit also blutdrucksenkend wirkt. In der Homöopathie wird Berberitze beispielsweise bei Rheuma, Hautausschlägen und Warzen verwendet. „Allein die Dosis macht das Gift“, schrieb der Heilkundler Paracelsus: Schon bei einer Menge von 4 Gramm Wurzelrinde können leichte Vergiftungserscheinungen wie Nasenbluten, Benommenheit und Atembeschwerden auftreten. Schwangere und stillende Mütter sollten Berberitze nicht verwenden.