ChristlicherDigest

Cholesterin Buhmann im Stoffwechsel?


Es gibt kaum einen Begriff aus dem Gesundheitsbereich, dem so viel Schlechtes nachgesagt wird wie dem Cholesterin.
„Es verstopft die Adern.“
„Davon kriegt man einen Herzinfarkt.“
„Meistens ist es zu hoch und muss gesenkt werden.“
von Anette Brecht-Fischer

Solche oder ähnliche Antworten bekommt man, wenn man nach dem Cholesterin fragt. Alles nicht ganz falsch, aber in der Pauschalierung auch nicht richtig. Cholesterin nur als Buhmann im Stoffwechsel zu sehen, tut ihm Unrecht, denn es hat auch wichtige Aufgaben zu erfüllen. Im Gegensatz zu Pflanzen und Pilzen ist Cholesterin in allen tierischen und menschlichen Zellen zu finden. Für den Körper stellt die Substanz einen lebenswichtigen Baustein dar, denn sie kommt u. a. in den Zellmembranen vor, wo sie deren Stabilität erhöht. Außerdem werden daraus Gallensäuren hergestellt, die bei der Verdauung helfen, sowie Hormone, die vielfältige Abläufe im Körper regeln. Das Gehirn ist besonders reich an Cholesterin, da es für die Gedächtnisarbeit wichtig ist. Den größten Teil der gesamten Cholesterinmenge produziert der Körper selbst, meist in der Leber, und nur ein kleiner Teil wird mit der Nahrung aufgenommen. Wie hoch der gemessene Cholesterinspiegel im Blut ist, hängt daher in erster Linie von der Eigenproduktion ab und erst in zweiter Linie von der Zufuhr mit der Nahrung. Cholesterin gelangt über die Blutbahnen in alle Organe und Gewebe. Da das Molekül allein aber nicht „transportabel“ ist, koppelt es sich an eine andere Substanz an und lässt sich quasi als Anhänger von einer Lokomotive durch die Blutgefäße ziehen. Als Lok arbeiten dabei zwei verschiedene so genannte Lipoproteine. Eines davon hat chemisch gesehen eine geringe Dichte (Low Densitiy) und wird deshalb als LDL abgekürzt, das andere hat eine hohe Dichte (High Density) und wird HDL genannt. Die Lokomotive LDL transportiert das Cholesterin von der Leber zu den Geweben, während das Konkurrenzmodell HDL überschüssiges Cholesterin dort einsammelt und zurück zur Leber bringt, wo es wieder abgebaut wird.

Unter Medizinern hat das LDL-Cholesterin einen besonders schlechten Ruf, da es Hauptbestandteil von Ablagerungen in den Blutgefäßen ist. Diese – auch Plaques – genannten Verdickungen in den Gefäßwänden verlangsamen den Blutfluss und können schließlich zu Herzinfarkten und Schlaganfällen führen. HDL-Cholesterin gilt dagegen als das gute Cholesterin, denn es wird zur Leber transportiert und damit aus dem Verkehr gezogen.
Cholesterin
Die früher oft aufgestellte einfache Gleichung „Hoher Cholesterinwert = Arterienverkalkung = Herzinfarkt“ gilt heute so nicht mehr. Ob tatsächlich der Cholesterinwert allein für die Plaques in den Gefäßen verantwortlich ist, wird angezweifelt. Inzwischen wurden weitere wichtige Risikofaktoren für Herzinfarkt und Herz-Kreislauf-Erkrankungen erkannt, wie Rauchen, Übergewicht, Bewegungsmangel, Bluthochdruck und familiäre Veranlagung, die einzeln oder zusammen eine Rolle spielen. Aus diesem Grund gibt es auch nicht mehr einen Gesamtcholesterin-Wert, der für alle Personen gleichermaßen als Obergrenze gelten würde. Eine Cholesterinmenge im Blut, die für den einen Patienten noch akzeptabel ist, kann für einen anderen bereits zu hoch sein. „Ab wann mit einer deutlich erhöhten Gefahr für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu rechnen ist, hängt vom individuellen Gesamtrisiko des Patienten für diese Krankheiten ab“, meint denn auch Helmut Gohlke, Chefarzt am Herz-Zentrum Bad Krotzingen. So unterscheiden sich die empfohlenen Cholesterin-Obergrenzen für gesunde Menschen ohne Risikofaktoren erheblich von denen, die für Patienten mit Herz- oder Gefäßleiden als akzeptabel gelten.

Bei allen Menschen ohne Herzerkrankung sollte der erste Schritt zur Senkung eines erhöhten Cholesterinspiegels darin bestehen, auf eine gesunde Ernährung zu achten. Besonders vorteilhaft ist dabei die traditionelle Küche der Mittelmeerländer. Zu ihren wichtigsten Merkmalen gehören viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukte, öfter Fisch statt Fleisch sowie Olivenöl oder Rapsöl. „Wie eine aktuelle Studie mit mehr als 500.000 Personen klar belegen konnte, vermindert die mediterrane Küche nicht nur das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall, sondern auch für Krebs, die Alzheimer- und die Parkinson-Erkrankung“, betont Helmut Gohlke. Alternativ zum Selberkochen bieten sich verschiedene diätetische Lebensmittel und Nahrungsergänzungsmittel an, die ebenfalls den Cholesterinwert verringern können. Darüber hinaus sollten Patienten mit Herz- und Gefäßkrankheiten versuchen, auch ihre anderen Risiken zu senken, also beispielsweise mit dem Rauchen aufzuhören und mehr Bewegung in ihren Alltag einzubauen. Medikamente, die den Cholesteringehalt im Blut senken, so genannte Statine, müssen vom Arzt verschrieben werden. Besonders Patienten, die bereits einen Herzinfarkt hatten oder die eine Herzkranzgefäßerkrankung haben, profitieren von den Cholesterinsenkern, wie in Studien gezeigt werden konnte.

SO HOCH DARF ER SEIN
Folgende Obergrenzen für Gesamt- und LDL-Cholesterin sind akzeptabel
(nach Angaben der Deutschen Herzstiftung)

Gesunde ohne Risikofaktoren

Gesamtcholesterin: 240 mg/dl
LDL-Cholesterin: 160 mg/dl

Gesunde mit Risikofaktoren

Gesamtcholesterin: 200 mg/dl
LDL-Cholesterin: 130 mg/dl

Herz-Kreislauf-Patienten

Gesamtcholesterin: 150 mg/dl
LDL-Cholesterin: 100 mg/dl