ChristlicherDigest

Baldrian (Valeriana officinalis)


Der medizinische Baldrian gehört zu den Heilpflanzen, die schon seit Jahrhunderten genutzt werden. Bei den Griechen und Römern galt Baldrian als Heilmittel, aber auch in China, Indien und in den arabischen Ländern hat seine Anwendung eine lange Tradition. Allerdings wurde der Baldrian früher ganz anders eingesetzt als es heute der Fall ist, nämlich als Mittel gegen Entzündungen, zur Entwässerung, bei Störungen im Magen-Darm-Trakt und bei Augenleiden. Sogar als Arznei gegen die Pest wurde Baldrian hoch gehandelt und galt damit praktisch als Allheilmittel. Erst Ende des 18. Jahrhunderts erkannte man sein Potential als beruhigende und schlaffördernde Heilpflanze. Diese Wirkung ist heute unbestritten und in vielen Studien nachgewiesen worden.

Die Pflanze wächst an feuchten Standorten fast überall in Europa. Die mehrjährige Staude hat einen walzenförmigen Wurzelstock, aus dem im Frühjahr die Triebe mit ihren gefiederten Blättern sprießen. Etwas später entwickeln sich die Blütenstände, die weit über die Blätter hinausragen. Im Juni und Juli blühen die blassrosa Trugdolden und verströmen einen angenehmen Duft, erst beim Trocknen wird er typisch baldrianartig. Katzen – aber auch Ratten – fühlen sich von ihm besonders angezogen. Deshalb heißt der Baldrian im Volksmund auch Katzenkraut. Andere Namen sind Mondwurzel, Marienwurzel oder auch Zahnkraut.

Medizinisch genutzt wird nur die getrocknete und zerkleinerte Baldrianwurzel. Sie enthält ätherische Öle und andere Inhaltsstoffe, die beruhigend und einschlaffördernd wirken. Dabei ist es wohl das Zusammenspiel mehrerer Inhaltsstoffe und der bei der Zubereitung entstehenden Abbauprodukte, die für die Wirkung verantwortlich sind. Verschiedene Studien belegen, dass Baldrian die Einschlafzeit verkürzt und man nachts nicht mehr so häufig aufwacht. Für diese Wirkung sollte die Baldrianwurzel einen halbe bis zwei Stunden vor dem Zubettgehen eingenommen werden. Allerdings tritt die schlaffördernde Wirkung des Baldrians erst nach einigen Tagen ein (etwa 5 bis 14 Tage im Durchschnitt). Für einen schnellen Erfolg ist es folglich nicht das richtige Mittel. Daneben lassen sich nervös bedingte Unruhezustände mit der Heilpflanze bessern. In diesem Fall kann man Baldrian über den Tag verteilt anwenden. Auch eine Kombination mit anderen beruhigend wirkenden Pflanzen wie Hopfen und Melisse ist möglich.

Extrakte aus der Baldrianwurzel sind in vielen frei verkäuflichen Präparaten enthalten. Meist handelt es sich um Dragees oder Tinkturen. Nach der Einnahme kann die Reaktionszeit verlangsamt sein, so dass Autofahren und die Bedienung von Maschinen tabu sind. Alkohol verstärkt die Nebenwirkung noch. Schwangere sollten keine Baldrianpräparate einnehmen oder auf jeden Fall vorher ihren Arzt fragen.

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