ChristlicherDigest

Gelber Enzian (Gentiana lutea)

Wer denkt bei dem Wort Enzian nicht gleich an die kleine Blume, die so wunderschön blau auf Bergwiesen blüht? Doch für Heilkundler und Pharmazeuten ist der Gelbe Enzian sehr viel interessanter. Er gehört zur großen Familie der Enziangewächse, hat aber sonst mit dem blaublühenden Winzling kaum etwas gemeinsam. Allerdings kommt der Gelbe Enzian ebenfalls im Gebirge auf kalkhaltigen Böden bis zu einer Höhe von 2500 Metern vor. Man findet ihn beispielsweise im Schwarzwald auf dem Feldberg, sonst im gesamten Alpengebiet oder in anderen Gebirgen Südeuropas. Da er immer seltener wird, steht er unter Naturschutz.

Der Gelbe Enzian ist eine Staude, die 50 oder 60 Jahre alt werden kann. Sie wächst bis zu einer Größe von 1,5 Meter heran. Aus einer Blattrosette am Boden erhebt sich der Stängel mit ellipsenförmigen Blättern, die ausgeprägte Längsnerven aufweisen. In den oberen Blattachsen erscheinen im Sommer hellgelbe, einfach gebaute Blüten. Die Pflanze wächst sehr langsam, erst nach rund 10 Jahren blüht sie zum ersten Mal. Der Enzian hat eine starke Wurzel, die bis zu einem Meter lang werden kann und die drei bis fünf Zentimeter dick ist. Sie wiegt bis zu sieben Kilo!

Diese Wurzel ist es auch, die für die verschiedenen Zubereitungen verwendet wird. Sie enthält einerseits relativ viel Zucker, so dass man sie vergären und anschließend einen Schnaps daraus brennen kann, und andererseits sehr starke Bitterstoffe, die bei Verdauungsbeschwerden eingesetzt werden. Jährlich werden etwa 6000 Tonnen frische Wurzeln benötigt, die zum großen Teil aus Albanien kommen. Da jedoch auch dort die Wildsammlung inzwischen verboten wurde, gibt es seit einigen Jahren Versuche, den Gelben Enzian gezielt anzubauen.

Schon seit Jahrhunderten wird die Enzianwurzel in der Heilkunde eingesetzt. Im Mittelalter galt sie als Universalheilmittel und wurde sogar gegen die Pest empfohlen. Bergbauern in den Alpenregionen legten sich Stücke der Enzianwurzel in die Schuhe, um schwitzende Füße zu verhindern und um die Füße allgemein zu stärken. Heutzutage hilft die Enzianwurzel der Verdauung auf die Sprünge. Der in ihr enthaltene Bitterstoff Amarogentin ist der bitterste bekannte Naturstoff. Die Wurzel wird getrocknet, zerkleinert und als Teedroge – u.U. mit anderen Pflanzen im Gemisch – mit siedendem Wasser übergossen. Durch den bitteren Geschmack auf der Zunge wird die Speichel- und Magensaftproduktion angeregt, auch Gallensäfte werden verstärkt gebildet.

Beschwerden wie Völlegefühl und Blähungen verschwinden. Darüber hinaus wirkt der Gelbe Enzian appetitanregend; dann sollte der Tee ungefähr 30 Minuten vor der Mahlzeit getrunken werden. In Laborversuchen haben sich auch günstige Auswirkungen des Enzians bei festsitzendem Schleim in den Atemwegen gezeigt. Er wird deshalb in Kombination mit anderen Heilpflanzen bei Nasennebenhöhlenentzündungen eingesetzt.