ChristlicherDigest

Denkzettel – Training für das Gehirn


von Anette Brecht-Fischer

Putzen Sie sich doch ab und zu mal ihre Zähne mit der linken Hand, wenn Sie Rechtshänder sind. Ein ungewöhnlicher Rat, denken Sie? Mag sein, aber er bringt ihr Gehirn in Schwung.

Ein Alltag voller Routine, im Job keine neuen Herausforderungen, die Freizeit wird mit Fernsehen ausgefüllt: Wer so lebt, vernachlässigt sein Gehirn. Denn was nicht gebraucht wird, verkümmert im Laufe der Zeit. Immer mehr Menschen klagen über Gedächtnisprobleme, Konzentrationsschwäche und Zerstreutheit, worüber die Gehirnforscher keineswegs überrascht sind. Der Begriff von der „digitalen Demenz“ macht die Runde. Dieser beschreibt die Tatsache, dass wir uns immer weniger merken müssen, da unsere digitalen Helfer das für uns übernehmen. Wer kennt schon noch die Telefonnummern seiner Liebsten auswendig? Sie sind doch im Handyspeicher jederzeit abrufbar. Auch Kontonummern, Pinnummern, Geburtstage oder Rezepte werden nicht mehr auswendig gelernt und im Kopf gespeichert, sondern im Computer oder Blackberry. Früher hat unser Gehirn diese Aufgaben spielend erledigt und hatte dennoch jede Menge Platz für weitere Herausforderungen.

Schon seit langem ist bekannt, dass die meisten Menschen nur einen Bruchteil ihrer geistigen Kapazität ausschöpfen, der Rest liegt brach. Doch das Gehirn kann trainiert werden. Manche Wissenschaftler vergleichen es sogar mit einem Muskel, der durch regelmäßige Übung an Umfang und Leistung zunimmt. Durch ihre Beanspruchung bilden die Nervenzellen im Kopf neue Verbindungen untereinander, ihre Kommunikation wird angeregt, die Informationen fließen schneller. Sogar im Alter kann dieser Prozess noch stattfinden, es ist nie zu spät. In den 80er Jahren entwickelte der Intelligenzforscher Siegfried Lehrl dafür ein Trainingsprogramm, dem er den griffigen Namen Gehirnjogging gab. Durch die Aufgaben, die verschiedene Bereiche der geistigen Leistungsfähigkeit ansprechen, wird das Gehirn rundum auf Trab gebracht. Schon fünf bis zehn Minuten tägliches Üben reichen aus, um nach einigen Wochen sein geistiges Niveau deutlich zu erhöhen, wie schwedische Forscher herausgefunden haben. Genauso schnell verliert man es aber auch wieder. Da reicht schon ein Faulenzerurlaub ohne geistige Herausforderungen oder ein längerer Krankenhausaufenthalt und das Gehirn schaltet wieder auf den Sparmodus um.

Übungen für den Alltag

Wichtig ist es, nicht nur auf einem Gebiet zu trainieren, indem man beispielsweise ausschließlich Sudokus löst, sondern die ganze Vielseitigkeit des Gehirns zu schulen. Dazu gehören räumliche Orientierung, Wortschatz, Umgang mit Zahlen, Kreativität, Alltagsentscheidungen, Verständnis und Zusammenhänge sowie allgemeines Gedächtnis. Im Folgenden finden Sie einige Vorschläge für Übungen, die leicht durchzuführen sind.

Anagramm: Wählen Sie ein Wort und bilden Sie aus den Buchstaben möglichst viele neue Wörter. Beispiel KREIDE: Kir, Keder, Rede, Ei, Eier, Ede, Idee, Ire, drei, dir, der, Dirk, Derek usw.
Buchstaben-Suche: Überfliegen Sie einen Text und zählen Sie dabei, wie oft z.B. der Buchstabe „m“ darin vorkommt.
Lesen andersherum: Drehen Sie eine Zeitungsseite auf den Kopf und versuchen Sie, mindestens die Überschriften zu lesen.
Einkaufen: Prägen Sie sich den Einkaufszettel ein und legen Sie die Waren aus dem Gedächtnis in den Einkaufskorb. Erst kurz vor der Kasse kontrollieren Sie den Zettel. Beim Einprägen können Sie auch gedanklich einen Spaziergang durch Ihren Laden machen und sich räumlich vorstellen, wo Sie die Waren aus dem Regal nehmen.
Polizeiverhör: Stellen Sie sich vor, Sie werden von der Polizei verhört und sollen sagen, welche Menschen Sie am Morgen in der Straßenbahn gesehen haben. Gucken Sie sich ihre Mitfahrenden genau an und achten Sie auf spezielle Details wie z.B. ihre Schuhe. Lassen Sie ihre Kreativität spielen: Welche Berufe könnten die Personen ausüben?
Auswendig lernen: Prägen Sie sich jeden Tag einen neuen Vierzeiler ein. Wie viele können Sie nach einer Woche noch wiederholen?

Auch Kreuzworträtsellösen und Schachspielen trainieren das Gehirn. Ebenso ist es mit dem Spiel „memory“, bei dem man Bildmotive mit dem Ablageort auf dem Tisch verknüpfen muss. Jüngere Kinder schneiden dabei durch ihr besseres Kurzzeitgedächtnis meist erfolgreicher ab als Erwachsene. Lesen Sie interessante Geschichten und spinnen Sie sie in ihrer Fantasie weiter. Versetzen Sie sich im Geist in eine andere Umgebung. Machen Sie Musik, malen Sie Bilder oder basteln Sie – alles Aufgaben, die das Gehirn fordern. Auch die körperliche Bewegung sollte nicht zu kurz kommen, denn durch die verbesserte Durchblutung werden Denkprozesse angeregt. Eine gute Kombination aus Handeln und Denken und damit eine echte Herausforderung für das Gehirn stellt zum Beispiel das Jonglieren dar. Schon vor längerer Zeit haben Wissenschaftler diesem Zeitvertreib positive Auswirkungen auf das räumliche Denken attestiert. Nun fanden Forscher aus Oxford heraus, dass durch Jonglieren die Verschaltungen zwischen den Nervenzellen verbessert werden, das Gehirn also effektiver arbeitet. Die bunten Bälle fördern Konzentration, Koordination, Wahrnehmung, Ausdauer und Beweglichkeit, außerdem entspannt die gleichmäßige Bewegung.

Bernhard Wolff

Buchtipp: Der als Entertainer und Rückwärtssprecher bekannte Bernhard Wolff hat ein Buch geschrieben, das die Gehirnwindungen der Leserinnen und Leser auf höchst unterhaltsame Weise trainiert. „Denken hilft“ zeigt, wie man Kreativität, Gedächtnis, Wortschatz und Sprachfertigkeit auf Touren bringt und wie kreative Techniken funktionieren.
Bernhard Wolff, Denken hilft, Frische Ideen für Gedächtnis und Kreativität, Heyne-Verlag, ISBN 978-3-453-16542-7, 18 €

Weitere Infos zur Verbesserung der Gehrinleistung