ChristlicherDigest

Kamille (Matricaria chamomilla)



Wohltuend innen und außen

Wohl jeder hat schon einmal am Wegesrand oder auf Äckern die weiß-gelben Blütenköpfe der Kamille gesehen. Mehrfach gefiederte, schmale Blätter, ein 10 bis 15 cm hoher Blütenstängel und obendrauf die kleinen Köpfe mit den weißen Zungenblüten und den gelben Röhrenblüten. Zu Beginn der Blüte ist der Blütenkopfboden flach, später wölbt er sich nach oben, wird rund wie ein stumpfer Kegel und innen hohl. Dieses Merkmal unterscheidet die Echte Kamille von allen andern Pflanzen, die ähnlich aussehen, aber eben nicht die wertvollen Inhaltsstoffe der Heilpflanze vorweisen. Die Echte Kamille wächst auf nährstoffreichen Böden und blüht den ganzen Sommer über.

Bei der Echten Kamille duftet die ganze Pflanze nach dem Hauptbestandteil ihres ätherischen Öls, der höchste Gehalt ist jedoch in den Blüten zu finden. Für Arzneizubereitungen werden deshalb auch nur die Blütenköpfe verwendet, die sofort nach der Ernte schonend getrocknet werden. In dieser „Drogenqualität“ ist der Gehalt an wertvollen Inhaltsstoffen der Kamille entsprechend hoch. Kamillentee, der der Lebensmittelqualität entspricht, darf dagegen auch Blätter der Pflanze enthalten.

In der Heilkunde ist die Kamille ein echter Tausendsassa. An die vierzig verschiedene Anwendungsbereiche von A wie Aufstoßen bis W wie Wundbehandlung sind beschrieben. Kamillenpräparate gibt es als Konzentrat, als Wund- und Heilbad, als Mund- und Rachenspray sowie als Salbe und Creme. Innerlich angewendet als Tee getrunken oder als Tropfen eingenommen wirkt Kamille gegen Entzündungen und Krämpfe im gesamten Magen-Darm-Bereich. Wenn Kinder oder Erwachsene sich den Magen verdorben haben, helfen oft schon wenige Schlucke Kamillentee. Die wohltuende Teezubereitung wirkt entkrampfend und antibakteriell. Bei Durchfall, aber auch bei Verstopfung wird Kamille empfohlen, außerdem lindert sie Entzündungsbeschwerden bei einem Magengeschwür. Wer unter Blähungen leidet, sollte es einmal mit einem Gemisch von 20 Gramm Kamille, 40 Gramm Anis-Samen und 40 Gramm Fenchel-Samen versuchen. Pro Tasse einen Esslöffel der Teemischung mit kochendem Wasser aufbrühen und 10 bis 15 Minuten ziehen lassen. Danach in kleinen Schlucken trinken.

Äußerlich wird die Kamille in Bädern und in feuchten Umschlägen z.B. bei schlecht heilenden Wunden angewendet. Bei Schleimhautentzündungen in der Mundhöhle oder bei entzündetem Rachen bringen Spülungen und Gurgellösungen rasche Linderung. Alt bewährt und immer wieder gut sind Kamillen-Dampfinhalationen bei allen Erkrankungen der oberen Luftwege. Beschwerden durch einen fest sitzender Schnupfen, einer Stirnhöhlenentzündung oder einen hartnäckigen Husten lassen sich damit behandeln. Im Augenbereich sollte man auf Kamille lieber verzichten, da in seltenen Fällen allergische Reaktionen auftreten können.