ChristlicherDigest

Thymian (Thymus vulgaris)



Stark in Küche und Heilkunst

Anspruchslos – anders kann man diese großartige Heil- und Kräuterpflanze nicht charakterisieren. Sie braucht kaum mehr als wärmende Sonnenstrahlen, um sich auf nährstoffarmen Böden und oft unter Wassermangel zu behaupten. Vielfach reicht schon eine Mauerritze, um ein rosa blühendes Thymiankissen hervorquellen zu lassen. Streicht man mit der Hand darüber, entfaltet sich der typisch würzige Geruch, manchmal angereichert mit Zitronen-Aroma. Manche kennen Thymian auch unter dem Namen Quendel oder – wie er in Norddeutschland genannt wurde – als „Wurstkraut“, ein deutlicher Hinweis auf seine Verwendung. In der Küche ist das Würzkraut heutzutage bei allen mediterranen Gerichten angesagt und zudem ein unverzichtbarer Bestandteil in der Kräutermischung „Herbes de Provence“.

Rund ums Mittelmeer findet man besonders viele verschiedene Thymianarten, insgesamt sind 214 bekannt. Sie können regelrechte Sträucher von 50 Zentimeter Höhe bilden oder als Bodendecker streichholzkurz sein. Ihre Blütenfarben reichen von rosa über lila bis blau. Schon lange ist die keimabtötende Wirkung der genügsamen Pflanze bekannt. Bereits die Ägypter mischten Thymianblättchen unter das Harz, das sie zum Einbalsamieren ihrer Toten verwendeten, um so den Leichnam vor der Verwesung zu bewahren. Später brachten Benediktinermönche die Würzpflanze aus dem Mittelmeerraum ins nördlichere Europa, wo sie aus den Klostergärten nach und nach in die Bauerngärten gelangte.

Thymian hat entzündungshemmende, antibakterielle und krampflösende Eigenschaften und wird deshalb in der pflanzlichen Heilkunde bei Atemwegserkrankungen wie Erkältungen und Husten, bei Halsentzündungen sowie bei Zahnfleischentzündungen gerne eingesetzt. Seine Inhaltsstoffe, u.a. ätherische Öle wie Thymol und Kampfer, lösen den Schleim in den Bronchien und lindern Hustenkrämpfe. Zum Inhalieren gibt man beispielsweise 6 Esslöffel getrockneten Thymian in 1 Liter heißes Wasser und atmet die aufsteigenden Dämpfe ein. Ein Hustensaft mit Thymianextrakten, wie er von verschiedenen Herstellern angeboten wird, wirkt wohltuend bei Bronchialinfekten. Der festsitzende Schleim wird verflüssigt und kann leichter abgehustet werden.

Im Handel gibt es fertige Teemischungen, die neben Thymian zum Beispiel noch Linden- und Holunderblüten enthalten und die bei Erkältungen und grippalen Infekten schweißtreibend wirken. Trinken Sie davon abends eine Tasse Tee und dann ab ins Bett zum Schwitzen. Am anderen Morgen geht es oft schon besser. Aufgrund seiner keimabtötenden Wirkung ist Thymian – zusammen mit anderen Pflanzenauszügen – auch in Mund- und Rachentherapeutika enthalten, mit denen Entzündungen im Bereich der Mundhöhle verhindert und behandelt werden können. Wellness-Freunde schätzen Thymian auch im Saunaaufguss.