ChristlicherDigest

Prima Klima: Urlaub am Meer


Von Anette Brecht-Fischer

Endlich ist er da, der lang ersehnte Urlaub. Mit der ganzen Familie geht es ans Meer. Die Kleinsten wollen im Sand spielen und Muscheln suchen, die Größeren schwimmen und schnorcheln, im Liegestuhl faulenzen, endlich das neue Buch lesen und – nicht zuletzt – Sonne tanken und braun werden. Wie geht es dabei unserer Gesundheit?

Das gleichmäßige Rauschen der Meeresbrandung, der weite Blick bis zum Horizont, das ganz besondere Licht, der warme Sand an den Füßen, das Wasser, das jederzeit zum Plantschen und zum Schwimmen einlädt, – es gibt viele Gründe für einen Urlaub am Meer. Für manche spielt bei der Entscheidung, wo es in den Ferien hingehen soll, noch etwas anderes eine Rolle: Wind, Sonne, saubere Luft und Salzwasser sind nämlich Bestandteile der so genannten Klimatherapie. Ganz nebenbei kann man so im Urlaub seine Gesundheit unterstützen, ohne einen Cent mehr ausgeben zu müssen.

Kühle Luft und stärkerer Wind, wie sie auch im Sommer an der Nord- und Ostseeküste vorkommen können, sind kein Grund zum Klagen. Im Gegenteil: Mit winddichter Kleidung ausgestattet, wird für Groß und Klein aus einem simplen Spaziergang am Meer eine Wohltat für den ganzen Organismus. In der Brandungszone werden Wassertröpfchen in die Luft geschleudert, die als Aerosole eingeatmet werden. Aus jedem Atemzug wird so eine Inhalation für die Bronchien. Die hohe Luftfeuchtigkeit und der Salzgehalt in der Luft haben eine schleimlösende Wirkung auf die Atemwege. Da der Wind – zumindest an der Nordsee – meist von Seeseite kommt, ist die Luft besonders rein und führt kaum Pollen mit sich, was für Blütenpollenallergiker eine echte Wohltat ist. Darüber hinaus kann die Sonneneinstrahlung am Meer positive Wirkungen haben, denn so wird vermehrt Vitamin D in der Haut gebildet, welches für den Knochenaufbau wichtig ist. Dies betrifft nicht nur Kinder und Jugendliche, sondern ebenso Erwachsene, da die Knochen während des gesamten Lebens ständig ab- und wieder aufgebaut werden. Ganz allgemein lässt sich sagen, dass durch Wind und Wetter am Meer das Immunsystem abgehärtet wird – ein Effekt, der sogar lange nach den Ferien noch andauern kann.

Ob die Auswirkungen der Klimatherapie auch ausreichen, um Krankheiten zu lindern, ist eine andere Sache. Dies hat Professor Angela Schuh von der Ludwig- Maximilians-Universität München untersucht. Zusammen mit Kollegen durchforstete sie die Studien der letzten 15 Jahre zu diesem Thema, um ein einheitliches Bild zu bekommen. Dabei zeigte sich beispielsweise, dass eine Badetherapie in Verbindung mit dem Reizklima an der Nord- und Ostsee eine Neurodermitis bessert. Dies konnte bei Kindern und bei erwachsenen Patienten beobachtet werden. Die Meeresluft steigere auch die Bildung von Antikörpern und körpereigenem Kortison, so die Medizinerin. Mittelmeer- und Atlantikküsten haben ebenfalls die beobachteten positiven Wirkungen bei Neurodermitis- und Psoriasis-Patienten, wie vor allem Studien aus Skandinavien belegen. Besonders günstige Bedingungen herrschen jedoch am Toten Meer. Die UV-Strahlung dort und das Meerwasser mit seinem extrem hohen Salzgehalt verschaffen den Betroffenen eine rasche und nachhaltige Linderung. „Bei fast allen Patienten bessert sich der Hautzustand, was bei Neurodermitikern über mehrere Monate, bei Psoriatikern sogar über ein Jahr anhalten kann“, berichtet Angela Schuh.

