ChristlicherDigest

Leben ohne Zigarette


Leben ohne Zigarette

von Caroline Schawe

Der Weg vom Raucher zum Ex-Raucher ist nicht einfach und viele Betroffene brauchen dabei Hilfe. Doch egal, ob der Ausstieg mit einer Gesprächstherapie oder einem Nikotinpflaster unterstützt wird, wichtig ist die eigene Überzeugung, mit den Zigaretten Schluss machen zu wollen.

Es wird nicht leicht werden, darüber muss man sich im Klaren sein. Wer in der Vergangenheit zu den Rauchern zählte und nun den Entschluss gefasst hat, damit aufzuhören, beschreitet einen schweren Weg. Einfach und schnell geht es nie – ganz egal, was einem erzählt wird. Die gesundheitlichen Gefahren des Rauchens im Hinblick auf Herz-Kreislauferkrankungen und Lungenkrebs sind allgemein bekannt. Doch obwohl sie wissenschaftlich untermauert sind, werden sie von den meisten Rauchern verdrängt. Die Lebenserwartung eines Rauchers liegt um 10 bis 20 Jahre niedriger als die eines Nichtrauchers. Nach dem Rauchstopp bessert sich die Gesundheit der Betroffenen aber erstaunlich schnell. Vom ersten Tag an sinkt das Herzinfarktrisiko und nach rund zwei Jahren ist der Normalwert wieder erreicht. Schon nach zwei Tagen kommen Geruch und Geschmack wieder, die Lungenkapazität verbessert sich in den nächsten Monaten um bis zu 30 Prozent und nach 10 Jahren ist auch das Lungenkrebsrisiko nicht mehr erhöht. Lauter gute Gründe also, um den Zigaretten adieu zu sagen.

Das Wichtigste ist die Motivation. Wer nur zum Rauchstopp überredet wurde ohne selbst wirklich überzeugt zu sein, schafft es wohl kaum. Mit der Zigarette wurde jahrelang das Belohnungssystem im Gehirn stimuliert. Botenstoffe wurden ausgeschüttet, Nervenzellen beeinflusst, Glücksgefühle und Wohlbefinden stellten sich ein. Schon allein das Ritual des Zigaretteanzündens hat regelmäßig Vorfreude darauf ausgelöst. Das fällt nun alles weg. Stattdessen machen sich Gereiztheit, Ungeduld, Aggressivität und schlechte Stimmung breit. Und das nicht etwa nur für einige Tage – nein, dieser Zustand kann Monate dauern und ist einer der Gründe, weshalb so viele Ex-Raucher rückfällig werden. Wer sein Belohnungssystem mit Schokolade oder Chips anregen will, fühlt sich zwar kurzfristig besser, nimmt aber langfristig an Gewicht zu. Um das Aussteigerproblem besser in den Griff zu bekommen, haben sich verhaltenstherapeutische Maßnahmen oder Nichtraucherseminare bewährt. Auch die Begegnung mit anderen Betroffenen in Selbsthilfegruppen erleichtert oft die Situation. Gespräche mit Therapeuten oder mit Gleichgesinnten können Motivation und Durchhaltevermögen entscheidend verbessern. Ebenfalls unterstützend kann Akupunktur wirken, allerdings ist das individuell sehr verschieden. Durch die Nadelung bestimmter „Suchtpunkte“ soll das Verlangen nach Zigaretten gedämpft werden. Eine weitere Methode, die beim Ausstieg helfen kann, ist die Hypnose. Ihre Wirkung lässt aber meist schnell nach, was zu Rückfällen führen kann.

Aus und vorbei

Prinzipiell gibt es zwei unterschiedliche Methoden, um mit dem Rauchen aufzuhören. Entweder man entschließt sich, ab einem bestimmten Tag vollkommen auf das Rauchen zu verzichten oder man plant einen langsamen Ausstieg, indem man allmählich die Zahl der täglich konsumierten Zigaretten herunterfährt. Etwa 80 Prozent aller Ex-Raucher haben die „Aus und basta“- Methode gewählt, also von einem auf den anderen Tag komplett aufgehört. Alle Zigaretten und Rauchutensilien wie Aschenbecher und Feuerzeuge werden vernichtet oder aus der Wohnung geschafft. Gut, wenn man Familie und Freunde hat, die einen ablenken und erneut motivieren, wenn die Lust nach dem Glimmstängel übermächtig wird.

Bei der langsamen Methode zum Ausschleichen sollte man vorher genau festlegen, in welchen Schritten die Zahl der Zigaretten reduziert werden soll. Wer bisher beispielsweise täglich 20 Zigaretten geraucht hat, konsumiert in der ersten Woche nur noch täglich 15 Stück, in der zweiten Woche nur noch 10 Stück am Tag und so weiter. Jeder muss allerdings individuell für sich entscheiden, wie hoch der tägliche Verzicht sein soll.

Begleitend zum Ausstieg kann eine Nikotinersatztherapie sinnvoll sein, um die Nikotinsucht vom Ritual des Rauchens abzukoppeln. Untersuchungen haben gezeigt, dass die Erfolgsquote doppelt so hoch ist, wenn derartige Produkte die Raucherentwöhnung unterstützen. Seit den 80er Jahren gibt es in Deutschland Nikotin als Arzneimittel rezeptfrei in den Apotheken, meist als Kaugummi, Lutschpastillen oder als Pflaster. Bei der Anwendung wird Nikotin freigesetzt und mindert so die Entzugserscheinungen. Unterschiedliche Nikotinmengen in den jeweiligen Präparaten erlauben eine sukzessive Verringerung der Dosis. Nikotinkaugummis werden eher bei mäßigen Rauchern (5 bis 15 Zigaretten pro Tag) empfohlen oder bei Personen, die vorwiegend in Konfliktsituationen rauchen. Sie werden nur bei Bedarf angewendet, was auch für die Lutschtabletten gilt. Durch die Mundschleimhaut wird das Nikotin besonders schnell aufgenommen. Bei den Pflastern dagegen findet eine über den ganzen Tag hinweg verteilte gleichmäßige Nikotinabgabe statt, wodurch sie für starke Raucher vorteilhaft sind. Mitunter werden vom Arzt auch Angstlöser und Antidepressiva verschrieben, um den Ausstieg leichter zu machen, doch diese Maßnahme ist wegen der Nebenwirkungen umstritten.

So klappt der Ausstieg

  • Hören Sie nicht nur mit dem Rauchen auf, sondern bringen Sie gleichzeitig mehr Sport und Bewegung in den Alltag. Das macht Spaß, schafft Erfolgsmomente und beugt der Gewichtszunahme vor.
  • Trinken Sie viel (Wasser oder ungesüßten Tee). Das füllt den Magen und dämpft den Appetit; außerdem beschäftigt es die Hände.
  • Verbannen Sie alles, was mit dem Rauchen zu tun hat, aus Ihrer Umgebung. Dies erhöht die Hemmschwelle, wieder anzufangen.
  • Meiden Sie Orte, an denen geraucht wird.
  • Lassen Sie keine Ausreden zu. Überlegen Sie vorher, wie Sie auf „Nur diese eine Zigarette!“ antworten können.
  • Freuen Sie sich über jeden Tag, an dem Sie nicht geraucht haben. Eine tolle Leistung!

Fotonachweis: © AOK, DAK