ChristlicherDigest

Allergie – Immer Ärger mit den Pollen


Anette Brecht-Fischer

Obwohl es noch früh im Jahr ist, hat die Leidenszeit für so manchen Pollenallergiker bereits eingesetzt. Erle und Hasel beginnen schon im Januar damit, ihren Blütenstaub freizusetzen, kurz danach folgen Pappel, Weide und Birke. Auch Gräser fangen infolge der Klimaveränderungen immer früher an zu blühen. So gab es im letzten Jahr Mitte April eine erste Häufung von Süßgräserpollen in der Luft, wie der Deutsche Wetterdienst in Freiburg mitteilte.

Immer mehr Menschen leiden an einer Pollenallergie. Bei den Jugendlichen sind es rund 15 Prozent und bei den Erwachsenen etwa 25 Prozent, die mit Heuschnupfen belastet sind. Viele der Betroffenen klagen über andauernde Niesanfälle, Fließschnupfen, Augenjucken, Reizhusten oder über Atemnot. „Allergien darf man nicht auf die leichte Schulter nehmen“, warnt der Allergologe Wolfgang Wehrmann. Aus dem zu Beginn noch relativ harmlosen Heuschnupfen kann sich ein chronischer Schnupfen entwickeln und – noch schlimmer – es kann zu einem „Etagenwechsel“ kommen, d.h. aus dem ursprünglichen Schnupfen kann Asthma werden. „Bei rund 40 Prozent aller Heuschnupfengeplagten ist dieser Prozess zu beobachten“, so der Mediziner.

Als erste Maßnahme, um den Heuschnupfen gezielt auszubremsen, müssen die Pollen bestimmt werden, gegen die man allergisch reagiert. Mit einem Hauttest (Prick-Test) beim HNO- oder Hautarzt lässt sich schnell feststellen, ob es sich um Frühblüher-, Gräser- oder Kräuterpollen handelt. Anschließend kann der Facharzt mit einer spezifischen Immuntherapie (SIT) die Symptome der Allergie dauerhaft bessern oder sie sogar vollständig heilen. Dabei wird das Immunsystem des Patienten ganz langsam an den Allergieauslöser – hier die Pollen – gewöhnt, bis sie ihr Reizpotential für den Betroffenen verloren haben. Der Organismus hat dann gelernt, die fremde Substanz zu tolerieren und muss nicht mehr dagegen kämpfen. Meist wird über einen Zeitraum von 2 bis 3 Jahren hinweg immer wieder eine winzige Menge des Allergieauslösers unter die Haut gespritzt. Seit einigen Jahren gibt es auch die so genannte sublinguale Therapie, bei der die Substanz nicht gespritzt, sondern tröpfchenweise oder als Tablette unter die Zunge gegeben wird. Allerdings ist sie bis jetzt auf Gräserpollen beschränkt.

Wer diese langwierige Behandlung nicht auf sich nehmen möchte, kann mit frei verkäuflichen Medikamenten aus der Apotheke die Symptome des Heuschnupfens lindern. Da ist in erster Linie die Gruppe der Antihistaminika zu nennen, die die Wirkung des Botenstoffes Histamin schwächen. Histamin ist im Wesentlichen für die allergischen Reaktionen verantwortlich, die den Heuschnupfen so unangenehm machen. Die modernen Antihistaminika verursachen kaum noch Müdigkeit, wie das bei den ersten Präparaten der Fall war, anderenfalls ist eine Tabletteneinnahme am Abend zu empfehlen. Wer rechtzeitig vor Beginn „seiner“ individuellen Polleninvasion daran denkt, kann mit dem Wirkstoff Cromoglicinsäure auch vorbeugend etwas tun. Durch die regelmäßige Anwendung wird die Freisetzung von Entzündungsstoffen gehemmt, folglich treten weniger Symptome auf. Auch eine ausreichende Versorgung mit Zink kann Pollenallergikern helfen.

Darüber hinaus sollte man jede Möglichkeit nutzen, seine Umgebung so pollenfrei wie möglich zu halten. Dazu gehört es, seine Haare abends zu waschen, um die Pollen zu entfernen, und ebenso, die tagsüber getragene Kleidung nicht im Schlafzimmer abzulegen. Wer nachts bei geöffnetem Fenster schläft, kann die Plagegeister mit einem Pollenschutzgitter aussperren. Derartige Gitter sind auf jede Fenstergröße zuzuschneiden und leicht selbst anzubringen. Sie halten immerhin mehr als 80 Prozent der Pollen zurück. Auch ins Auto gehört ein Pollenfilter, der jedes Jahr oder etwa alle 30.000 Kilometer ausgewechselt werden sollte. Filter mit Aktivkohle halten darüber hinaus auch gasförmige Schadstoffe zurück. Teppiche, Polster und Gardinen müssen regelmäßig abgesaugt werden, wobei auch der Staubsauger einen Pollenfilter haben sollte. Bei glatten Fußböden ist tägliches feuchtes Wischen unumgänglich, sonst werden die Pollen immer wieder aufgewirbelt. Wem es möglich ist, der kann seinen Urlaub in die Zeit des größten Pollenaufkommens legen und dadurch den Pollen aus dem Weg gehen. Dabei kommen nicht nur Kreuzfahrten in die Antarktis in Frage, sondern auch viele andere Ziele am Meer oder in den Bergen. So sind beispielsweise die Alpen ab etwa Ende Juni weitgehend pollenfrei, da die Blühsaison viel kürzer als im Flachland ist. Auch die Nordsee-Küste und die vorgelagerten Inseln versprechen reizfreie Ferien, denn hier weht meist ein Nordwestwind, der pollenfreie Luft vom Atlantik mitbringt. Andere Küstenregionen etwa an der Ostsee oder am Mittelmeer haben diesen Vorteil nicht. Eine praktische Hilfe für die Urlaubsplanung ist die Internetseite www.polleninfo.org, die Pollenflugvorhersagen für ganz Europa bietet.

Mit diesem Hauttest werden in den meisten Fällen die Allergieauslöser bestimmt. Üblicherweise wird er an den Innenseiten der Unterarme ausgeführt, indem dort verschiedene Pollenextrakte auf die Haut aufgetropft werden. Anschließend wird mit einer feinen Nadelspitze durch den Tropfen hindurch die oberste Hautschicht angeritzt. Zeigt sich innerhalb von etwa 15 Minuten an der Teststelle eine rote Quaddel, liegt eine Allergie gegen die getestete Substanz vor.

Woher kommt`s?

Hauptursachen für Heuschnupfen und andere allergische Erkrankungen sind einerseits genetische Veranlagung, also Vererbung, und andererseits äußere Einflüsse wie z.B. Luftverschmutzung, Lebensstil, Ernährung und Stress. Obwohl man vieles nicht ändern kann, sollte man eine Allergie nicht als gegeben hinnehmen. Oft bringen schon kleine Veränderungen am Lebensstil, den Essgewohnheiten oder dem Wohnumfeld Erfolg. Abgesehen davon kann mit den heutigen Medikamenten eine ganze Menge zur Linderung oder sogar Heilung einer Allergie getan werden.