ChristlicherDigest

Gesunder Rücken


Gesunder Rücken 

Ein starker Rücken beginnt im Kopf

Mehr als 30 Prozent der Erwachsenen in Deutschland leiden unter akuten Rückenschmerzen, mehr als 50 Prozent hatten zumindest im vergangenen Jahr Beschwerden und mehr als 80 Prozent der Bevölkerung kennen Probleme mit dem Rücken aus eigener Erfahrung. Auch viele Kinder sind schon betroffen.

von Caroline Schawe

Wer bereits einmal Rückenschmerzen hatte, wird wieder welche bekommen, so die Vorhersage der Experten. „Da der Rückenschmerz ein weit verbreitetes und vor allem wiederkehrendes Phänomen ist, müssen sich Betroffene damit auseinandersetzen und nicht davor weglaufen“, meint etwa Dietmar Krause vom Deutschen Grünen Kreuz, der Organisator des alljährlichen Tages der Rückengesundheit. Mit geeigneten Übungen, die in den so genannten Rückenschulen (spezielle Kursprogramme) zu erlernen sind, können die entsprechenden Muskelgruppen gestärkt werden, wodurch die Wirbelsäule entlastet wird. Doch neben dem rein körperlichen Training gibt es einen weiteren wichtigen Aspekt, der für das künftige Wohlbefinden ausschlaggebend ist, nämlich das Bewusstsein der Betroffenen für eine rückengerechte Haltung im Alltag zu schaffen.

Die Ursachen der Rückenschmerzen sind vielfältig
Oft lösen ungewohnte oder einseitige muskuläre Belastungen die Rückenbeschwerden aus. Aber auch Stress, Zukunftsängste, Sorgen um die Familie und andere psychische Herausforderungen können für die Schmerzen im Kreuz verantwortlich sein. „Meist sind es mehrere Gründe, die den Rücken belasten. Eine erfolgreiche Vorbeugung oder Therapie muss deshalb entsprechend umfassend sein. Das Konzept einer neuen Art von Rückenschule verfolgt deshalb den bio-psycho-sozialen Ansatz“, erklärt Ulrich Kuhnt, Vorstandsmitglied des Bundesverbands der deutschen Rückenschulen. Nachhaltigkeit, also das Weiterführen des Gelernten über die reine Kursdauer hinaus, ist dabei einer der Ansatzpunkte. Wichtige Elemente der Neuen Rückenschule sind die Anleitung zu regelmäßiger körperlicher Aktivität im Alltag sowie das Erlernen von Stressbewältigungsmethoden. Außerdem wird vermittelt, wie das persönliche Umfeld rückenfreundlich gestaltet werden kann. Ein bloßes „marionettenhaftes“ Nachturnen der Übungen, die der Kursleiter zeigt, reicht nach Kuhnts Ansicht nicht aus, um eine dauerhafte Verhaltensänderung der Kursteilnehmer zu erreichen. Dazu gehöre auch eine aktive Einbeziehung der Teilnehmer bei der notwendigen Wissensvermittlung und Angaben für die Umsetzung des Gelernten in ihrem realen Umfeld.

Aktiv bleiben!

„Wenn der Rücken schmerzt, sollte dies kein Angstgefühl auslösen, sondern ein Signal sein, sich mehr um seine körperliche und seelische Gesundheit zu kümmern“, fordert Jan-Peter Jansen, Ärztlicher Leiter des Schmerzzentrums Berlin. „Wie ein Schnupfen so sind auch Rückenschmerzen nichts Ungewöhnliches. Über 90 Prozent der Beschwerden sind muskulär bedingt und verschwinden nach ein paar Tagen wieder“, so der Schmerzexperte. Gegen akute Schmerzen im Lendenwirbelbereich hilft meist eine Entlastungslagerung. Bei einer derartigen Stufenlagerung legt sich der Patient flach auf den Rücken, beugt Hüft- und Kniegelenke jeweils um 90 Grad und legt die Unterschenkel auf einem gepolsterten Hocker oder Kissenberg ab. Diese Position wirkt optimal entlastend auf die Wirbelsäule: Der innere Druck auf die Bandscheiben nimmt ab, die Gelenkkapseln werden entspannt sowie Wirbelkanal und Zwischenwirbellöcher werden erweitert. Auch Wärmeanwendungen empfinden viele Betroffene als wohltuend. Die Zeiten jedoch, in denen ein Arzt bei Rückenschmerzen strikte Bettruhe anordnete, sind längst vorbei. Längerfristig sollte sich niemand schonen, sondern möglichst rasch wieder aktiv werden.

Starke, druckempfindliche Muskelverhärtungen lassen sich beispielsweise durch eine Triggerpunktbehandlung therapieren. Die aus der Krankengymnastik bekannte Methode können Betroffene mit Hilfe eines Partners auch zu Hause selbst anwenden. Häufig lassen sich die schmerzhaften Druckpunkte, so genannte Triggerpunkte, ertasten, von denen aus die Schmerzen in den umliegenden Bereich ausstrahlen. Der Partner sollte – etwa mit dem Daumen – für kurze Zeit auf diesen Punkt einen hohen Druck ausüben, was leider oft recht schmerzhaft ist. Trotzdem kommt es danach in den meisten Fällen zu einer Linderung oder sogar ganz zum Verschwinden der Schmerzen.

Besser ist, es gar nicht erst zum Rückenschmerz kommen zu lassen. Das Bewegungskonzept „moving – macht den Rücken fit“ wurde speziell zur Vorbeugung von derartigen Schmerzen entworfen. Es ist bewusst sehr kurz gehalten, einfach und überall durchführbar, so dass man es immer wieder im Alltag machen kann. „moving“ beinhaltet vier Grundbewegungen, die im Sitzen, Stehen oder auch im Liegen durchgeführt werden können. Sie entlasten die Wirbelsäule und entspannen die Muskeln. Alle Übungen werden immer langsam und sanft ausgeführt und nur so weit, wie es dem Betroffenen gut tut. Streckung der Wirbelsäule, Vor- und Zurück-Bewegung, Rechts-Links-Bewegung und eine Dreh-Bewegung des Oberkörpers – das ist auch schon das ganze Programm. Das Training versorgt die Bandscheiben mit Nährflüssigkeit, erhält Sehnen und Bänder flexibel, lockert verspannte Muskeln und nicht zuletzt verringert es den Stress und führt zu mehr Ausgeglichenheit. Mindestens zweimal täglich, so selbstverständlich wie das Zähneputzen, sollte es durchgeführt werden. Näheres dazu unter www.moving.de

Leichte Übungen für den Rücken

1: Streckung der Wirbelsäule
2: Vor- und Zurück-Bewegung
3: seitliche Rumpfstreckung
4: Dreh-Bewegung des Oberkörpers

Rückenschmerz Übungen