ChristlicherDigest

Harnwegsinfektionen


Hilfe, es brennt!

Von Caroline Schawe

Es ist ein typisches Frauenproblem: Brennen und Schmerzen beim Wasserlassen, dazu häufiger Harndrang, trüber oder gar blutiger Urin. Harnwegsinfektionen treffen vorwiegend Frauen. Erst im Alter, wenn die Prostata Probleme macht, sind auch vermehrt Männer unter den Patienten.

Eine Infektion der Harnwege und der Blase entwickelt sich manchmal blitzschnell innerhalb weniger Stunden mit starken Schmerzen und krampfartigen Beschwerden. Auf der anderen Seite kann sie aber auch schleichend auftreten mit lediglich einem leicht unangenehmen Jucken beim Wasserlassen, so dass die betroffenen Frauen es kaum merken. Bei Männern zeichnet sich oft ein schwereres Krankheitsbild ab. Sie haben Schmerzen im gesamten Unterbauch und dazu häufig Fieber. Dagegen verläuft die Infektion bei alten Menschen mitunter ohne signifikante Symptome. Sie zeigen nur eine mehr oder minder ausgeprägte Verwirrtheit; da bedarf es schon eines gewissen Spürsinns, um die Diagnose „Harnwegsinfekt“ stellen zu können. Egal, wie stark oder schwach die Beschwerden auch sind, in mehr als 95 Prozent aller Fälle sind Bakterien die Verursacher. Sie steigen über die Harnröhre in die Harnblase auf. Von dort können sie noch weiter in die Niere wandern, dort eine Entzündung auslösen oder ins Blut übergehen und eine lebensbedrohliche Blutvergiftung verursachen. Charakteristisch für Harnwegsinfektionen ist auch die hohe Wiederholungsrate. Rund die Hälfte aller Patientinnen hat innerhalb eines Jahres eine erneute Entzündung.

Bakterien auf Wanderschaft

Meist handelt es sich um Bakterien der eigenen Darmflora, die im Darm durchaus willkommene Arbeit verrichten, auf Abwegen in der Harnröhre aber nichts zu suchen haben. Falsche Hygiene, bei der z.B. Keime vom After nach vorne in Richtung Harnröhrenausgang gewischt werden, kann zu einem Infekt führen. Auch Geschlechtsverkehr kommt als Auslöser in Frage. Und – nicht zu vergessen – übertriebene Sauberkeit im Intimbereich, wodurch die normale Bakterienflora der Schleimhäute geschädigt oder beseitigt wird. Dann haben „falsche“ Keime leichtes Spiel, indem sie in die Harnröhre vordringen und weiter nach oben wandern.

Diese Situation ist für unseren Organismus im Prinzip nichts Neues. Tagtäglich muss die Balance zwischen den guten und weniger guten Mikroorganismen neu austariert werden. So produzieren die Schleimhautzellen in Harnröhre und Blase Substanzen, mit denen die eindringenden Bakterien in Schach gehalten werden können. Das Immunsystem bewältigt diese Aufgabe normalerweise ganz gut. Doch in Zeiten, in denen unsere Abwehrkräfte vielleicht gerade an anderen Fronten gebraucht werden oder sie aus irgendwelchen Gründen geschwächt sind, können die Keime die Oberhand gewinnen – die Infektion nimmt ihren Lauf. Forscher sehen deshalb die individuelle Infektanfälligkeit als ausschlaggebend für das Auftreten von Harnwegsinfektionen. „Ich habe Patientinnen, die sehe ich jeden Monat mit einer neuen Blasenentzündung in meiner Praxis“, beschreibt es ein Urologe.

Therapie und Vorbeugung

Alle Maßnahmen, die das Immunsystem stärken, sind auch im Fall vermehrter Harnwegsinfektionen zu empfehlen. Beim akuten Infekt muss allerdings schnell und gezielt gehandelt werden. Meist wird der Arzt die Entzündung mit Antibiotika behandeln, wobei oft schon nach Stunden eine Besserung zu beobachten ist. Während man früher häufig nur eine Einzeldosis des Antibiotikums gab, wird heute eher die dreitägige Antibiotikaeinnahme empfohlen, damit die Bakterien zuverlässig abgetötet werden. In besonderen Fällen verschreiben die Ärzte auch eine fünftägige Therapie, dann ist allerdings eher mit unerwünschten Nebenwirkungen zu rechnen. Wenn nach einem Tag keine Besserung eingetreten ist, muss man davon ausgehen, dass die Bakterien von dem verwendeten Antibiotikum nicht angegriffen werden. Dann sollte man dem Arzt Bescheid geben und sich ein anderes Mittel verschreiben lassen. Es ist wünschenswert, jedes Mal, bevor ein Antibiotikum eingesetzt wird, die Empfindlichkeit des Keims zu untersuchen, damit man gezielt ein wirkungsvolles Mittel einsetzen kann. Leider unterbleibt das in vielen Fällen aus Zeit- und Kostengründen.

Ganz wichtig ist es, begleitend zur Therapie und auch zur Vorbeugung, viel zu trinken. Die Harnwege müssen gut durchgespült werden, damit die Bakterien mit dem Urin ausgeschwemmt werden können. Blasen- und Nierentees mit verschiedenen Pflanzenextrakten regen die Harnproduktion an. Tee aus Bärentraubenblättern wirkt desinfizierend und reduziert so die Bakterienmenge. Zur Vorbeugung kann man auch auf Preiselbeeren oder auf ihre kanadischen Verwandten, die Cranberries, setzen. Der Saft dieser roten Beeren enthält reichlich Tannine, die es den Bakterien erschweren, sich an den Schleimhäuten von Harnröhre und Harnblase festzusetzen.

Großmutters Ratschläge, sich nicht auf kalte Steine zu setzen, den Unterleib warm zu halten und nasse Badekleidung sofort auszuziehen, haben auch heute noch ihre Berechtigung. Sie verhindern in erster Linie eine Schwächung der Abwehrkräfte und schützen auf diese Weise vor einer Blasenentzündung.