ChristlicherDigest

Gemeine Rosskastanie (Aesculus hippocastanum)


Die Gemeine Rosskastanie ist überall in Europa verbreitet, allerdings noch nicht sehr lange. Erst vor rund 450 Jahren brachten die Osmanen die Samen auf ihren Feldzügen mit. Die Kastaniensamen dienten als Futter und als Arzneimittel für ihre Pferde. Daher leitet sich auch der Name des Baums ab. Er ist als Abgrenzung zur Edelkastanie zu verstehen, die für den Menschen essbare Samen hervorbringt und die mit der Rosskastanie nicht näher verwandt ist. Die Gemeine Rosskastanie kann bis zu 30 Meter hoch werden und bildet eine große Krone aus. Da sie ein Flachwurzler ist, wurde sie früher gern über unterirdischen Bierkellern angepflanzt. Ihre Schatten spendende Krone trug zur Kühlung der gelagerten Bierfässer bei. Dies ist der Grund, weshalb die Kastanie auch heute noch in jedem zünftigen Biergarten anzutreffen ist.

Die großen weißen Blütenstände des Baums entwickeln sich im April und Mai und sind dann eine bevorzugte Bienenweide. Aus den bestäubten Blüten bilden sich die stacheligen Früchte, die im Herbst zu Boden fallen, dabei aufplatzen und die glatten, braunen Samen, die Kastanien, freigeben. Sie werden gern von Kindern gesammelt und sind als Bastelmaterial für Ketten und allerlei Figuren beliebt. Vielen Tieren dienen die Samen im Winter als Futter. Doch auch so mancher Erwachsene trägt eine Kastanie in der Hosentasche mit sich, denn sie soll – dem Volksglauben nach – vor Gicht schützen.

Das Holz der Rosskastanie wird in der Möbelindustrie als Furnierholz verwendet, alle anderen Baumteile wie Borke, Blätter, Blüten und Samen sind für die pharmazeutische Industrie interessant, denn sie gewinnt daraus Wirkstoffe für verschiedene Präparate. Wegen ihrer Bedeutung als Heilpflanze wurde die Rosskastanie vom Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde der Universität Würzburg im Jahr 2008 sogar zur Arzneipflanze des Jahres gekürt. Die Pharmazeuten extrahieren aus den Pflanzenbestandteilen in erster Linie den Wirkstoff Aescin, der eine gefäßverstärkende Wirkung aufweist.

Er hilft bei chronischer Veneninsuffizienz, wenn Schmerzen in den Beinen auftreten gepaart mit Schweregefühl, Brennen und Juckreiz. Seine Wirkungsweise ist vielfach untersucht worden: Aescin dichtet die geschädigten Gefäßwände ab und macht sie weniger durchlässig. Dadurch sickert nicht so viel Flüssigkeit in das umliegende Gewebe, d.h. die Wassereinlagerungen in den Beinen werden verringert. Das ganze Venensystem erhält mehr Spannkraft. Zusammen mit anderen Inhaltsstoffen wirkt der Kastanienextrakt außerdem entzündungshemmend. Die Anwendung kann sowohl innerlich wie auch äußerlich erfolgen. Die Rinde des Baums enthält viele Gerbstoffe, die bei Durchfall und Hämorrhoiden helfen sollen. In der Naturheilkunde werden die Blätter der Rosskastanie darüber hinaus als Hustentee eingesetzt.