ChristlicherDigest

Gesund abnehmen


Von Caroline Schawe

Die Badezimmerwaage ist unbestechlich: Der Zeiger wandert weiter nach rechts als er eigentlich sollte, außerdem kneift der Hosenbund. Da haben sich während des Winters einige Kilos auf Hüften und Bauch abgesetzt, die nun möglichst rasch wieder verschwinden sollten. Also her mit der Diät, wir fangen sofort an!

Doch halt, zunächst sind einige Überlegungen wichtig, denn allzu oft sind derartige Diätvorsätze nur Schnellschüsse, die nach kurzer Zeit vergessen sind, während das gewohnte Essen mit all seinen Verlockungen wieder die Oberhand gewinnt. Beantworten Sie sich zuallererst die Frage, warum Sie eigentlich abnehmen wollen. Fühlen Sie sich unwohl? Möchten Sie in eine bestimmte Kleidergröße passen? Hat Ihr Arzt es empfohlen? Findet Ihr Partner oder ihre Partnerin Sie zu dick? Seien Sie ehrlich. Das Abnehmen funktioniert nur dann, wenn Sie es für sich selbst tun, nicht weil andere es wollen. Ebenso wichtig wie ein Körpergewicht im gesunden Mittelmaß sind körperliche Fitness und ausreichende Bewegung. Die Medizin hat inzwischen sogar herausgefunden, dass fitte Dicke häufig gesünder sind als schlanke Bewegungsmuffel.

Mit Plan geht alles besser
Egal, ob es sich nur um einige wenige oder um viele Kilos handelt, die Sie abnehmen möchten, von heute auf morgen geht es nicht, zumindest dann nicht, wenn Sie dabei gesund und leistungsfähig bleiben möchten. Am besten, Sie machen einen Plan. Bestimmen Sie Ihr jetziges Gewicht und setzen Sie Ihr Wunschgewicht fest, das Sie erreichen möchten. Nehmen Sie sich dabei nicht zuviel vor, sonst haben Sie schnell die Lust verloren. Stellen Sie sich ein realistisches Ziel, damit Sie auch Erfolge aufzuweisen haben, die Ihr Ego stärken.

„Übergewicht ist immer die Folge eines Ungleichgewichts zwischen Energiezufuhr und Energieverbrauch“, betont Professor Dr. Günther Wolfram vom Department für Lebensmittel und Ernährung der TU München, oder anders ausgedrückt, zwischen Essen und Bewegung. Das sind auch die beiden Schrauben, an denen man drehen kann. Durch mehr Bewegung und Sport erhöht sich der Kalorienverbrauch. Oft reicht das allein schon aus, um langfristig ein paar Pfunde zu verlieren. Wenn gleichzeitig weniger Kilokalorien mit dem Essen aufgenommen werden, geht das Abnehmen schneller. Dabei braucht aber niemand Angst haben, hungern zu müssen. „Sättigung entsteht vor allem durch Füllung und Dehnung des Magens“, so Günther Wolfram. Mit einer geschickten Auswahl der Lebensmittel kann man also auch bei einer Diät satt werden und trotzdem weniger Kilokalorien als vorher zu sich nehmen. Das neue Zauberwort in der Diätwelt heißt Energiedichte und bezeichnet die Kilokalorien eines Nahrungsmittels pro Gramm. Obst und Gemüse haben beispielsweise eine geringe Energiedichte, während Erdnüsse, Salami oder Schokolade deutlich darüber liegen. Das bedeutet, Sie können richtig viel Gemüse, Obst oder auch Salat essen, auch Nudeln, Kartoffeln und Schnitzel passen in den Speiseplan, aber bei Butter, Pizza oder Schokolade sollten Sie vorsichtig sein. Kein Nahrungsmittel ist verboten, „Lebensmittel mit einem möglichst geringen Fettgehalt und einem möglichst hohen Wassergehalt weisen die geringste Energiedichte auf“, so Günther Wolfram.

langfristige Ernährungsumstellung

Langfristig sollte die Diät der Einstieg in eine Ernährungsumstellung sein, die nach dem erreichten Abnahmeziel beibehalten wird. Auf diese Weise wird auch der gefürchtete Jo-Jo-Effekt verhindert, der das Gewicht nach Beendigung der Diät schnell wieder ansteigen lässt. Für Betroffene, die viele Kilos abspecken wollen, eignet sich als Einstieg auch eine so genannte Formula-Diät. Dabei werden ganze Mahlzeiten durch kalorienarme Fertigdrinks oder frisch anzurührende Drinks ersetzt, die alle benötigten Nährstoffe und Vitamine enthalten. Es gibt ärztlich begleitete Abnehmprogramme, bei denen derartige Drinks zu Beginn eingesetzt werden, um dann, wenn die ersten Pfunde gefallen sind, auf ein neues Ernährungsverhalten und mehr Bewegung umzustellen. Der Nachteil einer reinen Formula-Diät ist, dass sich an der Ursache des Übergewichts nichts ändert, d.h. der Betroffene lernt nicht, sich zukünftig ernährungsbewusster zu verhalten.

Richtig und gesund abzunehmen ist eine langfristige Angelegenheit. Damit Sie über Frustrationen, über Zeiten, in denen sich scheinbar nichts tut, und über größere Versuchungen hinwegkommen, schließen Sie sich am besten mit Gleichgesinnten zusammen. In jeder Stadt gibt es inzwischen gemeinsame Abnehmgruppen, deren Teilnehmer sich bei ihren wöchentlichen Treffen gegenseitig motivieren und oft auch viel Spaß haben. Wichtig zu wissen: Beim Abnehmen gibt es kein Ernährungsdiktat mehr, stattdessen können Sie mit Blick auf die Energiedichte der Lebensmittel selbst bestimmen, was und wie viel Sie essen.

Buchtipp: „Satt essen und abnehmen – individuelle Ernährungsumstellung ohne Diät“ von V.Schusdziarra und M. Hausmann, Verlag MMI, ISBN 978-3-87360-072-0, 16,95 €

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