ChristlicherDigest

Echtes Johanniskraut (Hypericum perforatum)


Echtes Johanniskraut
Das Echte Johanniskraut wächst an Waldrändern und Wegen, auf Magerwiesen und auf Heideflächen – kurz an warmen Standorten in ganz Europa. Inzwischen reichen die wild wachsenden Bestände schon lange nicht mehr aus, um die Nachfrage zu befriedigen. Das Echte Johanniskraut zählt nämlich längst zu den am wichtigsten in Deutschland angebauten und verarbeiteten Arzneipflanzen. Die krautige Pflanze wird bis zu einem Meter hoch, ist stark verästelt und hat im Sommer zahlreiche goldgelbe Blüten. Die länglichen Blätter sitzen direkt am Stängel und sehen aus, als hätten sie viele kleine Löcher. Dies sind die Öldrüsen, die das durchsichtige ätherische Öl der Pflanze enthalten. Deswegen hat der gelbe Blüher auch den Namen Durchlöchertes Johanniskraut oder Tüpfel-Johanniskraut. Zerreibt man Knospen und Blüten zwischen den Fingern, tritt ein rot gefärbtes Öl aus, dem die Pflanze ihren volkstümlichen Namen Johannisblut oder Herrgottsblut verdankt.

Schon seit der Antike ist das Echte Johanniskraut als Heilpflanze bekannt. Es wurde u.a. zur Wundheilung eingesetzt. Wie man heute weiß, wirken einige seiner Bestandteile als natürliches Antibiotikum. Das „Rotöl“ wird als äußerliches Einreibemittel bei Gicht und Hexenschuss angewandt. Seine größte Bedeutung hat das Johanniskraut jedoch als pflanzliches Arzneimittel bei der Behandlung von leichten bis mittelstarken Depressionen und von nervöser Unruhe. Es gibt inzwischen zahlreiche Studien, in denen die Wirksamkeit von Johanniskrautpräparaten untersucht wurde. Dabei ist das Ergebnis nicht immer eindeutig: Manche Untersuchungen belegen eine Wirkung, andere bestreiten das. Wissenschaftler, die zahlreiche dieser Studien miteinander verglichen haben, kommen zu dem Schluss, dass Johanniskraut bei leichten Depressionen ähnlich gut wie ein synthetisches Antidepressivum wirke und dabei besser verträglich sei. In der Behandlung von schweren Depressionen hat Johanniskraut allerdings nichts zu suchen, wie die Experten betonen. Auch bei leichten depressiven Verstimmungen wirkt Johanniskraut nicht vom ersten Tag der Einnahme an, sondern erst nach mehreren Wochen Anwendungszeit. Dies ist bei den synthetischen Antidepressiva übrigens genauso.

Wer ansonsten gesund ist und keine anderen Medikamente braucht, kann Johanniskrautpräparate unbesorgt anwenden. Ganz anders sieht es bei Patienten aus, die auf spezielle Medikamente angewiesen sind, denn oft wird deren Wirksamkeit durch Johanniskraut herabgesetzt. Dies trifft zum Beispiel auf manche Antibiotika zu, aber auch auf die Anti-Baby-Pille, auf Blutgerinnungshemmer, Asthmamittel und Immunsupressiva (Mittel, die nach einer Transplantation eingenommen werden müssen). Patienten sollten unbedingt ihren Arzt fragen, wenn sie zur gleichen Zeit ein von ihm verschriebenes Medikament und ein Johanniskrautpräparat einnehmen möchten.