Sonnenschutz muss sein
Am Meer ist die Sonneneinstrahlung besonders hoch, denn die Wasseroberfläche reflektiert die Sonnenstrahlen. So treffen sie nicht nur von oben auf die Haut, sondern auch aus allen anderen möglichen Winkeln. Als Folge kann ein Sonnenbrand dort auftreten, wo man nie damit gerechnet hätte und wo man den Sonnenschutz vielleicht ein wenig nachlässig aufgetragen hat. Sogar an trüben Tagen reicht die Sonneneinstrahlung aus, um die Haut zu verbrennen. Dies muss unbedingt verhindert werden, wie Hautärzte immer wieder fordern. Ein Sonnenbrand ist kein Kavaliersdelikt, sondern grenzt an Körperverletzung. Für Kinder gilt dies ganz besonders, denn ihre Haut ist noch viel empfindlicher als die der Erwachsenen. „Schon zwei Sonnenbrände in der Kindheit reichen aus, um später ein Melanom (Schwarzer Hautkrebs) zu bekommen“, warnt die Hautärztin Jessica Hassel vom Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen in Heidelberg. Selbst, wenn es nicht zu einem Sonnenbrand kommt, kann die Haut durch zu viel Sonne nachhaltig geschädigt werden, wodurch Hautalterung und Faltenbildung vorangetrieben werden. Die gesamte Menge der Sonneneinstrahlung kann im Alter zum Weißen Hautkrebs führen. In südlichen Ländern sollte man daher die Angewohnheit der Einheimischen übernehmen und während der Mittagsstunden, wenn die Sonne am höchsten steht, eine ausgedehnte Siesta abseits der Sonne machen.

Der Eigenschutz der Haut hängt vom Hauttyp ab und reicht bei hellhäutigen Menschen nur für 10 bis 15 Minuten. Verlängern kann man ihn durch Auftragen einer Sonnencreme oder -lotion mit hohem Lichtschutzfaktor (LSF). „Alles, was unter LSF 20 ist, kann man vergessen“, meint Jessica Hassel und plädiert für einen deutlich höheren Schutzfaktor. Wichtig ist auch die aufgetragene Menge der Sonnencreme, hier sollte man nicht sparen. Allein für das Gesicht braucht man eine etwa walnussgroße Menge. Rechnet man das auf den ganzen Körper hoch, dann reicht eine übliche Flasche Sonnenschutzmittel mit 250 ml Inhalt nur für wenige Tage. Nach dem Baden im Meer muss das Salzwasser von der Haut abgespült werden, anschließend abtrocknen und neu eincremen. Achtung: Das wiederholte Eincremen verlängert nicht den Schutzfaktor für die Haut.


Neue EU-Richtlinien

Nach den neuesten Empfehlungen der EU müssen Sonnenschutzmittel nicht nur vor UVB-Strahlen (dies gibt der LSF an) schützen, sondern auch vor den nur vermeintlich harmloseren UVA-Strahlen. Ein einheitliches Logo auf der Verpackung zeigt sofort, ob die Creme oder Lotion den EU-Anforderungen entspricht: ein Kreis mit den Buchstaben UVA.

Kinder und Sonne
Am Strand toben die Kinder herum, bespritzen sich mit Wasser und denken nicht an die Sonne. Tun Sie es deshalb umso mehr: Cremen Sie Ihr Kind sorgfältig mit einem hohen LSF ein, denn Kinderhaut ist besonders sonnenempfindlich. Ein Sonnenhut, der auch den Nacken schützt, ist absolut notwendig. Ein T-Shirt sollte übergezogen werden, wenn der Aufenthalt in der Sonne zu lange dauert. Auch bei längerem Schwimmen und Schnorcheln ist ein T-Shirt nützlich, denn die Sonnenstrahlen durchdringen die Wasseroberfläche und können sogar unter Wasser für einen Sonnenbrand sorgen. Darüber hinaus: Verpassen Sie Ihrem Kind eine Sonnenbrille! Sie sollte das CE-Zeichen tragen, d.h. UV-Licht wird abgeschirmt.