ChristlicherDigest

Szintigrafie

von Viktor Bley

So mancher hat schon das bunte Ergebnisbild einer Schilddrüsen-Szintigrafie gesehen und sich vielleicht gefragt, was dahinter steckt. Diese Untersuchung gehört zu den nuklearmedizinischen Methoden und zeigt den Aktivitätszustand von Geweben und Regionen im Körper an. Dabei wird eine radioaktive Substanz in den Körper eingebracht, anschließend wird deren Strahlung registriert und in ein Bild umgewandelt. Entzündungsherde und Tumore lassen sich mit der Szintigrafie gut sichtbar machen. Man setzt sie vor allem zur Diagnose bei Erkrankungen der Schilddrüse, aber auch des Herzens, der Lunge, der Nieren und des Skelettsystems ein.

Im Vorfeld werden radioaktive Atome an eine Substanz gekoppelt, die über die Blutbahn in den Körper gelangt und in das zu untersuchende Organ wandert. Bei der Schilddrüse ist das beispielsweise Jod, bei den Knochen sind es Phosphonate. Ähnlich wie beim trojanischen Pferd schleppen diese Stoffe vom Organismus unerkannt ihre radioaktive Ladung mit. Dort, wo der Stoffwechsel besonders schnell verläuft – z.B. in entzündeten Gebieten – reichern sich die Molekültandems an. Im Laufe der Untersuchung werden die markierten Substanzen mit geeigneten Methoden wieder aufgespürt. Der Arzt erhält so ein Abbild ihrer Verteilung.

Radioaktive Atome, auch Radionuklide genannt, sind instabile Gebilde, deren Kerne zerfallen und dabei Strahlung abgeben. In der medizinischen Szintigrafie werden nur Radionuklide eingesetzt, die schon nach relativ kurzer Zeit keine Strahlen mehr aussenden und die über die Niere ausgeschieden werden. Sie geben Gamma-Strahlung ab, die das Gewebe durchdringen und außerhalb des Körpers nachgewiesen werden können. Dies geschieht mit Hilfe eines Scanners oder einer Gammakamera. Die Strahlung erzeugt dabei winzige Lichtblitze, die erfasst und vom Computer in ein Bild umgewandelt werden. Heutzutage ist ein Szintigramm meist ein Farbbild, dessen verschiedene Farben unterschiedlich aktive Bereiche im Gewebe darstellen. Von Blau bis zu Rot steigt dabei die Aktivität an.

Die häufigste Szintigrafie-Untersuchung ist die der Schilddrüse. Mit diesem Verfahren können kalte (vermindert aktive) oder heiße (vermehrt aktive) Knoten aufgespürt werden. Auch eine Beurteilung der gesamten Stoffwechselaktivität der Schilddrüse ist möglich. Bei der eingesetzten radioaktiven Substanz handelt es sich um Technetium 99m. In einem speziell abgeschirmten Bereich der Praxis wird sie dem Patienten in die Vene gespritzt. Nach circa 5 bis 20 Minuten hat sie ihren Weg vom Arm in die Schilddrüse gefunden. Während dieser Wartezeit darf der Patient den abgeschirmten Bereich nicht verlassen. Anschließend wird die ausgesandte Strahlung für ungefähr 5 Minuten von einer Kamera registriert. Der Patient sollte sich während dieser Zeit möglichst nicht bewegen. Nach der Untersuchung ist die Strahlung soweit wieder abgeklungen, dass der Betroffene die abgeschirmten Räume verlassen kann.

Fotonachweis: © Mit freundlicher Genehmigung des Unternehmensarchivs für Medizintechnik von Siemens, Erlangen