ChristlicherDigest

Sodbrennen


Feuer im Schlund 

Ein dumpfer Schmerz hinter dem Brustbein, saures Aufstoßen, ein bitterer Geschmack im Mund, manchmal Halsschmerzen, sogar Asthmaattacken – all dies sind Symptome, die in Zusammenhang mit Sodbrennen stehen.

von Caroline Schawe

Dieter K. kennt die Beschwerden seit Jahren. Besonders nachts, nach langen, anstrengenden Besprechungen im Job und einem späten Abendessen plagen sie ihn. Er spürt ein unangenehmes Völlegefühl und wenn er im Bett liegt, steigt saurer Mageninhalt in die Speiseröhre hoch, oft schmeckt er die Säure sogar im Mund. Hinzu kommt ein brennender Schmerz im Brustbereich, der nicht genau einzuordnen ist, manchmal strahlt er bis in den Rücken aus. Dann überkommt ihn die Angst, ob es sich um Herzbeschwerden handeln könnte. Andere Patienten haben Kehlkopfentzündungen und Erosionen an den Zähnen, weil die Säure den Zahnschmelz angreift. Aber auch chronischer Husten und Asthma können bei den Betroffenen auftreten. Immerhin klagen 30 Prozent aller Asthmatiker auch über Sodbrennen. Die Mediziner rätseln noch, ob in diesen Fällen hochsteigende Säure in die Luftröhre und in die Bronchien gelangt, oder ob die Säure bestimmte Hustenreize auslöst.

Diese ganz unterschiedlichen Beschwerden können alle die gleiche Ursache haben. Der medizinische Fachbegriff dafür lautet „Refluxkrankheit“, der sich vom lateinischen Wort für Rückfluss (Reflux) ableitet. Die ständig neu gebildete Magensäure hat normalerweise einen pH-Wert von 1,5 und gilt damit als starke Säure. Sie erfüllt eine wichtige Funktion, da sie Keime abtötet und hilft, die Nahrung im Magen gut aufzuschließen und für die weitere Verdauung im Darm vorzubereiten. Nur sollte sie auch im Magen bleiben und sich mit dem Speisebrei höchstens in Richtung Darm bewegen. Ein Aufstieg nach oben ist im menschlichen Bauplan nicht vorgesehen. Die Schleimhaut in der Speiseröhre wird durch die ständigen Säureattacken gereizt, verätzt und schließlich nachhaltig geschädigt. Es kommt zu einer Speiseröhrenentzündung. Im schlimmsten Fall können die Zellen entarten, wodurch am Ende ein Krebsgeschwür entsteht.

Nach neuesten Untersuchungen leidet ein Großteil der Deutschen unter gelegentlichen Sodbrennen, rund sieben Prozent haben sogar täglich damit zu kämpfen. Viel Kaffee, scharfe Gewürze, Alkohol- und Zigarettenkonsum, aber auch verschiedene Medikamente können das Auftreten von Sodbrennen begünstigen. In diesen Fällen wird zu viel Magensäure produziert, die im Magen keinen Platz mehr findet und in die Speiseröhre aufsteigt. Sodbrennen kann aber auch durch nicht ausreichende Muskelbewegungen (Peristaltik) der Speiseröhre verursacht werden. Die wellenartig nach unten verlaufende Kontraktion der Muskeln rund um den Speiseröhrenschlauch transportiert die Nahrung vom Schlund in den Magen. Beim Übergang des Speisebreis in den Magen kann kurzzeitig etwas Magensäure in die Speiseröhre gelangen. Bei gesunden Menschen wird die Säure durch die ständigen Muskelbewegungen sofort in den Magen zurück befördert, so dass sie keinen Schaden anrichten kann. Wenn dagegen die Peristaltik der Speiseröhre zu schwach ist, kann sie die nötige Reinigungsfunktion nicht erfüllen. Darüber hinaus gibt es noch eine dritte Ursache für Sodbrennen, nämlich ein unzureichend arbeitender oberer Schließmuskel des Magens. Er trennt die Speiseröhre vom Magen und verhindert normalerweise ein Zurückfließen des sauren Inhalts. Oft ist ein Zwerchfellbruch, bei dem sich ein Teil des Magens in den Brustraum stülpt, die Ursache für einen schwachen Schließmuskel.

Der Arzt wird in vielen Fällen eine Magenspiegelung veranlassen, damit der Zustand der Speiseröhre begutachtet werden kann. Danach entscheidet sich, wie es weiter geht. Vielfach lässt sich bereits mit einfachen Gegenmaßnahmen erreichen, dass die Magensäure künftig weniger oft hochsteigt. Dazu gehört zum Beispiel, dass Übergewichtige einige Pfunde leichter werden, denn dadurch nimmt der Druck im Oberbauch ab, der den Mageninhalt zurück in die Speiseröhre zwingt. Alles, was die Produktion der Magensäure übermäßig ankurbelt, sollte unterlassen werden (siehe Kasten). Säurefördernde Medikamente können u. U. nach Absprache mit dem Arzt durch andere ersetzt werden. Zur Behandlung der akuten Beschwerden empfehlen sich so genannte Antazida, die es z.B. als Kautabletten oder in Gelform rezeptfrei in den Apotheken zu kaufen gibt. Sie eignen sich allerdings nicht für eine längerfristige Einnahme, denn der Magen reagiert nach einiger Zeit darauf mit einer verstärkten Säureproduktion.

Wenn bereits eine Schädigung der Speiseröhrenschleimhaut vorliegt, wird der Arzt ein Medikament aus der Gruppe der Protonenpumpenhemmer (kurz PPI genannt) verschreiben. Diese Arzneimittel hemmen sehr effektiv den Mechanismus der Säureproduktion in der Magenschleimhaut, so dass der Magensaft schließlich nur noch einen pH-Wert von 3 bis 4 aufweist, also deutlich weniger sauer ist. Unter diesen Bedingungen lindern sich die Beschwerden meist schon nach wenigen Tagen und Entzündungen können ausheilen. Da jedoch täglich neue Protonenpumpen gebildet werden, sollten die PPI mehrere Wochen lang eingenommen werden. Mitunter stellen die PPI auch eine Alternative zu einer Operation dar. Die könnte nämlich angeraten sein, wenn ein Zwerchfellbruch als Ursache für einen nicht richtig schließenden Muskel am Übergang zwischen Speiseröhre und Magen verantwortlich ist. Derartige Operationen werden heute meist laparoskopisch, d.h. ohne großen OP-Schnitt durchgeführt.

So geht es besser:
Allein durch eine Verhaltensänderung lässt sich Sodbrennen in vielen Fällen in den Griff bekommen. Hören Sie mit dem Rauchen auf und nehmen Sie auch sonst Rücksicht auf ihren Magen.
Essen und Trinken: Fördern Sie die Produktion von Magensäure nicht noch zusätzlich durch falsches Essen. Reduzieren Sie Ihre Kaffeemenge, meiden Sie möglichst fette und scharf gewürzte Speisen. Auch Alkohol und Süßigkeiten wie z.B. Schokolade können Sodbrennen auslösen. Nach 18 Uhr sollten Sie nichts mehr essen. Mehrere kleinere Portionen über den Tag verteilt sind besser als morgens, mittags und abends jeweils große Essensmengen.
Schlafen: Wer nachts im Bett von Sodbrennen geplagt wird, sollte Kopf und Oberkörper etwas höher lagern. Schlafen in Bauchlage ist nichts für Sodbrennen-Geplagte.