ChristlicherDigest

Kuren in Deutschland


von Anette Brecht-Fischer

Wer eine Kur macht, der kümmert sich um seine Gesundheit. Der Kuraufenthalt dient entweder der Vorsorge oder der Nachsorge. Mit mehr als 350 Heilbädern und Kurorten in reizvollen Landschaften bietet Deutschland die ganze Palette der klassischen Heilverfahren.

Ein Kuraufenthalt ist nur etwas für Leute über 50? Wer so denkt, liegt falsch. Auch jüngere Menschen, die oft im Berufsalltag stark eingespannt sind, nutzen ihren Urlaub oder einen Teil davon, um die eigene Gesundheit zu stärken. Ob sie das dann „Kur“ nennen oder „Wohlfühlaufenthalt“ dazu sagen, ist zweitrangig. So hat der Deutsche Heilbäderverband derzeit eine Kampagne laufen, die der Kur ein wenig von ihrem altbackenen Erscheinungsbild nehmen soll. Viele Heilbäder haben in der Vergangenheit ihre Kureinrichtungen renoviert, ihre Konzepte überdacht und inzwischen auch Freizeitaktivitäten im Angebot, die weit über das Kurkonzert im Kurpark hinausgehen. Für die Gäste sind in erster Linie die Heilverfahren wichtig, aber darüber hinaus schätzen sie die attraktive Landschaft, in der die Kurorte liegen, und nicht zuletzt deren Ruhe.

Vielfalt der Mittel
Die verschiedenen klassischen Heilverfahren tragen dazu bei, im ganzheitlichen Sinn die Gesundheit zu fördern und Widerstandskräfte zu stärken. Sie können entweder präventiv eingesetzt werden, wenn beispielsweise Rückenschmerzen immer häufiger auftreten respektive wenn sich Stress bemerkbar macht, oder zur Rehabilitation nach Krankheiten und Operationen. Wer bei der Vielfalt der Möglichkeiten den Überblick verliert, sollte am besten seinen Arzt fragen, welche Kur geeignet ist.
Zur physikalischen Therapie, einem Unterbereich der Physiotherapie, zählen die Anwendungen von Wärme, Infrarot- und UV-Licht, Gleichstrom, aber auch Wasserbehandlungen und Massagen. Sie wird meist zur Rehabilitation eingesetzt, seltener zur Vorsorge. Die Physiotherapie lindert viele Beschwerden, die z.B. durch Überbelastung entstanden sind oder infolge von Rheuma-Erkrankungen auftreten.

Einen großen Teil vom „Gesamtkuchen“ der Heilverfahren nehmen Anwendungen mit Wasser, Luft und Erde ein. Dazu gehören beispielsweise Sole-Badekuren, bei denen die heilsamen Kräfte der im Wasser gelösten Mineralien genutzt werden. Der Körper wird im Wasser stark entlastet, wodurch die Bewegung lädierter Gelenke erleichtert wird. Trink-Kuren heilen von innen, lindern z.B. Beschwerden im Verdauungstrakt. Thalasso-Kuren nutzen die Heilkraft des Meerwassers und der frischen, pollenreinen Seeluft. Moorheilbäder setzen auf die wohltuende Wirkung des warmen, schwarzen Schlamms, der die Durchblutung fördert, den Stoffwechsel aktiviert und herrlich entspannt. In heilklimatischen Kurorten am Meer, im Hoch- oder im Mittelgebirge herrscht ein mehr oder weniger starkes Reizklima, das positive Wirkungen bei Prävention und Rehabilitation ausübt. Wind, Sonne und saubere Luft sind die Hauptakteure dieser Kurform. Für Asthmatiker, Haut- und Rheumakranke bietet sich die gleichbleibend kühle, reine Luft untertage bei der Höhlentherapie an. Die Liegekuren in den Heilstollen führen zur Linderung ihrer Beschwerden. Zu guter Letzt sei noch die Radon-Therapie erwähnt, die mit dem Edelgas Radon schmerzstillende und entzündungshemmende Wirkungen bei Problemen mit den Atemwegen oder bei Rheuma erzielen kann.

Neben diesen klassischen Heilverfahren gibt es auch Kurorte, die sich ganz bestimmten Naturheilverfahren verschrieben haben, so der Kneipp-Kur, der Felke-Kur und der Schroth-Kur. Neben Wasseranwendungen und Bewegungsprogrammen steht hier auch die bewusste Ernährung im Mittelpunkt. Allein 62 anerkannte Kneippkurorte und Kneippheilbäder gibt es in Deutschland. Die Felke-Kur beinhaltet u.a. sanftes Heilfasten und Lehmpackungen, die Schadstoffe abführen und den Stoffwechsel ankurbeln sollen. Bei der Schrothkur steht das Heilfasten im Vordergrund, mit dem die Selbstheilungskräfte des Körpers gestärkt werden sollen. Obwohl hierbei die Pfunde purzeln, gilt sie nicht als Diätmaßnahme, sondern stellt ein zeitlich begrenztes Fasten mit therapeutischer Wirkung dar.

Wege zur Kur
Eine Kur kann zu verschiedenen äußeren Rahmenbedingungen ablaufen. Wer Aufenthalt und Kurmaßnahmen selber zahlt, ist natürlich an keine Kurform gebunden. Wer dagegen bei seiner Krankenkasse einen Zuschuss beantragen möchte, sollte mit seinem Arzt die optimale Kurform besprechen und sich diese dann verschreiben lassen. Es gibt zum einen Vorsorge-Kuren, die bei angegriffener Gesundheit dazu dienen, den Organismus wieder zu stärken und Krankheiten zu verhindern. Zum anderen sollen die Rehabilitations-Kuren dazu beitragen, dass kranke oder krank gewesene Menschen wieder ganz gesund werden. Beide Kurformen können ambulant oder stationär durchgeführt werden. Bei einer ambulanten Kur wohnt der Gast am Kurort im Hotel und kümmert sich selbst um die Organisation der Behandlungen, zu denen er sich in die Kureinrichtungen begibt, und um alle weiteren Dinge. Bei einer stationären Kur ist der Patient in einer Klinik untergebracht, die alle Kuranwendungen für ihn plant und koordiniert, die für die Verpflegung sorgt und ihn rundum betreut.
Ist die Kurform geklärt, muss bei der Krankenkasse ein Antrag gestellt werden. Damit dieser Aussicht auf Erfolg hat, müssen im Vorfeld alle Behandlungsmöglichkeiten zuhause wie z.B. Packungen und Massagen ausgenutzt worden sein. Der Kurantrag wird dann von einer unabhängigen Stelle wie dem medizinischen Dienst oder dem Amtsarzt geprüft. Wird der Antrag bewilligt, übernimmt die Krankenkasse die Behandlungskosten sowie gegebenenfalls die Aufenthaltskosten. Immer muss ein Eigenenteil von 10 Euro pro Tag zugezahlt werden.

Was ist eigentlich ….

– eine Kompaktkur? Darunter versteht man eine ambulante Vorsorgekur in einer Vertragseinrichtung Ihrer Krankenkasse. Diese übernimmt die Kosten für Arzt und Kurmittel. Die Kompaktkur wird nur zu bestimmten Terminen angeboten.
– eine Anschlussheilbehandlung? Sie wird im Anschluss an einen Krankenhausaufenthalt durchgeführt und kann ambulant oder stationär sein. Beantragt wird sie vom Krankenhaus (behandelnder Arzt oder Sozialdienst).