ChristlicherDigest

Aktiv gegen Rückenschmerzen


von Annette Brecht-Fischer

Fast jeder Erwachsene hatte schon einmal Rückenschmerzen. In vielen Fällen ist unser Alltag dafür verantwortlich, dass es unserem Rücken nicht gut geht. Mit ein wenig Bewusstsein für die Schwachstellen kann man Rückenbeschwerden vorbeugen oder Schmerzen lindern.

Erstaunlicherweise leiden mehr jüngere Menschen unter Rückenproblemen als ältere. Obwohl die Beschwerden für die Betroffenen sehr unangenehm und schmerzhaft sind, handelt es sich medizinisch gesehen meistens um harmlose Fälle, d.h. es steckt keine ernsthafte Erkrankung dahinter. Dies trifft auf mehr als 90 Prozent aller Betroffenen zu. Nur ungefähr fünf Prozent aller Rückenschmerzen sind auf Nervenstörungen zurückzuführen. Dies kann beispielsweise ein eingeklemmter Nerv sein oder eine Nervenentzündung. Manchmal ist auch die Stelle verengt, wo der Nerv an der Wirbelsäule austritt, was ebenfalls heftige Schmerzen verursacht.

Bei der großen Mehrheit der Rückenschmerzgeplagten sind jedoch unbewusste Muskelverspannungen bei ansonsten nicht ausreichend trainierten Rückenmuskeln schuld an dem Dilemma. Wenn die verschiedenen Muskelgruppen im Rücken ungleichmäßig beansprucht werden – so zum Beispiel durch einseitige Belastungen und Fehlhaltungen – kann dies zu schmerzhaften Muskelverspannungen führen. „Die Muskeln können sich verkürzen oder verhärten“, erklärt Martin Buchholz, Orthopäde aus Hamburg. Auch Stresssituationen führen vielfach zu unbewussten Muskelanspannungen, die sich anschließend schmerzhaft bemerkbar machen. Regelmäßige Entspannungsübungen helfen, die Anspannung zu lösen und die Muskeln zu lockern. Tipp: Ein warmes Vollbad wirkt wunderbar entspannend auf Körper und Geist.

Viele Betroffene versuchen instinktiv, Schmerzen in einem bestimmten Bereich des Rückens durch eine Schonhaltung zu lindern, doch dadurch geraten sie in einen Teufelskreis: Die Schonhaltung überlastet andere Muskelgruppen, so dass schließlich der ganze Rücken schmerzt. Orthopäden raten dazu, die akuten Schmerzen mit Schmerzmitteln zu bekämpfen. Auch Wärmeanwendungen, z.B. mit einem Wärmepflaster, sind hilfreich, ebenso Massagen. Als wohltuend wird oft die so genannte Stufenlagerung empfunden, die immer mal wieder eingenommen werden kann: Dabei liegen Kopf und Rumpf flach auf dem Boden und die Beine angewinkelt auf einem Stuhl oder Hocker. Falsch ist es jedoch, sich ins Bett zu legen und jede Bewegung zu vermeiden. Im Gegenteil: Täglich ein kurzer Spaziergang von rund 15 Minuten oder leichtes Training auf dem Fahrradergometer beschleunigen die Heilungsphase.

Rückengerecht leben

Der moderne Mensch sitzt zu viel und bewegt sich zu wenig. Dies gilt nicht nur für Erwachsene, sondern in immer stärkerem Maße auch für Kinder. Dadurch verkümmert die Rückenmuskulatur und auch die Bauchmuskeln werden schwächer. Die Wirbelsäule muss deshalb mehr Druck und Belastungen auffangen, als ihr eigentlich zugedacht ist. Das harmonische Zusammenspiel von Knochen, Muskeln und Nerven wird gestört, was sich schließlich in Rückenschmerzen äußert. Es ist daher entscheidend, wieder mehr Bewegung und Sport in den Alltag zu bringen, um rundherum alle Muskeln des Rumpfs zu stärken. Speziell die Bauchmuskulatur ist wichtig für eine aufrechte Haltung, die die Wirbelsäule entlastet. Dies ist auch der Grund, weshalb in den Kursen der Rückengymnastik immer wieder Bauchmuskelübungen auftauchen.

Wer wiederholt unter Rückenschmerzen leidet, sollte darüber hinaus sein Leben mit rückenschonenden Produkten ausstatten. Ist beispielsweise das Saugrohr des Staubsaugers lang genug, so dass Sie eine gerade Haltung beim Saugen einnehmen können? Lassen sich Ihr Bürostuhl und Ihr Computerbildschirm auf die für Sie optimale Höhe einstellen, damit die Nackenmuskulatur beim Arbeiten nicht verspannt? Sind Küchenmöbel oder Labortische hoch genug? Auf dem Gebiet der ergonomisch vorbildlich gestalteten Produkte hat sich in den letzten Jahren viel getan, dennoch haben sich die Erkenntnisse längst noch nicht überall durchgesetzt. So ist es etwa unter Experten unbestritten, dass Kopfkissen nur noch eine Größe von etwa 40 x 80 Zentimetern haben sollten und lediglich Kopf und Nacken darauf ruhen sollten. Doch in vielen Betten liegen noch immer die viel zu großen Kopfkissen. Matratzen sollten eher hart sein und den Körper nicht durchhängen lassen. Dennoch muss eine Druckentlastung im Bereich der Schultern, der Hüften und der Fersen gewährleistet sein. Sitzmöbel dürfen nicht zu weich sein und sollten dem Rücken eine aufrechte Haltung ermöglichen. Viele weitere Tipps und Informationen über rückengerechte Produkte findet man auf der Internetseite der Aktion Gesunder Rücken e.V. (www.agr-ev.de). Hier erfährt man, worauf man beispielsweise beim Kauf von Bettsystemen achten sollte, welche Eigenschaften rückenschonende Fahrräder haben sollten oder wie ein optimaler Schulranzen aussieht. Eine unabhängige Prüfkommission des AGR vergibt regelmäßig Gütesiegel für rückengerechte Produkte, was die Kaufentscheidung leichter machen kann.

Wissenswertes zum Rücken

– Langes Sitzen strapaziert die Wirbelsäule. Im Vergleich zum aufrechten Stehen erhöht sich der Druck auf eine Bandscheibe der Lendenwirbelsäule beim
geraden Sitzen um 40 Prozent, beim Sitzen mit gekrümmtem Rücken um 90 Prozent.

– Die Länge der Wirbelsäule variiert zwischen Tag und Nacht. Durch die Schwerkraft entsteht tagsüber ein Druck auf die Bandscheiben, die dadurch
zusammengedrückt werden. Nachts erholen sich die Bandscheiben in horizontaler Ruhelage. Der Unterschied kann zwei Zentimeter betragen.

– Im Laufe des Lebens wird man kleiner. Die Länge der Wirbelsäule schrumpft beim Mann um durchschnittlich drei Zentimeter und bei der Frau um rund sechs
Zentimeter.