ChristlicherDigest

Hörgerät

Schwerhörigkeit kann in vielen Fällen durch ein Hörgerät ausgeglichen werden. Der HNO-Arzt verordnet es nach eingehender Untersuchung und schickt den Patienten meist weiter zum Hörgeräteakustiker. Dieser wird mit dem Betroffenen die verschiedenen Gerätetypen besprechen und gemeinsam mit ihm aus der Fülle des Angebots ein Hörgerät aussuchen. Doch so, wie es vom Hersteller ausgeliefert wird, ist ein Hörgerät nicht effektiv. Es muss erst auf das subjektive Hörgefühl des Trägers eingestellt werden. Dazu sind meist mehrere Termine beim Hörgeräteakustiker und viel Einfühlungsvermögen seinerseits nötig.

Jedes Hörgerät verfügt über drei wesentliche Bestandteile: Mikrofon, Verstärker und Lautsprecher. Meist gibt es zwei Richtmikrofone, die den Schall von vorne und den von hinten auffangen. Der Verstärker gleicht den Hörverlust aus, indem er etwa den Schall aus der vorderen Richtung verstärkt und den hinteren dämpft. Menschliche Sprache kann gezielt optimiert und gleichzeitig können Hintergrundgeräusche gefiltert werden. Aber auch genussvolles Musikhören ist mit dem entsprechenden Programm wieder möglich. Der Lautsprecher schließlich schickt die modifizierten Schallwellen in Richtung Trommelfell. Eine Knopfzellbatterie, die je nach Gerätetyp einige Tage oder bis zu vier Wochen lang hält, sorgt für die nötige Energie.

Man unterscheidet Hinter-dem-Ohr-Geräte und Im-Ohr-Geräte. Beim ersteren sitzt das Hörgerät mit der gesamten Technik hinter dem Ohr. Ein dünner, kaum sichtbarer Schlauch führt über den oberen Rand der Ohrmuschel zu einer maßgefertigten Otoplastik im Ohr. Durch den Schlauch wird der Schall ans Trommelfell weitergeleitet. Die Otoplastik kann mit einer Belüftungsbohrung versehen werden, wodurch der Tragekomfort größer wird. Hinter-dem-Ohr-Geräte haben viel Platz für Elektronik und bieten daher vielfältige technische Optionen. Hörgeräte, die vollständig im Ohr getragen werden, kommen im Allgemeinen nur für leichte bis mittlere Hörschäden in Frage. Außerdem muss der Gehörgang groß genug sein. Die Elektronik ist in einer individuell angefertigten Hohlschale untergebracht, die im Gehörgang sitzt. Entweder füllt das Gehäuse die Ohrmuschel aus, ist also zu sehen, oder es schließt vorne mit dem Gehörgang ab. Eine dritte Variante endet innerhalb des Gehörgangs, ist kaum zu sehen und meist mit einem Rückholfaden ausgestattet. Solche Im-Ohr-Geräte haben nur geringe Belüftungsmöglichkeiten. Vermehrt auftretender Schweiß und Ohrenschmalz steigern die Reparaturanfälligkeit. Neben diesen beiden Gerätetypen gibt es auch Modelle, die nicht genau der einen oder anderen Art zuzuordnen sind. Darüber hinaus scheint die Hörbrille, bei der die Elektronik im Brillenbügel hinter dem Ohr sitzt, eine Renaissance zu erleben.

Hörgeräte arbeiten mit analoger oder digitaler Technik, auch Mischformen sind möglich. Rein analoge Geräte, bei denen die Einstellung mit Mini-Schraubendrehern erfolgt, werden von manchen Herstellern inzwischen nicht mehr gebaut. Digitale Geräte lassen sich vom Hörgeräteakustiker am Computer programmieren und sind besonders vielseitig. So kann man beispielsweise zwei Hörgeräte, die links und rechts getragen werden, aufeinander abstimmen, damit nicht jedes Teil ein Eigenleben führt.